<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>The Voices of a Zany Kid &#187; Gedanken</title>
	<atom:link href="http://www.volker-kopetzky.de/category/schreiben/gedanken/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.volker-kopetzky.de</link>
	<description>Just another vzk Sites site</description>
	<lastBuildDate>Sun, 13 May 2012 10:15:48 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.1.2</generator>
		<item>
		<title>Auf Knochen gehen</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/</link>
		<comments>http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 03 Feb 2008 10:04:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen</guid>
		<description><![CDATA[<p align="right">Pnom Phen - Killing Fields</p>
Je älter ... <a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="right">Pnom Phen &#8211; Killing Fields</p>
<p>Je älter die Menschen werden, umso mehr Erfahrung sammeln sie an. Dies dachte ich auch über mich. Etwas passiert, Du siehst etwas. Danach siehst Du es in Deiner Erinnerung und nennst es Erfahrung.</p>
<p>Die Wahrheit ist: keine Erfahrung kann Dich auf den nächsten Moment vorbereiten, das Neue ist immer ausserhalb der Erfahrung.</p>
<p>Als Deutscher teile ich die unangenehme Erfahrung des Massenmords mit den Menschen aus Kambodscha. Mein bisheriges Leben, meine Erfahrung, war das Aufwachsen in einem Land, das bewusst<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_0_270" id="identifier_0_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="wenn auch nur ein einzelner Deutscher etwas bewu&szlig;t tut, ist das stellvertretend f&uuml;r alle anderen &amp;#8211; ist das nicht die Definition von Vaterland?">1</a></sup> Millionen von Menschen, Familien, Kinder, Erwachsene, Väter, Mütter, Geschwister getötet hat. Ich betrachte die Deutsche Seele (wenn es so etwas gibt)  als traumatisiert und auf dem langen Weg der Heilung.</p>
<p>Natürlich war ich nicht persönlich dabei, auch mein Vater war noch zu jung, um zu jener Zeit bewußt zu sein, geschweige denn zu handeln. Meine Großeltern waren auf jeden Fall dabei. Und ich habe sie nicht danach gefragt &#8211; was ich heute bedauere.</p>
<p>Nach nunmehr zwei Jahren in Südiostasien (hauptsächlich in Thailand), habe ich die buddhistische Tendenz zur Vergebung angenommen und auch den Wunsch, mich davon abzuhalten, anderen Leid zu tun. Also war ich nun &#8211; im Gepäck meine eigene und die Erfahrung meines Landes, fein und nett verpackt und gelagert &#8211; unterwegs nach Kambodscha, genauer gesagt wollte ich nicht den einfachen Grenzrutschvisumerneuernbesuch, sondern mehr über dieses Land lernen, da ich auch eines Tages dort arbeiten (und vielleicht leben) will. Für mich ist die Geschichte eines Landes eine der besten Quellen, um die Kultur und die Klischees<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_1_270" id="identifier_1_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Klischee ist die Extrapolation von einzelnen Charakteristiken eines Teiles auf das Ganze. Wir verwenden Klischees t&auml;glich und ausdauernd: jedesmal, wenn wir &amp;#8220;die Asiaten&amp;#8221; oder &amp;#8220;der M&uuml;nchner&amp;#8221; oder auch &amp;#8220;der deutsche Holocaust&amp;#8221; sagen, ist das ein Klischee. Man darf sie nur nicht fraglos auf den einzelnen zur&uuml;ck&uuml;bertragen&amp;#8230;">2</a></sup> eines mir neuen Landes kennenzulernen.Mein Wissen zuvor war:</p>
<ul>
<li>eines der ärmsten Länder der Welt</li>
<li>haben Öl gefunden</li>
<li>schicken viele Gastarbeiter nach Thailand</li>
<li>Essen ist nicht so gut wie in Thailand</li>
<li>Dollars sind besser als Riehl</li>
<li>Diffuses über die Roten Khmer</li>
</ul>
<p>Mein Wissen nach zwei Tagen in Pnom Phen war:</p>
<ul>
<li>Essen ist mindestens genauso gut wie in Thailand<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_2_270" id="identifier_2_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="viele thail&auml;ndische Gerichte kommen urspr&uuml;nglich aus Kambodscha">3</a></sup></li>
<li>Das Öl ist da, aber keine Ahnung, wie dadurch Geld zu den Leuten kommt (wenn es nicht schon längst in anderen Taschen gelandet ist)</li>
<li>Kambodschaner sind Khmer, aber auf keinen Fall (mehr) rot!</li>
<li>Ich habe keinerlei rote Kleidung gesehen</li>
<li>Das Verfahren gegen etliche ältere Herren, die in den 70ern Rote Khmer waren, wir 2008 als ein internationales Gerichtsverfahren erföffnet</li>
<li>Kambodscha ist laut &#8220;Reporter ohne Grenzen&#8221; das Land mit der besten Pressefreiheit in Südostasien</li>
<li>Die (englischen) Zeitungen sind redaktionell und inhaltlich um etliches weiter als ihre thailändischen Pendants.</li>
<li>Ich bin auf den Knochen ermordeter Menschen gegangen</li>
</ul>
<p>Ein Killing Field in Kambodscha ist eine von circa 350 Stätten, zu denen Menschen nur zu einem einzigen Zweck gebracht wurden: gewaltsam Sterben. Das Killing Field, das ich besucht habe, bestand aus einer Verwaltungshütte, in der die &#8230; wie kann man solche Menschen respektvoll nennen!?! &#8230; die ohne ihr Wissen zum Tode Verurteilten ein besondere Einverständniserklärung unterschreiben mussten: sie erklärten sich damit einverstanden, getötet zu werden.</p>
<p>Es gab einem Werkzeugschuppen mit den Gerätschaften zum Töten und zum Vergraben. Getötet wurde möglichst leise, um keinen Verdacht bei den Ankommenden und Passanten<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_3_270" id="identifier_3_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="auch wenn &uuml;blicherweise alle Menschen einen km um das Killing Field weggesiedelt wurden">4</a></sup> zu erregen. In den vielen Fällen wurde auch Volksmusik gespielt. Gewehkugeln waren Mangelware, weswegen die meisten erschlagen oder ergraben wurden. Kinder wurden an einem Baum erschlagen. Im Gespräch mit meinem Führer<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_4_270" id="identifier_4_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ha! Merkst Du die Klischees, die in diesem Wort stecken!">5</a></sup> zeigten sich auch die Unterschiede zwischen unseren Ländern. Neben den allseits beliebten Zahlenvergleichen<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_5_270" id="identifier_5_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es gab sogar einen kurzen, peinlich abgebrochenen Wettstreit: &amp;#8220;Aber wir haben mehr get&ouml;tet. Wir waren schlimmer!!&amp;#8221; Wir beide schienen Schuld auf uns laden zu wollen&amp;#8230;">6</a></sup> sprachen wir lange über die Auswirkungen auf die Seelen und Herzen der Menschen. Er aus einer näheren Sicht, da er diese Zeit persönlich als Kind erlebt und auch Verwandte verloren hatte. Ich aus einer ferneren Sicht, mit einer weniger persönlich betroffenen als anerzogenen Wahrnehmung, die gleichzeitig auch kaum einen emotionalen Schmerz verursachte.</p>
<p>Und wir kamen zu der Frage: wie geht man mit den Schuldigen und mit der Schuld um? Dies ist nicht die Frage über das Empfinden oder die Reue der Täter, die in allen Schattierungen Order gegeben, Gefängnisse und Folterkerker eingerichtet und dann natürlich auch gefoltert und getötet haben &#8211; nicht selten sogar eigene Verwandte! Es ist auch nicht die Frage über mehr oder weniger Schuld der Täter, die Menschen mit Spaten erschlagen haben, sie einfach lebendig mit anderen Leichen vergraben haben. Die einfach &#8220;Befehle befolgt&#8221; haben, um nicht selber getötet zu werden. Genauswenig ist es die Frage über die Höhe der Schuld der Machthabenden, die in diesem Jahr vor ein UN Tribunal gestellt werden<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_6_270" id="identifier_6_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="und &auml;hnlich gut versorgt werden wie die Guantanamo H&auml;ftlinge &amp;#8211; ohne die Folter, daf&uuml;r mit besseren Unterk&uuml;nften als 90% der Bev&ouml;lkerung">7</a></sup></p>
<p>Oder diejenigen, die Kleinkinder wie Hühner an einem Baum totgeschlagen haben. Ich habe diesen Baum berührt &#8211; er lebt immer noch. Das Kinderblut befindet sich heute in zwei Metern Höhe in Gestalt eines braunen Flecks&#8230;</p>
<p>Nein, unsere Frage war, was passiert mit der Seele derer, die heute noch leben? Wie werden sie auf das ausstehende Urteil gegen die alten Roten Khmer reagieren? Können, Wollen, Werden sie den Zyklus der Gewalt unterbrechen<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_7_270" id="identifier_7_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="im Gegensatz zu den bisherigen Entscheidungen der Menschen an der Macht in Israel und Palestina">8</a></sup>?</p>
<p>Ich weiß annähernd nichts über die Details der anstehenden Verhandlung, kaum etwas über die Geschichten der heute Lebenden und kann nur vermuten, wie sie fühlen. Ich kann nicht annähernd raten, wie sie auf das Urteil und zuvor auf den Verlauf der Gerichtsverhandlung reagieren werden. Eine bhuddistische Geschichte &amp; Tradition konnte diese Menschen nicht vor Gewalt schützen oder sie davon abhalten, genausowenig wie die Bergpredikt dies in Europa und Amerika geschafft hat.</p>
<p>Aber vielleicht, ein hoffendes, ganz kleines vielleicht, werden die Menschen in Kambodscha auf Gewalt verzichten &#8211; und wenn es nur deswegen ist, weil sie soviel selbst davon erlitten haben, sich noch daran erinnern und deswegen nicht so sein wollen, wie die gewalttätigen Menschen waren.</p>
<p>Der in der Geschichte bisher einzige  Ausweg aus der Spirale der Gewalt war der Verzicht darauf, war das Vergeben &#8211; egal in welcher Religion. Ich persönlich kenne keinen anderen, dieses Ping-Pong der Rache zu beenden. Und keiner ist gefährlicher und erfordert mehr Mut<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_8_270" id="identifier_8_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="man reise nur nach Amerika ein &amp;#8211; die Grenzkontrollen sind ein &ouml;ffentlicher Ausdruck der Angst des ganzen Landes">9</a></sup>.</p>
<p>Vielleicht wird uns diese arme Land Kambodscha zeigen, wie man dies erreicht.</p>
<p>PS: Wir Deutschen haben das auch geschafft, aber es ist schon eine Generation her &#8211; wir Nachkriegskinder verlieren mehr und mehr die Erinnerung&#8230;</p>
<h3>Notizen</h3>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_270" class="footnote">wenn auch nur ein einzelner Deutscher etwas bewußt tut, ist das stellvertretend für alle anderen &#8211; ist das nicht die Definition von Vaterland?</li><li id="footnote_1_270" class="footnote">Ein Klischee ist die Extrapolation von einzelnen Charakteristiken eines Teiles auf das Ganze. Wir verwenden Klischees täglich und ausdauernd: jedesmal, wenn wir &#8220;die Asiaten&#8221; oder &#8220;der Münchner&#8221; oder auch &#8220;der deutsche Holocaust&#8221; sagen, ist das ein Klischee. Man darf sie nur nicht fraglos auf den einzelnen zurückübertragen&#8230;</li><li id="footnote_2_270" class="footnote">viele thailändische Gerichte kommen ursprünglich aus Kambodscha</li><li id="footnote_3_270" class="footnote">auch wenn üblicherweise alle Menschen einen km um das Killing Field weggesiedelt wurden</li><li id="footnote_4_270" class="footnote">ha! Merkst Du die Klischees, die in diesem Wort stecken!</li><li id="footnote_5_270" class="footnote">Es gab sogar einen kurzen, peinlich abgebrochenen Wettstreit: &#8220;Aber wir haben mehr getötet. Wir waren schlimmer!!&#8221; Wir beide schienen Schuld auf uns laden zu wollen&#8230;</li><li id="footnote_6_270" class="footnote">und ähnlich gut versorgt werden wie die Guantanamo Häftlinge &#8211; ohne die Folter, dafür mit besseren Unterkünften als 90% der Bevölkerung</li><li id="footnote_7_270" class="footnote">im Gegensatz zu den bisherigen Entscheidungen der Menschen an der Macht in Israel und Palestina</li><li id="footnote_8_270" class="footnote">man reise nur nach Amerika ein &#8211; die Grenzkontrollen sind ein öffentlicher Ausdruck der Angst des ganzen Landes</li></ol>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Auf Wiederlesen: Abiturrede 1986</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/abirede1986/</link>
		<comments>http://www.volker-kopetzky.de/abirede1986/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 21 Jun 2006 17:16:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/abirede1986/</guid>
		<description><![CDATA[<p><h2>Vorrede</h2>
&#60;a target=&#34;_blank&#34; title=&#34;Wikipedia&#34; h...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/abirede1986/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
<h2>Vorrede</h2>
<p><a target="_blank" title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stephen_King">Stephen King</a> hat sich im Vorwort zu seinem <em>Schwarzen Turm</em> sehr unterhaltsam mit dem Alter und der Lebenseinstellung seines 19-jährigen Ichs auseinander gesetzt (<em>On being Nineteen</em>). Er begann den ersten Band in exakt jenem Alter und beendete den Roman (sieben Bände, ca 7000 Seiten) mit ungefähr Mitte vierzig.</p>
<p>Ich stimme ihm vollen Herzens zu, denn ich habe für unser zwanzigjähriges <a target="_blank" title="Abitreffen Jahrgang 1986" href="http://www.mannlich-abi86.de.ms">Abiturtreffen</a> meine Abiturrede ausgegraben, die ich (a) auch im Alter von 19 Jahren geschrieben, (b) nach zwanzig Jahren das erste Mal und älter geworden wieder gelesen habe, so daß ich (c) etwas beschämt auf meinen jugendlichen Stolz und Appelldrang schaue und (d) das ganze natürlich heute gaanz anders schreiben würde.</p>
<p>Es ist schön, mit dieser Zeitmaschine in die eigene Vergangenheit zu reisen und die eigenen Veränderungen zu beobachten: Beim Lesen kommen Erinnerungen über die damalige Vorvereinigungszeit und deren Wertemoden hoch. Ich entdecke eigene Werte, die mir im Laufe der Zeit in den Hintergrund geraten sind. [Mein zorniges jugendliches Ich runzelt gerade ganz erbost die Stirn: Verrat! ... Mein heutiges Ich möchte sagen "Ho, Brauner! Denk doch erst mal ein bißchen nach, bevor Du die Leut' zerreißt und gegen 'das System' wetterst".]</p>
<p>Ist es nicht so, daß sich die von uns kritisierten Themen im Laufe unseres Lebens verschieben? In der Jugend sehen wir eher die allgemeinen Fehler im System, dann wachsen wir in es hinein und regen uns &#8211; äter und erfahrener und weniger drangvoll geworden &#8211; eher über &#8216;den (einzelnen) Menschen&#8217; auf. Man ist wettergegerbter, weniger idealistisch und trägt deswegen aber auch das Risiko, die jungen Menschen nur zu belächeln und sie nicht ganz so <a title="Club-Beobachtungen" href="http://www.volker-kopetzky.de/clubby-sounds-und-ein-kaffee/">ernst zu nehmen</a>.</p>
<p>Da ich beim Wiederlesen mich selbst beobachtete, brachte ich in diesem Fall etwas mehr Respekt mit, als ich im Alltag für andere Jugendliche (und Menschen) aufbringe. Durch mehrmaliges Lesen stellte sich eine Veränderung in mir ein: zuerst nahm ich mein junges Ich gar nicht ernst (und schämte mich für seine unordentliche Rede), dann kritisierte ich mich über Maßen beim zweiten Durchlesen, und nach dem Abschreiben für diesen Artikel bin ich an der Position angelangt, von der (&#8216;meiner Meinung nach&#8217; sagt mein jüngeres Ich) wir älteren die Jugend mit Liebe, Respekt und nützlicher (ankommender?) Kritik betrachten und beachten können.</p>
<p>Mit der eigenen Jugend fällt es ja noch leicht: man ist ja selber jung gewesen &#8212; was niemand abstreitet, manche aber sehr aufwendig verdrängen. Je mehr wir diese Liebe und Respekt &#8212; und das Lächeln &#8212; auch auf andere Menschen übertragen können, desto weniger Leid wird es für uns und in der Welt geben. Und somit bin ich nun sogar ein bisserl stolz auf mich, daß mir mein jüngeres Ich nach zwanzig Jahren diese schöne Erfahrung geschenkt hat.</p>
<p>Ich verzichte also auf die aufbreitete Kritik an der <em>reinen Abiturrede</em>, mein jüngeres Ich hört nämlich gar nicht zu.<br />
Viel Spaß beim Lesen, Erinnern und in der eigenen Zeitmaschine!<br />
Schwarzenbach, Juni 2006<br />
Volker</p>
<h2><span id="more-251"></span>Abiturrede Mai 1986</h2>
<p>Nach 13 Jahren Schule stehe ich heute Abend nun hier und begrüße Sie herzlich zu unserer Abiturfeier 1986.<br />
Vorrausgehend möchte ich sagen, daß ich mit dem Verfassen dieser Abiturrede sehr viele Schwierigkeiten hatte. Diese Schwierigkeiten lagen vor allem darin, daß ich mich anfangs nicht für einige wenige Themen aus einer großen Vielzahl solcher  entscheiden konnte. Und da war da noch die Frage, ob ich für die letztendlich ausgewählten Themen qualifiziert bin. Trotz aller Mängel bin ich der Überzeugung, daß diese meine Rede vielleicht etwas aus dem Rahmen fällt, mir selbst und einigen Bekannten aber doch ganz gut gefiehl.</p>
<p>Wir alle, die wir uns heute Abend hier befinden, verknüpfen irgendwelche Erinnerungen mit der Schule allgemein.</p>
<p>So stelle ich mir die Gedanken der Eltern, sofern sie nicht selbst Lehrer sind, etwas nostalgisch verfärbt vor. Es gab wahrscheinlich gute und wahrscheinlich schlechte Lehrer. Man hatte bessere und schlechtere Erlebnisse, aber dies ist ja alles sehr subjektiv. Vielleicht war es alles in allem eine schöne Zeit, aber ich glaube, daß die meisten von Ihnen froh waren, als Sie in das tägliche und gefährliche Leben entlassen wurden.</p>
<p>Die Gedanken der Lehrer stelle ich mich mir wiederum realistischer vor. Ich glaube, daß so mancher Lehrer am ersten Tag seiner schulischen Laufbahn mit sehr viel Elan, gutem Willen und vielen Verbesserungsvorschlägen in die Schule stürmte, dann aber anbetrachts der störrischen Schüler verzweifelte.</p>
<p>Bezüglich dieser Verzweiflung glaube ich, daß einige altgediente Lehrer mittlerweile schon gegen das Desinteresse der Schüler immun sind, dadurch jedoch für die Lehrmethoden der jüngeren Lehrer leider nur ein Lächeln übrig haben. Ja, manchem möchte ich sogar einen leichten Mangel an Engagement im Untericht vorwerfen &#8211; auch wenn oder gerade weil die außerschulische Vorbereitung sehr viel Aufwand erfordert. Doch diese Rede hat ja als Anlaß unseren Schulabschluß, deshalb möchte ich einige meiner Gedanken erläutern.</p>
<p>Wir Abiturienten bekommen heute Abend unser Abiturzeugnis. Für diejenigen, die noch ein Jahr in den Genuß unserer Reformierten Oberstufe kommen (die demnächst wahrscheinlich re-reformiert wird, gerade weil sie so hervorragend ist), kann ich nur eins sagen: laßt Euch nicht unter- sondern durchkriegen!</p>
<p>Angesichts einer etwas verzwickten ReO, einer etwas zu kurz gekommenen Menschlichkeitslehre und einem in meinen Augen unmenschlichen aber nötigem Numers Klausus, habe ich mit einem Abiturzeugnis heutzutage folgende drei Aussichten: 1. eine sogenannte &#8220;höher-schulische&#8221;, 2. eine &#8220;promovierte&#8221; Arbeitslosigkeit, d.h. durch anschließendes Studium und Last And Least die Hoffnung, einen der so selten gewordenen Arbeitsplätze zu ergattern.</p>
<p>Wie dies viele wahrscheinlich schon bei der Ferienjobsuche erfahren haben, ist das Ziel &#8220;Arbeitsplatz&#8221; heutzutage fast nur noch durch Beziehungen zu erreichen. So wurde mir bei vielen Bekannten die Existenz einer krassen Vetternwirtschaft bewußt. Dies schein mir daran zu liegen, daß die Gesellschaft in ihrem jetzigen Zustand verharren will.</p>
<p>Dies wiederum führt dazu, daß die uns Schülern zustehende und notwendige Fähigkeit, in Frage zu stellen, zu erneuern und damit gemachte Fehler in Zukunft zu vermeiden oder wenigstens zu kompensieren, ja, daß diese Aufgabe schon in der Schule vernachlässigt und manchmal sogar unterdrückt wird. Dabei ist diese Fähigkeit angesichts Tschernobyl, Cattenom, Wackersdorf und letztendlich angesichts der immer weiter fortschreitenden Aufrüstung eine wichtige Chance, von dem damit verbundenen Wahnsinn abzurücken.</p>
<p>Weiterhin bin ich der Überzeugung, daß mich die Schule bis heute nicht zu einem mündigen Bürger erzogen hat, obwohl dies doch immerhin versucht wurde, jedoch außerhalb des Lehrplans, der &#8211; soweit ich ihn einsehen konnte &#8211; so etwas in seiner heutigen Spezialisierung und Konzentrierung nicht zuläßt. Das Ziel, den Schüler als mündigen Menschen aus der Schule in die Gesellschaft zu entlassen sollte aber einer der Grundbestandteile eines vernünftigen Lehrplans sein.</p>
<p>Die eben genannten Mängel sind nicht auf die Lehrer zurückzuführen, obwohl sie von einigen verstärkt werden. Nein, diese Mängel sind vor allem auf die bisherige Politik des Kultusministeriums zurückzuführen: während der letzten 2 1/2 Jahre hatte ich die Möglichkeit, den Alltag der Landesschülervertretung kennen zu lernen. Vor dem hiesigen Regierungswechsel versprach eine Abgeordnete der damaligen Opposition, die damals nicht legalisierte Gesamtschülervertretung das Saarlandes im Falle einer Regierungsübernahme zu legalisieren. Die GSV ist bis heute noch nicht anerkannt! Dies ist nur ein Beispiel für die vorhandene Starrheit unseres Schulsystems.</p>
<p>Der jetztige Lehrplan hat noch einige andere prägnante Mängel: wo kann ich zum Beispiel lernen, wie ich eine solche Rede aufsetze (dies ist nun das Produkt des 6. Versuchs)? Oder wer bringt mir bei, wie ich eine Bewerbung oder eine Kriegsdienstverweigerung formuliere?</p>
<p>Da ich gerade beim Thema Schule und Gesellschaft bin, möchte ich noch ein für viele von Ihnen bekanntes Thema anschneiden: warum sind denn viele von uns jungen Menschen von der Krankheit &#8220;Null-Bock-auf-gar-nichts&#8221; infiziert?</p>
<p>Dies kommt meiner Meinung nach daher, daß die heutige Gesellschaft uns in ein sehr starres System zwingt. So ist zum Beispiel finanzieller Wohlstand nur in der Anpassung an die Gesellschaft möglich. Oder wir haben beruflich praktisch keine freien Entfaltungsmöglichkeiten. Oder ist die freie Berufswahl noch im Sinne des Grundgesetzes möglich? So kommt es nun dazu, daß viele junge Menschen ihre Zukunftlosigkeit erkennen. Dadruch ist man schon infiziert!</p>
<p>Trotz alledem gibt es sehr wenige, die diese ihre Krankheit voll zum Ausbruch kommen lassen. Dies ist meiner Meinung in der immer noch vorhandenen Hoffnung im Menschen auf die Zukunft begründet. Und weiterhin ein Anzeichen für die in uns trotz aller Widrigkeiten immer noch vorhanden Fähigkeit und den Willen zu erneuern und altes zu verbessern zu wollen.</p>
<p>Um nun zum Ende zu kommen und Sie nicht allzusehr zu langweilen werde ich nun zum Schluß kommen.</p>
<p>Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.volker-kopetzky.de/abirede1986/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Protected: Frontarbeit: Definitionsversuch</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/frontarbeit/</link>
		<comments>http://www.volker-kopetzky.de/frontarbeit/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 15 May 2006 10:23:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[People/Software/Projects]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/frontarbeit/</guid>
		<description><![CDATA[There is no excerpt because this is a protected post.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<form action="http://www.volker-kopetzky.de/wp-pass.php" method="post">
<p>This post is password protected. To view it please enter your password below:</p>
<p><label for="pwbox-246">Password:<br />
<input name="post_password" id="pwbox-246" type="password" size="20" /></label><br />
<input type="submit" name="Submit" value="Submit" /></p></form>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.volker-kopetzky.de/frontarbeit/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>&quot;vielleicht verkaufen&quot; versus Besserrecht Syndrom</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/</link>
		<comments>http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 08 May 2006 19:13:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[People/Software/Projects]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/</guid>
		<description><![CDATA[<p>Im ihrem Artikel spricht &#60;a title=&#34;When Fundamentalists ...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im ihrem Artikel spricht <a title="When Fundamentalists Meet: 37Signals vs. McGovern" href="http://www.annezelenka.com/2006/03/when-fundamentalists-meet-37signals-vs.html">Anne</a> über die prinzipienreiterische Einstellung mancher sogenannter Experten und plädiert für eine breitere Akzeptanz des Wortes &#8220;vielleicht&#8221;. Gerade dieses <em>vielleicht</em> kann eine mögliche Therapie für das Besserrecht Syndrom sein.</p>
<p>Annes Text erinnert mich an etliche unangenehme Gefühle: inhaltloses BlaBla auf Konferenzen produzierte bei mir immer Müdigkeit. Das unachtsame Zutexten eines Kunden durch den Vertriebskollegen war mir peinlich. Mein mir selber unangenehmes Schwadronieren zum Selbstzweck war kompetentes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit. Der besserwissende Kunde, der mit Zitaten oder Metaphern &#8216;gegen&#8217; mich antrat, war sehr nervig. Umso schlimmer war meine eigene Frustration, wenn er recht hatte.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_0_241" id="identifier_0_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="recht haben wird manchmal mit dem richtigen Zitat verwechselt">1</a></sup></p>
<p>Dieser dauernde Wettbewerb in der Disziplin Besserwissen scheint eine weit- und übergreifende Krankheit zu sein. Die Ursache ist meines Erachtens: die Experten hören den Kunden nicht zu, weil sie abgelenkt sind. Irgend etwas ist ihnen wichtiger als das Gegenüber &#8211; oder wichtiger als man selbst, wenn man selber zum ausgiebigen Niederreden neigt. Und die Kunden wollen gar nicht so richtig gehört werden &#8212; man könnte ja das unwissende Gesicht verlieren.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_1_241" id="identifier_1_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Was in Asien umso schlimmer ist">2</a></sup></p>
<h3>ablenken</h3>
<p>Das passierte mir auch selber und häufiger.<br />
Examplarisch: Ein Kunde warf mir eine Metapher um die Ohren: &#8220;Der Mediamarkt bietet doch auch leicht zusammenzubauende Produkte von verschiedenen Herstellern an. Warum kann ich die (Software-)Produkte Ihrer Firma nicht genauso einfach mit anderen zusammenstecken, Herr Kopetzky?&#8221;<br />
In jenem Augenblick &#8212;  es war einer der ersten Termine mit jenem Kunden &#8212; war ich zu sehr damit beschäftigt, mich dem Kunden anzubiedern. Ich wollte Teil des Kundenteams sein und auch so gesehen werden.<br />
Also war meine Antwort &#8220;Aber <em>wir</em> sind doch nicht blöd, oder?&#8221;<br />
Zwar gut gemeint, ging aber nach hinten los: für den Kunden war ich eben nicht in seinem Team.<br />
<em>Er</em> hörte &#8220;<u>Wir</u> (die Firma des Herrn Kopetzky) sind nicht blöd. <u>Ihr</u> als Kunde aber schon.&#8221;</p>
<p>Wenn ich es recht überlege, entstehen viele Probleme rund um das Recht-haben nach diesem Muster: irgendwie abgelenkt.</p>
<h3>anbiedern</h3>
<p>Ein möglicher Grund für das Besserrecht Syndrom ist der ganz natürliche Wunsch <em>recht zu haben</em>. Man will eben nicht falsch liegen. Und doch kennt jeder das Gefühl der Niederlage: nach einer erfolglosen Diskussion mit den Eltern als pubertierender Freiheitskämpfer in eigener Sache.</p>
<p>Sind mehrere Leute beteiligt &#8212; vielleicht sogar Möchtegernexperten &#8212; kommt dann noch der Wettbewerbsaspekt hinzu: Nur der gewinnt, der <em>recht<u>er</u> hat</em>. Es dreht sich nicht mehr um den Inhalt oder die Umsetzung, sondern nur noch darum, irgendeine für alle anderen neue Information zur rechten Zeit aus dem Hut zu <a target="_blank" title="Die ewige Geschichte IBM vs SCO" href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/72041">zaubern</a>. Mir scheint, daß das Besserrecht Syndrom genau deswegen so weit verbreitet ist, weil es einen so breiten Nutzen hat.</p>
<p>Es nützt (a) dem Besserrechtler, indem es ihm eine Aura der Kompetenz ohne großen Aufwand verleiht: er muß nichts beweisen, nichts tun, einfach nur viel und vor allem anderes als die anderen wissen. Und es nützt (b) dem Zuhörer &#8212; meistens der Kunde. Er muß nicht Zeit und Geld investieren, um zwischen verschiedenen Besserwissern zu unter- und entscheiden. Sondern nimmt einfach den, der rechter scheint. Zusätzlich produziert das persönliche Anhören eines Gurus beim Publikum ein angenehmes Groupiegefühl: &#8220;Ich war da! Ich habe mit dem Meister gesprochen!&#8221; <em>stolzes Lächeln, ungläubiges &#8220;Echt?&#8221; beim Zuhörer.</em></p>
<p>Ich bin erst sehr spät darauf gekommen, daß ich selber begeisterter Groupie bin: ich will dem Experten &#8212; vor allem wenn er mich begeistert &#8212; immer zeigen, daß gerade ich ihn besonders richtig verstanden habe! Ich habe selber als Redner und Berater eigene Groupies um mich geschart. Aufgrund der Selbstreflektion entstand in mir dann immer ein ungutes Gefühl: der Groupie<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_2_241" id="identifier_2_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="die IT Branche hat den gr&ouml;&szlig;ten Anteil an m&auml;nnlichen Groupies">3</a></sup> erinnerte mich immer zu sehr an mich selbst. Und deswegen konnte ich mich nicht auf mein Gegenüber konzentrieren. Im Gegenteil: Ich war zu sehr damit beschäftigt, mich über mich selbst zu ärgern. Dieses Gefühl der Genervtheit, dieses JaJaNicken zu scheinbar unsinnigen Wiederholungen oder Erbsenzählungen zum jeweils aktuellen Thema&#8230;</p>
<h3>nix wissen</h3>
<p>Irgendwann war ich es dann satt, in diesem Besserwisserwettbewerb mitzurennen. Bald danach hatte ich ein Bewerbungsgespräch, in dem ich nach meiner Ausbildung gefragt wurde.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_3_241" id="identifier_3_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ausschlie&szlig;liches Herumreiten auf dem Wissensaspekt der Ausbildung ist ein oft anzutreffendes Symptom des Besserrecht Syndroms.">4</a></sup> Ich sagte &#8220;Meine besten Ausbilder sind meine Kunden. Von ihnen habe ich alles gelernt. Der Rest davor war bisher ziemlich nutzlos.&#8221; Wie zu erwarten, war das Krankheitsbild meines Gegenübers bereits zu fortgschritten, um mich einzustellen.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_4_241" id="identifier_4_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Und ich auf einem meiner idealistischen Trips.">5</a></sup></p>
<p>Nachdem ich mich also vom aktiven Wettkampf verabschiedet hatte, lernte ich jeden Tag und meistens viel dazu. Endlich Spaß und Lernen mit Groupies! Das war zwar gut für mich selber, hatte aber keinen guten Effekt auf den Umsatz meines Arbeitgebers.</p>
<p>Der Kunde erwartet immer noch einen kompetenten Besserwisser. Er will Kompetenz <em>sehen</em>, weil er selber keine hat &#8212; warum sonst würde er einen Experten fragen? Daß diese Kompetenz sich meistens auf das rezitieren von Technologievokabular bezieht, also durch Besserwissen vorgetäuscht werden kann, stört ihn dabei nur wenig. Das Besserrecht Syndrom macht es für alle Beteiligten einfacher &#8211; sonst würde es nicht so erfolgreich sein.</p>
<p>Es gibt Ausnahmen auf beiden Seiten &#8211; und die sind meistens erfolgreicher als die Konkurrenz. Es gibt Firmen<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_5_241" id="identifier_5_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich reduziere den Begriff Kunde bewu&szlig;t auf Kunde=Firma. F&uuml;r Unternehmen, deren Kunde der Massenmarkt ist, sind die Aufw&auml;nde zu hoch, Experten oder Gurus zu Noch-Nicht-Kunden zu schicken. Vielmehr funktioniert dieser Markt etwas anders: wenn das Produkt, ein Thema oder der Guru nicht von selbst das Interesse weckt, wird das Produkt auch nicht gekauft und die Firma stirbt mehr oder weniger, laut oder leise vor sich hin">6</a></sup>, die zugeben, wo sie nicht weiter wissen und es gibt Experten, die offen zeigen, daß sie den Kunden zu Beginn gar nicht kennen. Und im Idealfall lassen beide jegliches sinnloses Technologiewissen und -gebrabbel erst einmal beiseite.</p>
<p>Manche erinnern sich vielleicht noch an den sogannten Business Process Reengineering Hype Anfang der 90er Jahr. Nachdem viele auf diesen Hype aufgesprungen waren, scheiterten die meisten dabei. Das Konzept scheint nur <a title="ENG: Lessons learned" target="_blank" href="http://www.ftmastering.com/mmo/mmo02_1.htm">dann</a> erfolgreich zu funktionieren, wenn das Unternehmen kurz vor dem Abgrund steht. Nur dann ist der Wunsch und Wille zur Veränderung ausreichend groß. Ein erfolgreiches Beispiel in Deutschland ist hierfür die Firma Meggle (Mitte der 90er). In Amerika zeigt sich das für mich am Beispiel Apple (In den letzten Jahren).<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_6_241" id="identifier_6_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Nicht zu vergessen, der gro&szlig;e Turmbau zu Softwarebabel genannt .com">7</a></sup></p>
<h3>was wissen</h3>
<p>Der Philosoph: &#8220;Ich weiß, daß ich nichts weiß.&#8221;<br />
<em>Zustimmendes Nicken im Publikum.</em><br />
Dylan: &#8220;The Times, they are a-changing.&#8221; (Lalala)<br />
<em>Rhythmisches Klatschen brandet auf.</em><br />
Der Priester: &#8220;Was Du nicht willst, daß man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.&#8221;<br />
<em>Positives Raunen kommt auf<br />
</em>Der Verrater: &#8220;Ich weiß Bescheid, denn ich habe die drei Jungs vor mir zitiert! Hier ist, was Ihr tun müßt!&#8221;<br />
<em>Begeistertes Gedrängel an der Garderobe, um die eigenen Gehirne abzugeben</em><br />
Jedesmal, wenn ich diese vollbrustige Stimme der Überzeugung höre, kommen mir einige dumme Fragen in den Sinn:<br />
Was weiß der Verrater &#8212; im Gegensatz zum etwas ehrlicheren <em>Be</em>rater &#8212; von seinem Gegenüber?<br />
Wieso argumentiert er mit dem Philosophen und Dylan und dem Priester, wenn er ihre Aussagen direkt danach in den Nachttopf kippt?</p>
<ul>
<li>Wenn ich nichts weiß, wieso weiß ich dann mehr als ihr?</li>
<li>Kann ich die Zukunft vorhersagen, die sich dauernd (und schneller) verändert?</li>
<li>Wenn ich dazu da bin, den anderen beim Lernen zu helfen, warum will ich nicht auch von ihnen lernen?<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_7_241" id="identifier_7_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="das w&auml;re mal eine gute Idee f&uuml;r unser Schulsystem">8</a></sup></li>
</ul>
<p>Ich bin oft genug selber in diese Fallen getappt. Jedesmal, wenn ich ein Argument mit einer semantischen Rochade<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_8_241" id="identifier_8_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Man wechselt vom Schachbrett zum M&uuml;hlebrett. Zum Beispiel, forderte einmal ein Kunde, da&szlig; er lieber das Werkzeug A verwenden w&uuml;rde, die Firma aber B als Standard gew&auml;hlt hatte.
Darauf hin ich: &amp;#8220;Tool B hat mehr Features&amp;#8230; Wissen Sie, warum sich ein Hund an den Eiern leckt?&amp;#8221;
&amp;#8220;???&amp;#8221;
&amp;#8220;Weil er kann.&amp;#8221;
Tool A war danach vom Tisch. (Und es ist irrelevant, ob ich die Aussage &uuml;ber Tool B oder A mache).
Zusammengfasst: man wechselt das Thema m&ouml;glichst unbemerkt und konsequent.">9</a></sup> vom Tisch gefegt habe. Jedesmal, wenn ich mehr mir selber als dem anderen zugehört habe. Und immer, wenn ich aufgehört habe, &#8220;Warum?&#8221; zu fragen.</p>
<h3>vielleicht verkaufen</h3>
<p>Ich denke, jeder würde gerne häufiger ein ehrliches <em>vielleicht</em> hören, wenn es da nicht das Problem der Unsicherheit gäbe. Man weiß nicht weiter, man ist frustriert, Unglück droht und kein Ausweg in Sicht. Dann fängt man an, nach Lösungen zu suchen. In der IT sind dies zumeist Technologien &#8212; vielleicht sogar fertige<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_9_241" id="identifier_9_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ein neues Software-Werkzeug ist immer halbfertig &amp;#8212; egal wie alt und reif und hoch nummeriert das Produkt vom Hersteller beworben wird">10</a></sup> Softwaresysteme oder Standards.</p>
<p>Doch diese neuen Ideen führen nur zu mehr Unsicherheit: Man kennt sich da ja erst recht nicht aus. Deshalb fängt man an, nach Wissen zu suchen, das einem die ersten Entscheidungen erleichtern kann. Meistens in Form mehrerer Experten. Wie der Patient, der eine unklare Diagnose hat und mehrere Ärzte konsultiert.</p>
<p>Die Spreu trennt sich jedoch nicht vom Weizen anhand der Technologie. Technologische Entscheidungen sind zutiefst emotional, weil sie nur wenige objektive Faktoren haben: als Entscheider weiß man so gut wie nichts über die einem neue Technologie. Zuletzt muß der Kunde unwissend entscheiden, was besser zu ihm passt. Und das hängt nicht allein von der Technologie ab, sondern eher von seinen Bedürfnissen.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_10_241" id="identifier_10_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Informatiker werden einf&uuml;gen, da&szlig; dies ein rekursives Problem ist: exitierende Technologie produziert Bed&uuml;rfnisse, die wiederum durch neue Technologie befriedigt werden m&uuml;ssen. Und daraus entstehen wiederum neue Bed&uuml;rfnisse &amp;#8212; und ein Riesenmarkt f&uuml;r Besserwisser.">11</a></sup></p>
<p>Technologie wird von Menschen gemacht. Es gibt immer jemanden, der darüber Bescheid weiß. Wir Kunden, die wir die Technologie nicht so richtig verstehen, sollten in dieser Gruppe nach den Menschen suchen, die <em>uns</em> am besten verstehen können und <em>uns</em> die Technologie näher bringen können. Und wir Berater sollten uns dazu verpflichten, <em>zuerst</em> den Kunden zu lernen, seine Bedürfnisse zu verstehen. Und erst danach die technologischen Themen zu planen.</p>
<h3>anfangen</h3>
<p>Aus diesem Grunde bezeichne ich meinen Beruf lieber nicht als den eines Be- oder Verraters, sondern als den des Anfängers: Ich fange mit jedem Kunden von neuem an. Und mein Kunde fängt mit mir auch immer etwas neues an.</p>
<p>In dieser Zeit des immer größeren Nichtwissens und der immer schnelleren Veränderung sind wir alle Anfänger &#8211; jeden Tag von Neuem. Jemand, der glaubt, durch mehr recht haben erfolgreicher sein zu können, weiß weniger als die, die wissen, daß sie nichts wissen.</p>
<p>PS: Und ja, ich weiß, daß ich mit diesem Text auch dem Besserrecht Syndrom anheim falle: Ich weiß jedoch, daß ich nichts über das Nichtwissen weiß&#8230;*g*</p>
<h3>Zusätze</h3>
<p>Wer sagt denn, daß ein Post nicht leben darf? In diesem Abschnitt füge ich Änderungen hinzu, die mir im Laufe der Zeit auffallen.</p>
<h4>aufgrund von <strong>mod</strong>s Kommentar &#8211; 2006-05-09</h4>
<p>Korrekt. Mir fällt auf, daß ich in meiner Zusammenfassung etwas hektisch war und nicht ganz zu Ende gedacht habe.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_11_241" id="identifier_11_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="diese Formulierung ist genauso gut wie recht haben. Interessante Beobachtung ergeben sich manchmal, wenn man W&ouml;rter austauscht, wie zum Beispiel ein Auto haben oder beginnen zu denken. Ist denn &uuml;berhaupt irgendwas jemals zu Ende?">12</a></sup></p>
<p>Also hier ein erweitertes Ende (und ich <em>gebe</em> mod <em>Recht</em> <img src='http://www.volker-kopetzky.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> :<br />
Was nützt ein Beginn, der nicht weitergeht. Und vor allem, was nützt ein <em>vielleicht, </em>wenn man es nicht im Laufe der Zusammenarbeit in ein <em>&#8220;so ist es für uns&#8221;</em> umwandelt?</p>
<p>Der Berater, der ein vielleicht stehen läßt und nicht dagegen ankämpft, hat seinen Job nicht getan.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/#footnote_12_241" id="identifier_12_241" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="amerikanisches Sprichwort: assume makes an ass out of u and me">13</a></sup></p>
<h3>Notizen</h3></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_241" class="footnote"><em>recht haben</em> wird manchmal mit dem richtigen Zitat verwechselt</li><li id="footnote_1_241" class="footnote">Was in Asien umso schlimmer ist</li><li id="footnote_2_241" class="footnote">die IT Branche hat den größten Anteil an männlichen Groupies</li><li id="footnote_3_241" class="footnote">Ausschließliches Herumreiten auf dem Wissensaspekt der Ausbildung ist ein oft anzutreffendes Symptom des Besserrecht Syndroms.</li><li id="footnote_4_241" class="footnote">Und ich auf einem meiner idealistischen <a target="_blank" title="Don Quixote" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Don_Quijote">Trips</a>.</li><li id="footnote_5_241" class="footnote">Ich reduziere den Begriff Kunde bewußt auf Kunde=Firma. Für Unternehmen, deren Kunde der Massenmarkt ist, sind die Aufwände zu hoch, Experten oder Gurus zu Noch-Nicht-Kunden zu schicken. Vielmehr funktioniert dieser Markt etwas anders: wenn das Produkt, ein Thema oder der Guru nicht von selbst das Interesse weckt, wird das Produkt auch nicht gekauft und die Firma stirbt mehr oder weniger, laut oder leise vor sich hin</li><li id="footnote_6_241" class="footnote">Nicht zu vergessen, der große Turmbau zu Softwarebabel genannt .com</li><li id="footnote_7_241" class="footnote">das wäre mal eine gute Idee für unser Schulsystem</li><li id="footnote_8_241" class="footnote">Man wechselt vom Schachbrett zum Mühlebrett. Zum Beispiel, forderte einmal ein Kunde, daß er lieber das Werkzeug A verwenden würde, die Firma aber B als Standard gewählt hatte.<br />
Darauf hin ich: &#8220;Tool B hat mehr Features&#8230; Wissen Sie, warum sich ein Hund an den Eiern leckt?&#8221;<br />
&#8220;???&#8221;<br />
&#8220;Weil er kann.&#8221;<br />
Tool A war danach vom Tisch. (Und es ist irrelevant, ob ich die Aussage über Tool B oder A mache).<br />
Zusammengfasst: man wechselt das Thema möglichst unbemerkt und konsequent.</li><li id="footnote_9_241" class="footnote">ein neues Software-Werkzeug ist immer halbfertig &#8212; egal wie alt und reif und hoch nummeriert das Produkt vom Hersteller beworben wird</li><li id="footnote_10_241" class="footnote">Informatiker werden einfügen, daß dies ein rekursives Problem ist: exitierende Technologie produziert Bedürfnisse, die wiederum durch neue Technologie befriedigt werden müssen. Und daraus entstehen wiederum neue Bedürfnisse &#8212; und ein Riesenmarkt für Besserwisser.</li><li id="footnote_11_241" class="footnote">diese Formulierung ist genauso gut wie <em>recht haben</em>. Interessante Beobachtung ergeben sich manchmal, wenn man Wörter austauscht, wie zum Beispiel <em>ein Auto haben</em> oder <em>beginnen zu denken. </em>Ist denn überhaupt irgendwas jemals <em>zu Ende</em>?</li><li id="footnote_12_241" class="footnote">amerikanisches Sprichwort: assume makes an <em>ass</em> out of <em>u</em> and <em>me</em></li></ol>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.volker-kopetzky.de/vielleicht-verkaufen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>bilingual thoughts about translating &#039;big&#039; (from E2D)</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/thoughts-translating-english2german/</link>
		<comments>http://www.volker-kopetzky.de/thoughts-translating-english2german/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 21 Apr 2006 19:34:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[English]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanken]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/thoughts-translating-english2german</guid>
		<description><![CDATA[<p>This article is bilingual - first the english and then t...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/thoughts-translating-english2german/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>This article is bilingual &#8211; first the english and then the german version. It is based on my experiences translating Paul Graham&#8217;s essay <a href="http://www.paulgraham.com/procrastination.html" title="english original / englisches Original" target="_blank">Good and Bad Procrastination</a>, the translation can be found <a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-prokrastination/" title="german translation / deutscher Text" target="_blank">here</a>. Additional information (some explanations, mostly) in the english version are in embraced by [ and ] (what the h&#8230; do you call them?:-).</p>
<p>Dieser Artikel  ist zweisprachig, zuerst die englische und dann die deutsche Version. Er basiert auf meinen Erfahrungen während der Überstzung von Paul Graham&#8217;s Essay (links zu den beiden Versionen siehe oben).</p>
<p>For those of you, who are bilingual enabled, you find a third version at the end, with each single paragraph first  in english and then in german. Feel free to comment how I translated my own text:-)</p>
<h2>ENGLISH</h2>
<p>When translating a motivating text &#8212; and Paul&#8217;s essays are motivating &#8212; the vocabulary is is not the only problem, but more the <em>intention</em>. What reaction does the author want to imply within the reader?</p>
<p>When translating such a motivational text the translator inevitably will hit a cultural and emotional wall between the two languages. In Paul&#8217;s essay mentioned above these are especially the two terms <strong>big project </strong>and <strong>big work</strong>.</p>
<p>In the end it&#8217;s only the term <strong>big</strong>, if you treat &#8220;project&#8221; as the activity and &#8220;work&#8221; as the outcome (thus both being sometimes interchangeable). One, there is a german tendency to look negatively at everything &#8216;Great&#8217; [being one meaning of big] which I think is based on the german experiences around WWII. On the other side the american word &#8220;big&#8221; has two more additional meanings than the german term &#8220;groß&#8221; [works also the other way: babylon reports for <u>groß</u>: <em>big, large, adult, enormous, immense, huge, impressive, magnificent,  splendid, wonderful, grande, great, important</em> <img src='http://www.volker-kopetzky.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /> ) ].</p>
<p>A dictionary reports the following as possible translations of <u>big</u>: <em>groß, wichtig; schwer; reichlich</em>.<br />
[these are the babylon translations for the other words:<br />
<u>wichtig</u>: <em>important, significant, serious, prominent</em><br />
<u>schwer</u>: <em>heavy, having a great weight, solid, massive, weighty; grave, serious,  hard, difficult, big </em><br />
<u>reichlich</u>: <em>abundant, plentiful, copious, bounteous, unsparing; affluent, wealthy,  rich, having an abundance of; luxurious; ample</em>]<br />
Other english words with similiar meaning are: <em>large; important; adult, full-grown</em>. The latter are quite similiar to German: &#8220;a great man&#8221; (spoken with appreciative eyebrow), or &#8220;the scissors are only for the big&#8221; (ones, says the mother to the child). But &#8220;groß&#8221; is not used to describe importance or difficulty &#8212; at least in my own personal vocabulary.</p>
<p>As translator, you need to choose the right meaning for the intention, depending on the context: is it more to focus on difficulty or on being succesful? Or is it more about the importance of the things you do?</p>
<p>So it becomes difficult to translate the above terms consistently &#8212; although they seem simple in the first place &#8212; and also keep the intention of the author (as far as you can interpret it). But with motivating texts this is the most important thing: the translated text needs to be more than original plus dictionary. The worthiness of only translating word by word can be observed when looking at the oucome of computer generated translations. Without the creativity of the translator, the magic of intention is lost.</p>
<p>But the translator&#8217;s creativity is also the greatest danger: to write down his own intention and falsifying or destroying the original intention.</p>
<p>I translate Paul&#8217;s essays having this in mind, hopefully I do well&#8230;</p>
<h2>DEUTSCH</h2>
<p>Beim Übersetzen eines motivierenden Textes — und nichts anderes sind die Essays von Paul Graham — ist nicht nur das Vokabular ein Problem, sondern auch die <em>Intention</em>. Was will der Autor mit dieser Formulierung im Leser bewirken?</p>
<p>Beim Übersetzen eines solchen motivierenden Textes stößt man unweigerlich an kulturelle und emotionale Mauern zwischen den Sprachen. Diese sind für mich in diesem Text vor allem die beiden Begriffe <strong><em>big project</em></strong> und <strong><em>big work</em></strong>.</p>
<p>Letztendlich ist es nur der Begriff <strong><em>big</em></strong>, wenn man “project” als die Tätigkeit und “work” als das Ergebnis (und damit auch teilweise vielleicht auch austauschbar) betrachtet. Neben der für uns Deutsche seit dem letzten Weltkrieg anhaftenden Tendenz, alles ‘Große’ negativ zu bewerten, verwenden (vor allem Bewohner der amerikanische Sprache) das Wort “big” mit zwei weiteren Annotationen als wir Deutsche den Begriff “groß”.</p>
<p>Ein Wörterbuch liefert als Übersetzung die folgenden Möglichkeiten: <em>groß, wichtig; schwer; reichlich</em>. Weitere englische Wörter mit ähnlichem Sinngehalt sind: <em>large; important; adult, full-grown</em>. Letztere ähneln dem Deutschen: ein großer Mann (mit anerkennender Augenbraue ausgesprochen), oder “die Scheren sind nur für die großen” (Menschen, sagt die Mutter zum Kind). Jedoch wird “groß” — jedenfalls in meinem persönlichen Wortschatz — nicht für die sinngemäße Beschreibung von Wichtigkeit oder Schwierigkeit verwendet.Als Übersetzer muß man die richtige Bedeutung für die Intention verwenden, abhängig vom Kontext: fokussiert der Autor eher auf die Schwierigkeit oder den Erfolg? Oder betont er die Wichtigkeit desssen, was man tut?<br />
Damit wird es schwierig, die obigen scheinbar einfachen Begriffe konsistent zu übersetzen, und die (von mir vermutete) Intention des Autoren beizubehalten. Bei motivierenden Texten oder in Romanen ist das aber die wichtigste Sache: der übersetzte Text muß mehr als die Summe aus dem Original und dem Wörterbuch sein. Das Ergebnis einer solchen stupiden Addition kann man bei computergenerierten Übersetzungen bewerten. Ohne die Kreativität des Übersetzers geht die Magie der Intention verloren.Die Kreativität des Übersetzers ist aber auch die größte Gefahr: man schreibt die eigene  Intention hin und verfälscht oder zerstört die ursprüngliche Intention.</p>
<p>Ich übersetze Paul Grahams Essays mit diesem Gedanken im Sinn, hoffentlich mach ich&#8217;s gut&#8230;</p>
<h2>MIXED</h2>
<p>When translating a motivating text &#8212; and Paul&#8217;s essays are motivating &#8212; the vocabulary is is not the only problem, but more the <em>intention</em>. What reaction does the author want to imply within the reader?</p>
<p>Beim Übersetzen eines motivierenden Textes — und nichts anderes sind die Essays von Paul Graham — ist nicht nur das Vokabular ein Problem, sondern auch die <em>Intention</em>. Was will der Autor mit dieser Formulierung im Leser bewirken?</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p>When translating such a motivational text the translator inevitably will hit a cultural and emotional wall between the two languages. In Paul&#8217;s essay mentioned above these are especially the two terms <strong>big project </strong>and <strong>big work</strong>.</p>
<p>Beim Übersetzen eines solchen motivierenden Textes stößt man unweigerlich an kulturelle und emotionale Mauern zwischen den Sprachen. Diese sind für mich in diesem Text vor allem die beiden Begriffe <strong><em>big project</em></strong> und <strong><em>big work</em></strong>.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p>In the end it&#8217;s only the term <strong>big</strong>, if you treat &#8220;project&#8221; as the activity and &#8220;work&#8221; as the outcome (thus both being sometimes interchangeable). One, there is a german tendency to look negatively at everything &#8216;Great&#8217; [being one meaning of big] which I think is based on the german experiences around WWII. On the other side the american word &#8220;big&#8221; has two more additional meanings than the german term &#8220;groß&#8221; [works also the other way: babylon reports for <u>groß</u>: <em>big, large, adult, enormous, immense, huge, impressive, magnificent,  splendid, wonderful, grande, great, important</em>].</p>
<p>Letztendlich ist es nur der Begriff <strong><em>big</em></strong>, wenn man “project” als die Tätigkeit und “work” als das Ergebnis (und damit auch teilweise vielleicht auch austauschbar) betrachtet. Neben der für uns Deutsche seit dem letzten Weltkrieg anhaftenden Tendenz, alles ‘Große’ negativ zu bewerten, verwenden (vor allem Bewohner der amerikanische Sprache) das Wort “big” mit zwei weiteren Annotationen als wir Deutsche den Begriff “groß”.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p>A dictionary reports the following as possible translations of <u>big</u>: <em>groß, wichtig; schwer; reichlich</em>.<br />
[these are the babylon translations for the other words:<br />
<u>wichtig</u>: <em>important, significant, serious, prominent</em><br />
<u>schwer</u>: <em>heavy, having a great weight, solid, massive, weighty; grave, serious,  hard, difficult, big </em><br />
<u>reichlich</u>: <em>abundant, plentiful, copious, bounteous, unsparing; affluent, wealthy,  rich, having an abundance of; luxurious; ample</em>]<br />
Other english words with similiar meaning are: <em>large; important; adult, full-grown</em>. The latter are quite similiar to German: &#8220;a great man&#8221; (spoken with appreciative eyebrow), or &#8220;the scissors are only for the big&#8221; (ones, says the mother to the child). But &#8220;groß&#8221; is not used to describe importance or difficulty &#8212; at least in my own personal vocabulary.</p>
<p>Ein Wörterbuch liefert als Übersetzung die folgenden Möglichkeiten: <em>groß, wichtig; schwer; reichlich</em>. Weitere englische Wörter mit ähnlichem Sinngehalt sind: <em>large; important; adult, full-grown</em>. Letztere ähneln dem Deutschen: ein großer Mann (mit anerkennender Augenbraue ausgesprochen), oder “die Scheren sind nur für die großen” (Menschen, sagt die Mutter zum Kind). Jedoch wird “groß” — jedenfalls in meinem persönlichen Wortschatz — nicht für die sinngemäße Beschreibung von Wichtigkeit oder Schwierigkeit verwendet.</p>
<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p>As translator, you need to choose the right meaning for the intention, depending on the context: is it more to focus on difficulty or on being succesful? Or is it more about the importance of the things you do?</p>
<p>Als Übersetzer muß man die richtige Bedeutung für die Intention verwenden, abhängig vom Kontext: fokussiert der Autor eher auf die Schwierigkeit oder den Erfolg? Oder betont er die Wichtigkeit desssen, was man tut?<br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p>So it becomes difficult to translate the above terms consistently &#8212; although they seem simple in the first place &#8212; and also keep the intention of the author (as far as you can interpret it). But with motivating texts this is the most important thing: the translated text needs to be more than original plus dictionary. The worthiness of only translating word by word can be observed when looking at the oucome of computer generated translations. Without the creativity of the translator, the magic of intention is lost.</p>
<p>Damit wird es schwierig, die obigen scheinbar einfachen Begriffe konsistent zu übersetzen, und die (von mir vermutete) Intention des Autoren beizubehalten. Bei motivierenden Texten oder in Romanen ist das aber die wichtigste Sache: der übersetzte Text muß mehr als die Summe aus dem Original und dem Wörterbuch sein. Das Ergebnis einer solchen stupiden Addition kann man bei computergenerierten Übersetzungen bewerten. Ohne die Kreativität des Übersetzers geht die Magie der Intention verloren.&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;</p>
<p>But the translator&#8217;s creativity is also the greatest danger: to write down his own intention and falsifying or destroying the original intention.</p>
<p>I translate Paul&#8217;s essays having this in mind, hopefully I do well&#8230;</p>
<p>Die Kreativität des Übersetzers ist aber auch die größte Gefahr: man schreibt die eigene  Intention hin und verfälscht oder zerstört die ursprüngliche Intention.</p>
<p>Ich übersetze Paul Grahams Essays mit diesem Gedanken im Sinn, hoffentlich mach ich&#8217;s gut&#8230;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.volker-kopetzky.de/thoughts-translating-english2german/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Paul Graham: &quot;Gutes und schlechtes Aufschieben&quot;</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/pg-prokrastination/</link>
		<comments>http://www.volker-kopetzky.de/pg-prokrastination/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 20 Apr 2006 09:35:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/archiv/232</guid>
		<description><![CDATA[<p>Dieses Essay ist die Übersetzung von Paul Graham's &#60;a t...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-prokrastination/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Essay ist die Übersetzung von Paul Graham&#8217;s <a title="Englischer Originaltext" target="_blank" href="http://www.paulgraham.com/procrastination.html">Good and Bad Procrastination</a>. Das englische Wort <em>procrastination</em> bedeutet wörtlich <em>Verzögerung</em> oder <em>Zaudern</em>. Für mich funktioniern auch <em>Aufschub</em>, beziehungsweise <em>aufschieben</em>.</p>
<p>In den letzten Jahren wurde das Wort auch wissenschaftlich/psychologisch eingedeutscht und als eigenständiges Verhaltensmuster sozusagen in den internationalen (westlichen) &#8216;Mackenkatalog&#8217; aufgenommen. Weiteres dazu in der <a title="Prokrastination" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Prokrastination">Wikepedia</a>.</p>
<p>Wie immer sind von mir zusätzliche Wörter und Kommentare in [eckigen Klammern] gekennzeichnet.</p>
<h2>Dezember 2005</h2>
<p>Die beeindruckendsten Menschen, die ich kenne, sind schreckliche Aufschieber. Kann es also sein, daß Aufschieben gar nicht so schlecht ist?</p>
<p>Die meisten Artikel zum Thema beschäftigen sich mit der Heilung der Prokrastination. Was aber genau betrachtet gar nicht möglich ist: Es gibt unendlich viele Dinge, die man zu einem gegebenen Augenblick tun kann. Egal, woran man arbeitet, man arbeitet nicht an all den anderen Dingen. Die Frage lautet also nicht, wie man Prokrastination vermeidet, sondern wie man richtig verzögert.</p>
<p>Es gibt drei Arten der Verzögerung, abhängig davon, was man <em>stattdessen</em> tut: (a) nichts, (b) etwas weniger wichtiges, oder (c) etwas wichtigeres. Meines Erachtens ist letztere eine gute Art des Aufschiebens.</p>
<p>Der &#8220;schusselige Professor&#8221; vergisst das Rasieren, das Essen oder sogar seine Umgebung beim Spaziergang, wenn er über eine interessante Fragestellung nachdenkt. Seine Gedanken fliehen den Alltag und stürzen sich freudig auf ein schwieriges Thema.</p>
<p>In diesem Sinne sind alle beeindruckenden Menschen, die ich kenne, Aufschieber. Sie sind Typ-C Aufschieber: sie vernachlässigen unwichtige Arbeit und beschäftigen sich lieber mit der wichtigen [großen/schwierigen] Sache.</p>
<p>Welche &#8216;unwichtigen&#8217; Dinge? Grob gesagt: alles, was nicht in Deinem Nachruf berücksichtigt wird. Im Heute ist dies zwar schwer zu bestimmen (sei es Dein Magnus Opus über sumerische Tempel oder die Detektivgeschichte, die Du unter einem Pseudonym geschrieben hast), aber eine ganze Gruppe von Tätgkeiten kann getrost aufgeschoben werden: Rasieren, Wäschewaschen, Wohnung putzen, Dankesbriefe [heutzutage emails] &#8212; all dies fällt unter die Rubrik Botengänge.</p>
<p>Gutes Aufschieben vermeidet Botengänge zugunsten der eigentlichen Aufgabe.</p>
<p>Zumindest aus der eigenen Sicht. Die Auftraggeber der Botengänge sehen das sicherlich nicht so. Ihr Ärger läßt sich nicht vermeiden, um die wichtigen Aufgaben zu erledigen. Die augenscheinlich sanftesten Menschen entwickeln eine Tendenz zur Brutalität, um unnötige Botengänge zu vermeiden.</p>
<p>Einige solche Botengänge, wie zum Beispiel das Beantworten von Briefen [oder email], verschwinden durch Ignorieren von selbst (zusammen mit [sogenannten] Freunden). Andere, wie zum Beispiel Rasenmähen oder die Steuererklärung, werden schlimmer und aufwendiger, je länger man wartet. Generell sollte diese zweite Art von Botengang nicht aufgeschoben werden. Irgendwann muß man&#8217;s doch tun. Warum als nicht (wie es immer so schön den Mahnungen heißt: gestern, beziehungsweise) sofort?</p>
<p>Ein Grund, sogar solche Botengänge zu verschieben, liegt in der längeren Zeit und der richtigen Stimmung, die man für die wirklich wichtigen Dinge benötigt. Wenn man sich heute für ein aufwendiges Projekt begeistert, erreicht man unterm Strich mehr. Auch wenn die Botengänge nächste Woche mehr Arbeit bedeuten, ist man letztendlich effizienter. Die Projektarbeit heute [in dieser Woche, in der richtigen Stimmung] plus die Botengänge nächste Woche ist mehr als umgekehrt [schwierige Arbeit in der falschen Stimmung braucht immer länger].</p>
<p>Tatsächlich liegt der Unterschied meist nicht in der Quantität, sondern in der Qualität. Es gibt vielleicht Aufgaben, die sich nur am Stück, in langen, durchgängigen Schüben erledigen lassen. Wenn man von der Muse geküßt wird. Empirisch scheint das genau so zu sein. Wenn ich mir Menschen vorstelle, die Großes erreicht haben, erscheint mir das fleißige, pflichtbewusste Abhaken von To-Do-Listen absurd. Ich stelle mir eher vor, daß diese besonderen Menschen solche Botengänge schwänzen und sich lieber heimlich mit der neuen Idee beschäftigen.</p>
<p>Im Gegenteil: jemanden zu zeitlich gebundenen Botengängen zu verdonnern schränkt unweigerlich die Produktivität ein. Der Preis einer Unterbrechung ist nicht nur die dafür benötigte Zeit. Sie teilt ausserdem die Aufgabe davor und danach in zwei Teile. Um jemanden [der an einer schwierigen Aufgabe arbeitet] völlig unproduktiv zu machen, muß man ihn wahrscheinlich nur ein, zwei Mal am Tag unterbrechen.</p>
<p>Ich habe mich immer wieder gefragt, warum <a target="_blank" title="(englischer Artikel)" href="http://www.paulgraham.com/start.html">Startupunternehmen</a> zu Beginn ihrer Existenz am produktivsten sind &#8212; wenn das Unternehmen nur aus ein paar Leuten in einer Wohnung [oder Garage] besteht. Der Hauptgrund ist vielleicht, daß sie noch von niemandem gestört werden. Theoretisch ist es sinnvoll, irgendwannn genügend Geld zu verdienen, damit Angestellte den Job der Firmengründer übernehmen können. Aber es ist vielleicht besser, [eine Zeitlang] überarbeitet zu sein, anstatt dauernd abgelenkt zu werden. Sobald man eine junge Firma ausreichend mit durchschnittlichen Angestellten verwässert &#8212; mit Typ-B Aufschiebern &#8212; beginnt die ganze Firma ihr Lied zu singen. Normale, durchschnittliche, unterbrechungsgesteuerte Menschen werden eingestellt &#8230; und kurz darauf übernimmt die gesamte Firma diese Einstellung.</p>
<p>Botengänge sind ein sehr effizientes Mittel, um schwierige Projekte zu torpedieren. Deswegen werden sie von vielen Menschen verwendet. Zum Beispiel wird jemand, der einen Roman schreiben will, plötzlich feststellen, daß das Haus dringend einen Frühjahrsputz benötigt. Menschen, die beim Romanschreiben scheitern, sitzen nicht tagelang vor einem weißen Blatt Papier. Stattdessen füttern sie die Katze, kaufen etwas für die Wohnung, treffen Freunde im Café, lesen ihre email. &#8220;Ich habe keine Zeit, daran zu arbeiten&#8221; sagen sie. Und das stimmt: sie kümmern sich sehr darum, keine Zeit zu haben.</p>
<p>(Es gibt eine Variante dieses Arguments: man habe keinen Platz zum Arbeiten. Gegenmittel: man schaue sich die Arbeitsplätze [ oder -bedingungen] von berühmten Personen an. Dann frage man sich, ob man selber <em>so</em> arbeiten könne)</p>
<p>Ich habe selber diese Entschuldigungen verwendet. In den letzten 20 Jahren habe ich eine Menge Tricks gelernt, um mich zum Arbeiten [an den wichtigen Themen] zu bringen. Aber selbst heute schaffe ich das nicht immer. An einigen Tagen arbeite ich so richtig richtig. Andere Tage ertrinken in Botengängen. Und ich weiß, es ist meine eigene Schuld: um ein schwieriges Problem zu umschiffen, <em>lasse ich zu</em>, daß die Botengänge mich bestimmen.</p>
<p>Die gefährlichste Art des Aufschiebens ist die uneingestandene Typ-B Prokrastination. Weil sie sich nicht so anfühlt. Man &#8220;erledigt richtig Sachen&#8221;. Eben nur die falschen.</p>
<p>Jeder Ratschlag, die Dinge einfach zu erledigen ist nicht nur unvollständig, sondern in höchsten Maße fehlgeleitet, da er unterschlägt, daß die gesamte To-Do-Liste vielleicht selbst ein Zaudern, ein Typ-B Aufschub sein kann. &#8220;Vielleicht&#8221; ist noch nett gesagt. So ziemlich jede To-Do-Liste dient dem Aufschub. Solange man nicht an den wichtigsten/größten Dingen arbeitet, zaudert man herum (Typ-B-mäßig, sozusagen), egal wieviel anderes man erledigt kriegt.</p>
<p>Richard Humming schlägt drei Fragen an sich selbst vor. Aus seinem bekannten Essay <a target="_blank" title="(englischer Text)" href="http://www.paulgraham.com/hamming.html">You and Your Research</a> (das ich jedem ehrgeizigen Leser empfehle, egal woran er arbeitet):</p>
<ol>
<li>Was sind die wichtigsten Probleme in Deinem Umfeld?</li>
<li>Arbeitest Du daran?</li>
<li>Warum nicht?</li>
</ol>
<p>Hamming begann solche Fragen zu stellen, als er in den Bell Labs arbeitete. An einem solchen Ort sollte doch jeder in der Lage sein an den wichtigsten Problemen seines Arbeitsfeldes zu arbeiten. Wahscheinlich hinterläßt nicht jeder solche Spuren wie die Mitarbeiter der Bell Laboratories; ich weiß nicht. Aber was auch immer Deine eigenen Fähigkeiten sind, es gibt immer Themen und Projekte, die Dich herausfordern können. So kann man Hamming&#8217;s Aussage verallgemeinern zu: Was ist das Beste [Größte, Spannendste], an dem Du arbeiten könntest, und warum tust nicht genau das? Die meisten Menschen umgehen diese Frage. Ich vermeide sie auch. Ich sehe sie in diesem Text und mache, daß ich schnell zum nächsten Satz weiterkomme. Im Gegensatz dazu ging Hamming los und stellte sie jedem Menschen, den er traf. Was ihn nicht gerade beliebt machte. Jedoch sollte sich jeder voranstrebende Mensch dieser Frage stellen.</p>
<p>Die Gefahr liegt darin, mehr zu bestellen als man essen kann. Großes zu erreichen benötigt mehr als dazu passende Projekte oder Aufgaben zu finden. Hat man sie gefunden, muß man sich zwingen, daran zu arbeiten und das kann schwierig sein. Je größer das zugrundeliegende Problem, umso schwieriger die eigene Motivation.</p>
<p>Natürlich ist der fehlende <a title="(englischer Text)" target="_blank" href="http://www.paulgraham.com/hs.html">Spaß</a> der Hauptgrund, warum es den Menschen schwerfällt, sich einem bestimmten Problem zu widmen. Besonders wenn man jung ist, findet man sich häufig im &#8220;Nicht-Spaß&#8221; wieder, vielleicht weil andere es beeindruckend finden oder es einem einfach aufgetragen wurde. Die meisten Studenten arbeiten an schwierigen Themen, die sie nicht mögen. Deswegen ist die Höhere Schule synonym mit der Prokrastination.</p>
<p>Aber sogar wenn man gerne an einem Thema arbeitet ist es leicht, sich durch einfache, kleine Probleme ablenken zu lassen. Warum? Warum ist es so schwierig, an den großen Problemen zu arbeiten? Ein möglicher Grund ist die  ausbleibende Belohnung oder der in naher Zukunft unwahrscheinliche Erfolg. Wenn man etwas innerhalb von ein, zwei Tagen erledigen kann, ist das Gefühl des Erfolgs sehr nah und real. Wenn die Belohung weit in der Zukunft liegt, scheint sie weniger real.</p>
<p>Ein weiterer Grund, warum Menschen die für sie schwierigen Themen vermeiden ist ironischerweise die Angst, Zeit zu verschwenden. Was, wenn man scheitert? Dann ist die gesamte Zeit, der ganze Aufwand umsonst gewesen. (Tatsächlich ist das Gegenteil wahrscheinlicher: intensive Arbeit bringt fast immer was)</p>
<p>Das kann aber nicht alles sein. Wenn der Erfolg weit in der Zukunft liegt und viel Aufwand abzusehen ist, unterscheidet sich die Arbeit an einem größeren Problem wenig vom Besuch der zukünftigen Schwiegereltern. Dahinter liegt noch ein weiterer Grund: ein großes Problem <em>macht Angst</em>. Stehst Du ihm gegenüber, überkommt Dich ein fast körperlicher Schmerz. Als ob ein Staubsauger alle Ideen und Kreativität aus Dir zieht. Die ersten Ideen sind sofort wieder verschwunden und der Staubsauger zieht noch immer an Deinem Gehirn.</p>
<p>Man kann einem solchen Problem nicht direkt in die Augen schauen. Man kann sich ihm nur indirekt nähern. Den Blickwinkel muß man sehr exakt bestimmen: man bekommt einige Strahlen der Begeisterung [der Lösung, des Ziels] ab, läßt sich aber nicht von der Größe des Problems paralysieren. Sobald man dann unterwegs ist, justiert man den Blickwinkel nach, wie man ein Segelboot nach dem Start näher an den Wind trimmt.</p>
<p>Wenn Du für Dich schwieriges Thema angehen willst, mußt Du Dich selber austricksen. Du kannst an kleineren Problemen arbeiten, die zu größeren Lösungen führen, oder dich von den kleineren zu den größeren Problemen durchhangeln, oder die emotionale Last mit anderen teilen. Solche Tricks sind kein Zeichen der Schwäche. Einige der größten Probleme wurden damit gelöst.</p>
<p>Menschen mit denen ich spreche, die sich selbst zu solchen Themen &#8216;überredet&#8217; haben, pfeifen auf Botengänge. Und alle haben deswegen ein schlechtes Gewissen. Ich denke, sie sollten sich nicht schuldig fühlen. Es gibt immer mehr zu erledigen als man tun kann. Jemand, der sich also auf wichtige [große, schwierige] Probleme konzentriert, wird unvermeidlich Botengänge vernachlässigen. Es scheint ein Fehler zu sein, sich dafür zu schämen.</p>
<p>Meines Erachtens liegt die &#8220;Lösung&#8221; der Prokrastination eher darin, Dich von der Freude anziehen zu lassen, als daß Du eine ToDo Liste vor Dir her schiebst. Konzentriere Dich auf ein schwieriges Thema, das Dir wirklich Freude bereitet, segele so hart am Wind wie möglich und die richtigen Dinge bleiben unerledigt.</p>
<p><strong>Dank</strong> an Trevor Blackwell, Jessica Livingston und Robert Morris für das Korrekturlesen dieses Textes.</p>
<h2>Anmerkungen des Übersetzers</h2>
<p>In Deutsch und Englisch zu finden im Artikel <a href="http://www.volker-kopetzky.de/thoughts-translating-english2german/">bilingual thoughts about translating &#8216;big&#8217; (from E2D).</a></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.volker-kopetzky.de/pg-prokrastination/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Paul Graham: &quot;Das tun, was Du liebst&quot;</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/</link>
		<comments>http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 01 Apr 2006 17:20:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/archiv/230</guid>
		<description><![CDATA[<p>Dieser Text ist eine Übersetzung des Originaltextes &#60;a ...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Text ist eine Übersetzung des Originaltextes <a href="http://www.paulgraham.com/love.html">&#8220;How to do what you love&#8221;</a> von Paul Graham.</p>
<p>Mein Dank geht an Paul Graham für die Erlaubnis, diesen Text zu übersetzen. Anmerkungen von mir sind in [eckigen Klammern] eingefügt.</p>
<h2>Januar 2006</h2>
<p>Um etwas sehr gut zu machen, muß man es lieben. Die Idee ist nicht wirklich neu. Bisher haben wir sie auf vier Wörter reduziert: &#8220;Tu, was Du liebst.&#8221; Aber es den Menschen nur zu sagen, ist nicht genug. Zu tun, was man liebt, ist kompliziert.</p>
<p>Die Grundidee ist nicht das, was wir als Kinder lernen. Als ich ein Kind war, erschienen Arbeit und Spaß als fundamentale Gegensätze. Das Leben hatte zwei Zustände: ab und zu sagten die Erwachsenen, was ich zu tun hatte. Das wurde dann Arbeit genannt. Den Rest der Zeit konnte ich tun, was ich wollte. Das nannte sich Spielen. Manchmal machten die Aufträge der Erwachsenen Spaß und manchmal machte das Spielen keinen Spaß, zum Beispiel wenn ich hinfiel und mir das Knie aufchürfte. Aber mit Ausnahme dieser wenigen Anomalien war Arbeit ziemlich einfach definiert als Kein-Spaß.</p>
<p>Und das schien kein Zufall zu sein. Die Schule schien anstrengend zu sein, <em>weil</em> sie für die erwachsene Arbeit vorbereiten sollte.</p>
<p>Damals war die Welt in zwei Gruppen aufgeteilt: Erwachsene und Kinder. Erwachsene hatten zu arbeiten, vielleicht aufgrund irgendeines Fluchs. Kinder durften nicht arbeiten, aber sie mußten zur Schule gehen. Eine abgeschwächte Version von Arbeit, um uns auf das wirkliche Leben vorzubereiten. Sosehr wir uns über die Schule beschwerten, alle Erwachsenen erzählten uns, das erwachsene Arbeit schlimmer war und wir es besser hätten.</p>
<p>Lehrer im Besonderen glaubten bedingungslos, das Arbeit kein Spaß war. Was nicht besonders überrascht: Arbeit war nie Spaß für die meisten von ihnen. Warum mussten wir auch Hauptstädte auswendig lernen, wenn wir statt dessen Ball spielen könnten? Aus dem gleichen Grund, aus dem sie uns beaufsichtigen mussten, anstatt am Strand zu liegen. Man konnte einfach nicht tun, was man wollte.</p>
<p>Ich sage nicht, daß man Kinder völlig frei handeln lassen sollte. Es gibt Dinge, die sie tun sollten. Wenn die Kinder dumme Dinge tun sollen, ist es vielleicht sinnvoll, ihnen zu sagen, daß diese langweilige Sache nicht der Hauptaspekt von Arbeit ist. Stattdessen ist der Grund für die scheinbar sinnlose Arbeit jetzt, später an interessanten Dingen zu arbeiten.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/#footnote_0_230" id="identifier_0_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Im Augenblick tun wir das Gegenteil: wenn wir den Kindern langweilige Ding zu tun geben, wie zum Beispiel arithmetischen Drill, anstatt ihnen einfach zuzugeben, da&szlig; es langweilig ist, dann beh&auml;ngen wir die Arbeit nur mit oberfl&auml;chlichem Schmuck.">1</a></sup><br />
Als ich ungefähr neun oder zehn Jahre alt war sagte mir mein Vater, ich könne tun was immer ich wolle wenn ich erwachsen sei. Solange ich Spaß daran habe. Ich erinnere mich genau daran, weil es so unüblich schien. Es war wie die Aufforderung, trockenes Wasser zu trinken. Was auch immer ich damals genau dachte, ich glaube nicht, dasß er meinte, Arbeit mache <em>sprichwörtlich</em> Spaß, wie Spaß beim Spielen. Das habe ich erst Jahre später begriffen.</p>
<h3>Jobs</h3>
<p>Während der High School kam dann die Aussicht auf das Berufsleben in Sicht. Erwachsene kamen ab und an vorbei, um über ihre Arbeit zu reden oder wir besuchten welche bei der Arbeit. Allgemein wurde angenommen, daß sie ihre Arbeit mochten. Wenn ich zurückdenke, traf das aber nur auf den Jet-Piloten zu. Ich denke, der Bankmanager hatte keinen Spaß.</p>
<p>Der Hauptgrund für diese Schauspielerei war wahrscheinlich die Erwartungshaltung der oberen Mittelschicht. Die eigene Arbeit schlecht zu machen, wäre nicht nur schlecht für die Karriere, sondern ein sozialer faux-pax.</p>
<p>Woher kommt diese Konvention, die Freude an der Arbeit vorzumachen? Der erste Satz dieses Essays erklärt es. Wenn man etwas mögen muß, um es gut zu tun, dann trifft dies besonders auf die erfolgreichen zu. Dies ist eine Tradition der oberen Mittelschicht. So ziemlich alle Häuser in Amerika sind voll von [LINK]Stühlen, x-te Kopie von Kopien von Stühlen, die 250 Jahre zuvor entworfen worden sind. Ohne es zu wissen, sitzen Eigentümer auf der x-ten Kopie der alten Einstellung von Größe (im Sinne von &#8220;Großes tun&#8221;).</p>
<p>Eine grandiose Entfremdung. Sobald sie das Alter erreichen, um sich Gedanken über die eigene Zukunft zu machen, wurde den meisten Kinder die falsche Idee über die Liebe zur eigenen Arbeit eingetrichtert. Die Schule erklärt ihnen, Arbeit ist eine widerliche Pflicht. Es wird gesagt, eine Stelle zu haben ist eine anstrengendere Pflicht als sogar die Schule. Und trotzdem behaupten die Erwachsenen, ihre Arbeit zu mögen. Du kannst die Kinder nicht verurteilen, wenn sie dann völlig richtig denken &#8220;Ich bin nicht so wie ihr. In diese Welt passe ich nicht.&#8221;</p>
<p>Genau gesagt, werden Kinder dreimal angelogen: das, was sie in der Schule machen ist keine richtige Arbeit. Erwachsene Arbeit ist (notwendigerweise) schlimmer als die Schule. Und viele Erwachsene um sie herum lügen sie an, wenn sie behaupten, ihre Arbeit zu mögen.</p>
<p>Die gefährlichsten Lügner können die eigenen Eltern sein. Wenn Du einen langweiligen Job annimmst, um den hohen Lebensstandard Deiner Familie zu sichern &#8211; was viele tun &#8211; riskierst Du, Deine Kinder mit Deiner Sicht einer langweiligen Arbeit zu infizieren.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/#footnote_1_230" id="identifier_1_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Vater erz&auml;hlte mir von einem verwandten Ph&auml;nomen: er konnte vor seiner Familie nicht zugeben, wie sehr er seine Arbeit mochte. Wenn er an einem Samstag arbeiten wollte, war es ihm leichter, der Familie zu sagen, er &amp;#8220;mu&szlig;&amp;#8221; arbeiten, als zuzugeben, da&szlig; er lieber arbeiten wollte als daheim bei ihnen zu bleiben.">2</a></sup> Es wäre vielleicht besser, weniger altruistisch zu sein. Eltern, die ein Beispiel für Spaß an der Arbeit sind helfen ihren Kindern mehr als ein teures Haus.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/#footnote_2_230" id="identifier_2_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Etwas &Auml;hnliches passiert in den Vorst&auml;dten. Eltern ziehen dorthin um, damit ihre Kinder in einem sicheren Umfeld aufwachsen. Vorst&auml;dte sind jedoch so tr&uuml;b und langweilig, da&szlig; die Kinder im Alter von f&uuml;nfzehn Jahren denken, die ganze Welt w&auml;re langweilig [und dumm].">3</a></sup><br />
In meinem eigenen Leben dauerte es bis zum College, daß sich die Idee der Arbeit von der Idee des Lebensunterhalts befreien konnte. Daraufhin war die wichtige Frage, woran ich arbeiten wollte. Nicht, wie viel Geld ich damit machen würde. Idealerweise fallen diese beiden Ideen zusammen, aber einige spektakuläre Grenzfälle &#8212; wie Einstein im Patentamt &#8212; zeigen, daß sie nicht dieselbe Idee sind.</p>
<p>Die Definition von Arbeit ist, etwas Besonderes in der Welt abzuliefern, und währenddessen nicht vor Hunger zu sterben. Aber auch nach vielen Jahren Berufsleben beinhaltet mein Bild von Arbeit immer noch einen großen Anteil von Schmerz und Leid. Arbeit benötigt immer noch Disziplin, vor allem weil nur schwierige Probleme guten Gewinn liefern. Und schwierige Probleme können per Definition nur wenig Spaß machen. Man muß sich sicherlich zwingen, daran zu arbeiten.</p>
<p>Wenn man den Schmerz als selbstverständlich ansieht, übersieht man leicht den zugrundeliegenden Fehler. Was auch die Zusammenfassung meiner Erfahrungen in der höheren Schule. [Auf Nachfrage gab mir Paul ein einfaches Beispiel: Wenn Du daran gewohnt bist, daß Dir die Füße wehtun, hast Du vergessen zu fragen, ob Du vielleicht größere Schuhe brauchst]</p>
<h3>Grenzen</h3>
<p><em>Wie viel</em> darf oder soll man denn mögen? Solange man dies nicht weiß, hört die Suche nicht auf. Und wenn man diese Frage &#8211; wie viele Menschen &#8211; unterschätzt, hört man zu früh zu suchen auf. Man endet darin, das zu tun, was die Eltern einem sagen, oder dem Geldmachen, oder dem Ansehen, oder in schierem Stillstand.</p>
<p>Ein Vorschlag für eine Obergrenze: Zu mögen, was man macht heißt nicht, nur das zu machen, was man <em>jetzt</em> mag. Sogar Einstein hatte sicherlich einen Augenblick, in dem er unbedingt einen Kaffee wollte, aber er nahm sich zurück und beendete das, woran er gerade arbeitete.</p>
<p>Es wundert mich, wenn ich von Leuten lese, die das, was sie tun so sehr mögen, daß es nichts anderes zu tun gibt. Es gab nie eine Arbeit, die ich so <em>sehr</em> liebte. Wenn ich die Wahl habe zwischen (a) eine Stunde zu arbeiten, an irgendwas, oder (b) nach Rom zu teleportieren und eine Stunde herum zu streunern, gibt es irgendeine Arbeit, die besser als (b) ist? Ehrlich gesagt: Nein.</p>
<p>Fakt ist, fast jeder Mensch würde zu einem beliebigen Augenblick lieber in der Karibik segeln, oder mit jemandem schlafen, anstatt sich mit schwierigen Problemen herumzuschlagen. Die Aussage über Liebe zur Arbeit benötigt einen längeren Zeitraum. Sie bedeutet nicht, jemanden jetzt glücklich zu machen, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg, vielleicht eine Woche oder einen Monat.</p>
<p>Unproduktives Genießen macht irgendwann satt. Nach einer Weile am Strand wird&#8217;s langweilig. Wenn man glücklich bleiben will, muß man auch etwas [Produktives] tun.</p>
<p>An der unteren Grenze muß man seine Arbeit mehr lieben als irgendwelche unproduktiven Genießereien. Die Liebe sollte soweit gehen, das der Begriff &#8220;Freizeit&#8221; sich komisch anhört. Was nicht bedeutet, daß man nur noch arbeiten soll. Man kann nur eine bestimmte Zeit bei der Stange bleiben, bevor man zu müde wird und alles vermasselt. Dann will man etwas anderes tun, auch wenn es sinnlos erscheint. Aber man sollte dies nicht als den Preis ansehen, und die Zeit der Arbeit auch nicht als Bezahlung oder Schmerz, mit der man sich diesen Preis verdient.</p>
<p>Diese untere Grenze hat einen Zweck (an dieser Stelle). Wenn Du Deine Arbeit nicht liebst, hast Du sehr wahrscheinlich ein großes Problem mit der Verzögerung. Du mußt Dich selbst zur Arbeit zwingen, und dadurch werden die Ergebnisse spürbar minderwertiger [auch aus Deiner eigenen Sicht].</p>
<p>Ich glaube, um glücklich zu sein, sollte man nicht nur etwas tun, das man gerne macht, sondern man sollte es auch bewundern können. So daß man am Ende sagen kann: super, das ist wirklich gut. Was nicht bedeutet, das man wirklich etwas tut. Wenn man lernt zu faulenzen, oder eine fremde Sprache plötzlich fließend spricht, dann kann man auch super sagen. Zumindest für eine Weile. Um das aber sagen zu können, benötigt man einen Test.</p>
<p>Ich denke, ein Beispiel für einen nicht vorhandenen Test ist das Lesen eines Buchs. Außer im Lehrbetrieb und der Forschung gibt es keinen Test, wie gut man das Buch gelesen hat und deswegen fühlt sich das Lesen auch nicht wie Arbeit an. Man muß etwas mit dem Gelesenen tun, um sich produktiv zu fühlen.</p>
<p>Den meines Erachtens besten Test brachte mir Gin Lee bei: mach etwas, von dem Deine Freunde sagen &#8220;Super!&#8221; Was aber erst Anfang zwanzig funktioniert, da die meisten Menschen vorher nicht ausreichend viele Freunde zum testen haben.</p>
<h3>Sirenen</h3>
<p>Nach meiner Auffassung sollte man sich nicht an der Meinung anderer als seiner an der der eigenen Freunde orientieren. Das andere wäre Prestige: die Meinung des Rests der Welt. Wenn man sich um die Meinung der Menschen kümmert, die man respektiert, was bringt dann noch die Meinung von Menschen, die man noch nicht einmal persönlich kennt?<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/#footnote_3_230" id="identifier_3_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ich behaupte nicht, da&szlig; Deine Freunde das einzige Publikum sein sollen. Je mehr Menschen Du (mit Deiner Arbeit) helfen kannst, umso besser. Die Freunde sollten der Kompass sein.">4</a></sup><br />
Ein leicht gegebener Ratschlag, der schwierig zu befolgen ist, wenn man jung ist.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/#footnote_4_230" id="identifier_4_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Donald Hall erkl&auml;rt, da&szlig; junge M&ouml;chtegernpoeten in ihrer Besessenheit zu ver&ouml;fentlichen h&auml;ufig falsch liegen. Man kann sich jedoch vorstellen, was es f&uuml;r einen 24-j&auml;hrigen bedeutet, im New Yorker ver&ouml;ffentlicht zu werden. F&uuml;r die Menschen, die er nun auf den Partys trifft, ist er ein richtiger Poet. Tats&auml;chlich ist er nicht besser oder schlechter als vorher, aber f&uuml;r ein naives Publikum wie das seine ist diese Ver&ouml;ffentlichung eine offizielle Auszeichnung, die genau den Unterschied macht. Es ist also ein gr&ouml;&szlig;eres Problem, als es Hall definiert. Der Grund, warum junge Menschen so sehr um Prestige gr&uuml;ndet sich darin, da&szlig; ihr Publikum so nicht sehr wahrnehmungsf&auml;hig ist.">5</a></sup> Prestige ist wie ein mächtiger Magnet, der sogar die eigene Vorstellung darüber verzerrt, was man liebt. Er bringt einen dazu, sich von dem abzuwenden, was man liebt und sich damit zu beschäftigen, was man lieben will.</p>
<p>Zum Beispiel bringt es Leute dazu, Romane zu schreiben. Manche lesen gerne Romane. Sie merken, daß Autoren den Nobelpreis gewinnen. Was kann denn schöner sein, als Romane zu schreiben? Aber diese Zuneigung ist nicht genug. Man muß die eigentliche Arbeit des Schreibens mögen, um darin gut zu sein. Man muß es auch mögen, reichhaltige Lügen in Wörterschminke zu packen.</p>
<p>Prestige oder Berühmtheit ist eine Inspirationsfossilie. Egal, was man macht: wenn man irgdenwas gut genug macht, <em>macht</em> man es berühmt. Viele berühmte Dinge waren zu Beginn unbekannt und ohne Prestige. Man denke nur an Jazz &#8212; jede etablierte Kunstform kommt als Beispiel in Frage. Also tu einfach was Du magst und laß die Berühmtheit links liegen.</p>
<p>Die Berühmtheit ist besonders gefährlich für die ehrgeizigen. Damit ehrgeizige Menschen ihre Zeit sinnlos verplempern, hängt man am besten Prestige an den Haken. Das ist der Erfolgsschlüssel, um Leute dazu zu bringen, Reden zu halten, Vorwörter zu schreiben, in Komitees zu sitzen, Abteilungsleiter zu werden, usw. Es ist vielleicht ein guter Ratschlag, jede prestigesteigernde Arbeit abzulehnen. Wenn es nicht bescheuert wäre, muß man es nicht mit Prestige anreichern.</p>
<p>Im gleichen Sinn sollte man, wenn man zwei verschiedene Aufgaben gleich gern angehen möchte, die weniger prestigeverdächtige wählen. Die Meinung über Arbeit wird immer durch Prestige beeinflußt. Bei zwei gleichwertigen Alternativen hat man eher Lust auf die mit weniger Prestige behaftete. [Und man wird weniger von anderen dabei gestört]</p>
<p>Die andere Ablenkung ist Geld. Geld für sich selbst genommen ist nicht so gefährlich. Ehrgeizige Menschen lassen sich nicht am Ruf stören, oder wenn der Beruf gering geschätzt wird, wie zum Beispiel Telemarketing, Prostitution, Körperschadensersatzklagen, man aber gut bezahlt wird. Diese Art von Arbeit wird dann letztendlich von Menschen &#8220;halt zum Lebensunterhalt&#8221; ausgeführt. (Tipp: man sollte jedes Berufsfeld vermeiden, dessen Mitspieler diese Aussage machen) Die Gefahr wird größer, wenn Geld mit Prestige zusammenkommt, zum Beispiel bei Unternehmensanwälten oder Medizinern. Eine vergleichbar sichere und erfolgreiche Karriere mit eingebautem Basisprestige ist eine gefährlich verlockende Alternative für einen jungen Menschen, der noch nicht genau weiß, was er will.</p>
<p>Der Test, ob jemand wirklich das liebt, was er will: würde er damit fortfahren, wenn er dafür kein Geld bekäme und sogar noch eine andere Anstellung zum Auskommen benötigt? Wie viele Unternehmensanwälte würden mit ihrer aktuellen Arbeit fortfahren, wenn sie nicht dafür bezahlt würden, ihre Freizeit opfern müßten und tagsüber als Kellner arbeiten müßten?</p>
<p>Dieser Test hilft besonders bei der Entscheidung über eine akademische Karriere, da sich die verschiedenen Disziplinen hier sehr stark im Prestige unterscheiden. Die meisten guten Mathematiker würden weiterarbeiten, selbst wenn es keine Stellen mehr für sie gäbe. Während auf der anderen Seite des Spektrums die Anzahl der freien Lehrstellen bestimmend ist. Leute wären lieber Englisch-Professoren als Angestellte in Werbeagenturen, und je mehr man veröffentlicht, desto eher wird man Professor. Mathematische Arbeit würde immer noch stattfinden ohne mathematische Fakultäten, aber es ist die Masse der Studenten mit englischem Hauptfach &#8211; und damit die Existenz der sie lehrenden Stellen, die tausende trostlose Artikel über Geschlecht und Identität im Werk von [DETAILS AUTHOR] Conrad produziert. Niemand tut [LINK]so etwas aus Liebe oder mit Spaß.</p>
<p>Der Ratschlag der Eltern wird fälschlicherweise mehr in Richtung Geld gehen. Es ist ziemlich sicher zu behaupten, daß es mehr Jugendliche gibt, die Autor werden wollen und die Eltern sehen sie als Mediziner, als Jugendliche, deren Eltern darauf bestehen, daß sie Autor werden, anstatt Medizin zu studieren. Die Jugendlichen denken, daß ihre Eltern &#8220;materialistisch&#8221; sind. Nicht notwendigerweise. Alle Eltern tendieren dazu, bezüglich ihrer Kinder konservativer zu bewerten als für die eigene Person, einfach weil sie als Eltern mehr Risiken ertragen als Belohnungen erhalten. Wenn Dein achtjähriger Sohn auf einen Baum steigen will, oder Deine Teenagertochter sich mit dem schlimmsten Buben der Nachbarschaft verabredet, hast Du keinerlei Anteil am Spaß. Aber wenn Dein Sohn herunterfällt oder Deine Tochter schwanger wird, trägst Du die Konsequenzen.</p>
<h3>Disziplin</h3>
<p>Wenn uns solch starke Kräfte auf unserem Lebensweg verwirren, ist es kein Wunder, wie schwierig es ist, die Arbeit zu finden, die wie lieben. Die meisten Menschen werden schon in der Kindheit dazu veruteilt zu lernen, daß Arbeit=Schmerz ist. Diejenigen, die dem entkommen, lassen sich fast alle auf das Glatteis des Geldes oder der Berühmtheit führen. Wie vielen entdecken denn überhaupt etwas, das sie lieben können? Vielleicht einige wenige Hunderttausend &#8230; von Milliarden.</p>
<p>Es ist schwierig, eine Arbeit zu finden, die man lieben kann. Es muß so sein, denn so wenige finden sie. Man sollte diese Suche also nicht unterschätzen. Wenn man sich tatsächlich die eigene Unzufriedenheit eingesteht, ist man einen Schritt vor den meisten, die die Erkenntnis immer noch verweigern. Du weißt, daß in einer Lügenwelt arbeitest, wenn Du an Deinem Arbeitsplatz von Menschen umgeben bist, die alle steif und fest behaupten, Ihren Job zu mögen, den Du verachtenswert findest. Nicht unbedingt wahr, aber sehr wahrscheinlich.</p>
<p>Auch wenn eine fantastische Arbeit weniger Disziplin benötigt, als gemeinhin angenommen &#8212; weil der Trick eben darin besteht, eine Arbeit zu finden, zu der man sich nicht zwingen muss, sondern die man eben gern macht &#8212; sie zu <em>finden</em> benötigt üblicherweise eine Menge Disziplin. Einige Menschen haben das Glück, im Alter von zwölf Jahren zu wissen, was sie wollen und sie gleiten einfach so durchs Leben wie auf Schienen. Das scheint aber die Ausnahme zu sein. In den meisten Fällen haben die Menschen, die großartiges vollbringen, Lebensläufe, die an die Flugbahn eines Tischtennisballs erinnern. Sie gehen zur Schule und studieren danach A, brechen ab und beginnen einen Job B und werden dann bekannt für C, was sie so nebenher gelernt haben.</p>
<p>Manchmal ist der Arbeitswechsel ein Zeichen von Energie, manchmal durch Faulheit gekennzeichnet. Gibt man auf, oder bahnt man sich mutig einen neuen Lebensweg? Meistens kann man es selbst nicht sagen. Während sie ihre Niesche suchen, erscheinen später erfolgreiche Menschen als enttäuschende Verlierer.<br />
Gibt es einen Faktor, den man verwenden kann, um sich selber gegenüber ehrlich zu sein? Eine Möglichkeit ist, jede Aufgabe gut zu erledigen, ob man sie mag oder nicht. Dann weiß man wenigstens, daß man nicht faul ist und Unzufriedenheit als Entschuldigung mißbraucht. Vielleicht noch wichtiger ist die Erfahrung, Aufgaben gut auszuführen.</p>
<p>Ein weiterer sinnvoller Test ist: produziere immer etwas. Wenn Du eine Anstellung hast, die Du nicht ernst nimmst, weil Du Author werden willst, produzierst Du etwas? Schreibst Du Geschichten, egal wie schlecht? Solange man etwas erzeugt, kann der glorreiche Traum eines Schlüsselromans nicht als Opiat und zusätzliche Ablenkung dienen. Der Traum wird sabotiert vom allzu augenscheinlichen Mangel Deiner aktuellen Ergüsse.</p>
<p>&#8220;Produziere immer&#8221; ist auch ein Weg, die Arbeit zu finden, die man liebt. Unterwirft man sich diesem Anspruch, macht er unliebsame Dinge obsolet und zwingt einen zu den Dingen, die man liebt. &#8220;Produziere immer&#8221; entdeckt die Arbeit, die man liebt, wie das Wasser mit der Hilfe der Gravitation das Loch im Dach findet.</p>
<p>Natürlich ist das Wissen, was man liebt keine Garantie, daß man dann auch eine Anstellung oder bezahlte Arbeit findet. Das ist eine andere Frage. Und falls Du ehrgeizig bist, solltest Du diese Fragen getrennt behandeln: es benötigt ausdauernden Aufwand, um die Dinge die man liebt, von denen, die man kriegen kann zu trennen.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/#footnote_5_230" id="identifier_5_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Die entspricht dem Prinzip, da&szlig; man seinen Glauben &uuml;ber die Dinge die sind vom Wunsch, was man will trennen sollte. Die meisten Menschen vermischen beide ziemlich wahllos. Die unverminderte Popularit&auml;t von Religion ist daf&uuml;r das beste Indiz.">6</a></sup><br />
Es ist schmerzhaft, diese Fragen zu trennen, denn die Lücke zwischen ihnen tut weh. Deshalb verringern viele Menschen ihre Wünsche im Voraus. Wenn man, zum Beispiel, irgendeinen Menschen auf der Straße fragt, ob er gerne so malen würde wie Leonardo da Vinci, würden die meisten antworten &#8220;Ich kann leider nicht malen&#8221;. Was aber mehr eine Aussage der Intention als der Fähigkeit ist. Es bedeutet: &#8220;Ich werde es nicht versuchen&#8221;. Fakt ist nämlich, würde man irgendjemanden von der Straße entführen und ihn irgendwie dazu kriegen, zwanzig Jahre lang so hart wie möglich daran zu arbeiten, ein Künstler zu werden, so würde dieser Mensch ziemlich weit kommen. Es würde aber auch eine große emotionale Hürde für diesen Menschen sein: an jedem Tag wäre er gezwungen, der eigenen Unfähigkeit ins Auge zu starren. Also sagt er lieber: &#8220;Ich kann nicht.&#8221;</p>
<p>Man hört auch oft die Begründung, daß irgendjemand die ungeliebte Arbeit machen muß, daß nicht jeder das tun kann, was er gerne möchte. Wirklich? Wo und wie wird diese Arbeit festgelegt? In den USA gibt es nur eine Möglichkeit, Menschen dazu zu zwingen, etwas zu tun, was sie nicht wollen: der sogenannte Draft [Die zwangsweise Einbeziehung junger Männer in den Militärdienst]. Und das wurde seit dreißig Jahren nicht mehr angewandt. Alles, was man tun kann, ist die Menschen durch Prestige und Geld zu ermutigen.</p>
<p>Wenn es Jobs gibt, die die Menschen nicht wollen, so muß die Gesellschaft anscheinend selber damit zurecht kommen. Das passierte mit den Haushaltsangestellten. Seit tausenden von Jahren war diese Arbeit das allgemeine Beispiel für einen &#8220;Job, den keiner will&#8221;. Trotzdem starb in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts die Stellenbeschreibung &#8220;Hausangestellte/r&#8221; aus und die Reichen mussten alleine klar kommen.</p>
<p>Also auch wenn es Arbeit gibt, von der jemand sagt, sie sei notwendig, so ist die Aussage über eine bestimmte Arbeit sehr wahrscheinlich falsch. Die meiste unangenehme Arbeit wird entweder automatisiert oder einfach liegen gelassen, wenn sie keiner tun will.</p>
<h3>Zwei Wege</h3>
<p>Es gibt jedoch einen Aspekt von &#8220;Nicht jeder kann die Arbeit haben, die er will&#8221;, der nur allzu wahr ist. Man muß seinen Lebensunterhalt verdienen und es ist sehr schwierig für das, was man liebt bezahlt zu werden. Es gibt zwei Wege zum Ziel: der organische: je mehr man heraus ragt, desto mehr kann man sich aussuchen, was man an Arbeit annimmt und auf die Dinge verzichten, die man nicht gerne tut.</p>
<p>Der duale Weg: Dinge für Geld zu tun, die man nicht mag um die Dinge tun zu können, die man liebt.</p>
<p>Der organische Weg ist am weitesten verbreitet. Es ist ein Automatismus, der jedem dient, der gute Arbeit macht. Ein junger Architekt muß jeden Auftrag annehmen. Wird er besser, kann er mehr und mehr von verschiedenen Aufträgen diejenigen auswählen, die ihm liegen. Der Nachteil dieses Wegs ist seine Langsamkeit und Unsicherheit. In der Zeit liegt kein Frieden.</p>
<p>Der duale Weg hat mehrere Versionen, je nachdem, über welchen Zeitraum man für Geld arbeitet. Das eine Extrem ist der &#8220;Tagesjob&#8221;, wo man eine reguläre Arbeitszeit für reguläres Geld absitzt und in der Freizeit das tut, was man liebt. Das andere Extrem wäre, solange zu arbeiten, bis man [LINK]genug Geld hat, um nie wieder dafür arbeiten zu müssen.</p>
<p>Der duale Weg ist seltener als der organische, da er eine durchdachte Entscheidung benötigt. Er ist ausserdem gefährlicher. Das Leben wird teurer, je älter man wird, und man wird länger als erwartet im Geld-Job gebunden. Noch schlimmer: alles, an dem Du arbeitest, verändert Dich. Wenn Du zu lange an Langweiligem arbeitest, wird Dein Gehirn zu Joghurt. Und die am besten bezahlten Stellen sind am gefährlichsten, denn sie erfordern Deine gesamte Aufmerksamkeit und Energie.</p>
<p>Der Vorteil des dualen Weges ist die Möglichkeit, Hindernissen aus dem Weg zu gehen. Die Landschaft der möglichen Stellen ist nicht flach. Es gibt Hürden unterschiedlicher Höhe zwischen den verschiedenen Arten von Arbeit.<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/#footnote_6_230" id="identifier_6_230" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Eine genauere Metapher [f&uuml;r Imformatiker] w&auml;re die Aussage, da&szlig; der Graph der verschiedenen Berufsgruppen nicht sehr zusammenh&auml;ngend ist.">7</a></sup> Die Auswahl und Optimierung der bevorzugten Aufgaben verändert die Stellenbeschreibung vielleicht von Entwickler zu Analytiker, aber sehr wahrscheinlich nicht von Informationstechnologe zu Musiker. Wenn das Geld durch die eine Stelle gesichert ist, hat man die freie Wahl auf der anderen Seite.</p>
<p>Welchen Weg solltest Du nehmen? Das hängt davon ab, wie sicher Du Dir Deiner Wünsche bist, wie gut Du Anordnungen befolgen kannst, wieviel Risiko Du akzeptierst und die (Un)wahrscheinlichkeit, daß irgendjemand (im Laufe Deines Lebens) dafür bezahlen will, was Du eigentlich tun willst. Wenn Du Dir über den groben Rahmen Deiner gewünschten Arbeit sicher bist und diese etwas produziert oder tut, für das Leute wahrscheinlich Geld ausgeben, dann ist wahrscheinlich der organische Weg der richtige. Aber wenn Du noch nicht weißt, was Du willst, oder ein Problem mit Anordnungen hast, ist vielleicht der duale Weg der richtige, wenn Du das Risiko in Kauf nehmen willst.</p>
<p>Entscheide nicht zu früh. Kinder, die früh wissen, was sie wollen, erscheinen beeindruckend, wenn sie eine mathematische Frage vor den anderen Kindern beantworten. Sie haben eine Antwort (bestimmt) aber die Wahrscheinlichkeit ist gering, daß es die richtige ist.</p>
<p>Eine Freundin von mir, eine ziemlich erfolgreiche Ärztin, beschwert sich kontinuierlich über ihren Beruf. Junge Menschen, die sich für einen medizinischen Beruf bewerben und sie um Rat fragen, möchte sie am liebsten am Schlafittchen packen, schütteln und anschreien &#8220;Tu das nicht!&#8221; (Aber sie macht das niemals). Wie kam sie zu dieser Einstellung? Schon in der High School wollte sie Ärztin werden. Und aufgrund ihres Ehrgeizes und ihrer Entschlossenheit war sie in der Lage, jedes Hindernis auf ihrem Weg zu meistern &#8212; leider einschließlich der Tatsache, das sie den Beruf gar nicht mag.</p>
<p>Sie hat sich für ein ein Leben entschlossen, das ihr von einem High-School Teenager vorgegeben wurde.</p>
<p>Wenn man jung ist, bekommt man den Eindruck, daß man immer genug Information hat, bevor man eine Entscheidung treffen muß. Was aber sicherlich nicht der Fall in der Berufswahl ist. Diese Entscheidung basiert auf  lächerlichen, unvollständigen Informationen. Selbst im College [in der Hochschule] hat man nur die geringste Ahnung von den verschiedenen Berufen. Am besten macht man ein paar Praktika, die sind aber wiederum nicht für alle Berufe möglich. Und wenn doch, lernt man dort auch nicht viel mehr als wenn einem der Balljunge Tennis beibringt.</p>
<p>Im Lebensentwurf, wie im Entwurf der meisten Dinge, erhält man bessere Ergebnisse durch die Verwendung flexibler Materialien. Hat man sich also noch nicht entschieden, ist ein erster Beruf sinnvoll, der einem beide Wege (dual und organisch) offenläßt. Was auch wahrscheinlich der Grund war, warum ich mich für Computer entschieden habe. Man kann ein Professor sein, eine Menge Geld machen, oder den Beruf in beliebige andere umformen.</p>
<p>Es ist auch eine gute Idee, sich nach einem Beruf umzusehen, in dem man eine Vielzahl von verschiedenen Aufgaben erledigen kann. Dadurch lernt man schneller, welche Art von Arbeit man lieber und welche weniger gern hat. Und im Gegensatz dazu ist extreme Variante des dualen Weges gefährlich, weil sie eine geringe Vielfalt an zu lernender Arbeit beinhaltet. Wenn Du hart und zehn lange Jahre als Börsenmakler gearbeitet hast, um dann reich aufzuhören und Romane zu schreiben: was passiert, wenn Du gekündigt hast und dann entdeckst, daß Du gar nicht gerne Romane schreibst?</p>
<p>Die meisten werden jetzt sagen: Das nehme ich gerne in Kauf. Gib mir eine Million Dollar und ich finde schon raus, was ich tun werde. Das ist aber schwieriger, als es aussieht. Einschränkungen geben Deinem Leben eine Gestalt. Entferne sie, und die meisten Menschen werden nicht wissen, was sie anfangen sollen: man beobachte nur die Menschen, die in der Lotterie gewinnen oder reich erben. Sosehr auch jeder denkt, er benötige finanzielle Sicherheit, die glücklichsten Menschen sind die, die das tun, was sie lieben. Eine Strategie, die Sicherheit und Frieden opfert auf Kosten des Wissens, was man will, ist vielleicht doch nicht so gut, wie sie im ersten Augenblick aussieht.</p>
<p>Welchen Weg auch immer man in seinem eigenen Leben wählt, man sollte Schwierigkeiten erwarten. Herauszufinden, welche Arbeit oder Tätigkeit man liebt ist sehr schwierig. Die meisten Menschen scheitern. Und sogar wenn man Erfolg hat, passiert es selten vor dem vierzigsten oder fünfzigsten Geburtstag. Doch wenn man das Ziel im Auge behält, ist es wahrscheinlicher dort anzukommen. Wenn Du weißt, Du kannst Arbeit(en) lieben, dann bist Du auf der Zielgeraden. Und wenn Du weißt, welche Arbeit Du wirklich liebst, dann bist Du praktisch schon da.</p>
<p><strong>Dank</strong> an Trevor Blackwell, Dan Friedman, Sarah Harlin, Jessica Livingston, Jackie McDonough, Robert Morris, Peter Norg, David Sloo and Aaron Swartz für das Korrekturlesen dieses Textes.</p>
<h3>Notizen</h3></p>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_230" class="footnote">Im Augenblick tun wir das Gegenteil: wenn wir den Kindern langweilige Ding zu tun geben, wie zum Beispiel arithmetischen Drill, anstatt ihnen einfach zuzugeben, daß es langweilig ist, dann behängen wir die Arbeit nur mit oberflächlichem Schmuck.</li><li id="footnote_1_230" class="footnote">Ein Vater erzählte mir von einem verwandten Phänomen: er konnte vor seiner Familie nicht zugeben, wie sehr er seine Arbeit mochte. Wenn er an einem Samstag arbeiten wollte, war es ihm leichter, der Familie zu sagen, er &#8220;muß&#8221; arbeiten, als zuzugeben, daß er lieber arbeiten wollte als daheim bei ihnen zu bleiben.</li><li id="footnote_2_230" class="footnote">Etwas Ähnliches passiert in den Vorstädten. Eltern ziehen dorthin um, damit ihre Kinder in einem sicheren Umfeld aufwachsen. Vorstädte sind jedoch so trüb und langweilig, daß die Kinder im Alter von fünfzehn Jahren denken, die ganze Welt wäre langweilig [und dumm].</li><li id="footnote_3_230" class="footnote">Ich behaupte nicht, daß Deine Freunde das einzige Publikum sein sollen. Je mehr Menschen Du (mit Deiner Arbeit) helfen kannst, umso besser. Die Freunde sollten der Kompass sein.</li><li id="footnote_4_230" class="footnote">Donald Hall erklärt, daß junge Möchtegernpoeten in ihrer Besessenheit zu veröfentlichen häufig falsch liegen. Man kann sich jedoch vorstellen, was es für einen 24-jährigen bedeutet, im <em>New Yorker</em> veröffentlicht zu werden. Für die Menschen, die er nun auf den Partys trifft, ist er ein richtiger Poet. Tatsächlich ist er nicht besser oder schlechter als vorher, aber für ein naives Publikum wie das seine ist diese Veröffentlichung eine offizielle Auszeichnung, die genau <em>den</em> Unterschied macht. Es ist also ein größeres Problem, als es Hall definiert. Der Grund, warum junge Menschen so sehr um Prestige gründet sich darin, daß ihr Publikum so nicht sehr wahrnehmungsfähig ist.</li><li id="footnote_5_230" class="footnote">Die entspricht dem Prinzip, daß man seinen Glauben über die Dinge die sind vom Wunsch, was man will trennen sollte. Die meisten Menschen vermischen beide ziemlich wahllos. Die unverminderte Popularität von Religion ist dafür das beste Indiz.</li><li id="footnote_6_230" class="footnote">Eine genauere Metapher [für Imformatiker] wäre die Aussage, daß der Graph der verschiedenen Berufsgruppen nicht sehr zusammenhängend ist.</li></ol>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.volker-kopetzky.de/pg-love/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Doppelmoral (oder: jeder macht&#039;s)</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/doppelmoral-oder-jeder-machts/</link>
		<comments>http://www.volker-kopetzky.de/doppelmoral-oder-jeder-machts/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 22 Mar 2006 10:49:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/archiv/225</guid>
		<description><![CDATA[<p align="right">Gecko, Koh Samui, Thailand</p>
Seit drei ...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/doppelmoral-oder-jeder-machts/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="right">Gecko, Koh Samui, Thailand</p>
<p>Seit drei Monaten gibt&#8217;s Demonstrationen gegen den jetzigen Permier Minister Thaksin. Bis zu 100.000 Menschen sind dabei auf der Strasse (glaubt man den Anti-Thaksin Nachrichten).<br />
Für mich als Deutschen eine neuartige Erfahrung, denn vieles ist anders als daheim. Zum einen geht es nur, außschliesslich und konkret gegen einen Menschen, den Permierminister.<br />
Zum anderen ist auch interessant, <em>was</em> berichtet wird: an einem Tag wird der Premier zitiert mit den Worten &#8220;Wenn der König zu mir flüstert &#8216;Thaksin, es ist Zeit zu gehen&#8217;, werfe ich mich ihm vor die Füße&#8221;. Stellt Euch mal vor, ein westlicher Politiker würde sagen, we werfe sich zu Füßen von irgendwem&#8230;<br />
An einem anderen Tag wird berichtet, wie der Permier Schwarze Magie und Wahrsager konsultiert. Am nächsten Tag dann ein Bild von Schwarzmagiern auf Seite 5 (Hauptseite &#8216;Lokales&#8217;), die Magie gegen den Premier praktizieren. <em>Wunder</em>bar&#8230;<br />
Es gibt auch Gemeinsamkeiten zu Deutschland: so hat Thaksin Anfang Februar Neuwahlen für den 2. April angekündigt (gerade der Tag, an dem ich von Koh Samui nach Bangkok zurückfahren werde:-)). Ein ähnlicher Schachzug wie der des Herrn Schröder, jedoch mit leicht anderer Konnotation: seine Unterstützung ist am größten in den ländlichen Gebieten, die immer noch die Masse der Wähler stellen. Damit ist sein Wahlsieg sehr sicher.<br />
Sogar so sicher, daß die drei größten oppositionellen Parteien den Wahlboykott angekündigt haben (und bisher auch durchhalten). Zusätzlich kommt dann noch das &#8211; aus meiner oberflächlichen Sicht &#8211; reaktive thailändische Wahl-Gesetzes-Werk ins Spiel. Es besagt u.a., daß eine Kandidatur einer Person für das Parlament (neben den üblichen staatsbürgerlichen) nicht möglich ist, wenn der Kandidat a) keiner oder b) weniger als 90 Tage einer zur Wahl zugelassenen Partei angehört. Dieses Gesetz wurde &#8211; wie viele Gesetze &#8211; nach dem Kindstod im Brunnen eingeführt, um das politische Taktieren von Parlamentsmitgliedern zu unterbinden. &#8230;Und schießt jetzt der Demokratie ins Knie&#8230; Jedenfalls der Demokratie, wie die ich sie verstehe.<br />
Somit ergibt sich die Situation, daß fast ausschließlich Mitglieder der &#8220;Thai rag Thai&#8221; Partei als Kandidaten zugelassen werden (nebenbei: man könnte auch eine Datei in Deutschland gründen. Die heißt dann synonym DLD &#8220;Deutsche lieben Deutsche&#8221;:-).<br />
Schröder würde das thailändische Wahlgesetz lieben, denke ich.</p>
<h3>Fragen</h3>
<p>Wie verhält sich die aktuelle politische Kultur in Thailand gegenüber der bhuddhistischen Ethik, die nach wie vor die Werte der Menschen hier bestimmt? Und gibt es hier vielleicht auch Parallelen zu unserer westlichen/europäischen/deutschen Kultur?</p>
<h3>Bhuddhismus</h3>
<p>Stark reduziert, basiert Bhuddhismus auf einigen einfachen Werten und Kausalitäten. Ich fasse diese laienhaft &amp; auszugsweise zusammen:</p>
<ol>
<li>Du wirst wiedergeboren, bis Du <strong>es </strong>begriffen hast</li>
<li>Wenn Du selber Bhudda wirst, also die wirkliche Welt vollständig wahrnehmen kannst, hast Du das Nirwana erreicht: Du wirst nicht mehr wiedergeboren, sondern gehst in &#8230;ja was?&#8230; über. Anders gesagt: Dein Rad des Lebens, Leidens &amp; Lernens hört auf, sich zu drehen, denn Du hast ja alles gelernt.</li>
<li>Du bestimmst Dein Karma (Dein <em>weiteres</em> Schicksal) selbst: Alles, was Du tust, beeinflußt sowohl Dein jetziges als auch Deine zukünftigen Leben. Tust Du gutes, wirst Du ein besseres (nächstes) Leben haben.</li>
</ol>
<h3>Doppelmoral</h3>
<p>Dem Westen, oder aus deutscher Sicht Amerika wird immer wieder zu Recht eine Doppelmoral vorgeworfen. Sei es die unterschiedliche Handhabung von Menschenrechtsverletzungen in Öl- und Nicht-Öl-Ländern, die Einschränkung der verfassungsrechtlichen(?) Freiheit durch den Staat bis hin zur Handhabung und dem öffentlichen Verhältnis zu Sex, oder, oder, oder&#8230;<br />
Ganz einfach gesagt: Doppelmoral ist überall da, wo das Handeln und das Sagen (oder die moralische Aufgabe einer Rolle) sich unterscheiden.  Ich glaube, Doppelmoral ist eine fundamentale menschliche Eigenschaft, oder &#8211; nach bhuddhistischer Meinung &#8211; nur wer Bhuddha ist, hat sie nicht.</p>
<h2>Beispiele aus Thailand:</h2>
<h3>Verbrennungen</h3>
<p>Dem Premier wird vorgeworfen, böse zu sein, und zwar im moralischen Sinne!<br />
Dennoch finden sich Menschen, die sein Bild verbrennen. Aus meiner Sicht ist es sogar schlimmer, ein Bild, ein Symbol zu verbrennen als zum Beispiel Bücher. Das Symbol der brennenden Bücher in der Kristallnacht war allgemein (und schlimm, vor allem für mich als Leseratte). Aber ist es nicht noch schlimmer, das Bild eines Menschen zu verbrennen? Ist mein Bild nicht <em>das</em> Symbol für mich? Ein Buch oder von mir geschriebenes Wort stellt nur Aspekte von mir dar, ein Bild ist mit das vollständigste Symbol meiner selbst.</p>
<h3>Handhabung von Schuld</h3>
<p>Zum einen ist es sehr unschicklich in Thailand, den Scheff, Vorgesetzten oder Häuptling zu kritisieren. In einer solchen hierarchischen Kultur dann den obersten anzugreifen geht nur dann, wenn man ihn in der eigenen Wahrnehmung vollständig demontiert: er muss eine enstprechend seiner obersten Rolle (die keiner kritisieren darf) oberster Bösewicht sein, damit man auf die Strasse darf.<br />
Ich rede hier nicht davon, ob andere mich auf die Strasse lassen, sondern: was muss ich <em>an</em> meinem Bild von Thaksin <em>in</em> mir schrauben, damit ich guten Gewissens auf die Strasse kann. Gleichzeitig ist es aber offensichtlich, daß die &#8211; bei allen meines Erachtens richtigen Vorwürfen gegen Thaksin &#8211; Probleme systembedingt sind: Er kann gar nicht alleine Schuld sein, denn alle anderen haben&#8217;s ihm bisher durchgehen lassen.</p>
<h2>Beispiele aus Deutschland:</h2>
<h3>Opposition</h3>
<p>Hier ist ja kein Mensch wirlklich böse, wir stehen schon lange über solchen einfachen Moralvorstellungen, nicht wahr? Es ist sogar seit 1968 schick, gegen die Oberen zu opponieren. Das ganze artet derart aus, daß viele meiner Generation sich über die heutige Jugend beschweren, <em>daß sie nicht genügend <u>gegen</u> sei</em>. Und gleichzeitig erweisen sich die sogenannten 68er als diejenigen, die die meisten &#8211; eben weil sie viele hatten &#8211; Ihrer Werte nach und nach aufgeben.</p>
<h3>Handhabung von Schuld</h3>
<p>Interessanterweise sucht man in Deutschland keine schuldige Person. Es wird immer schön auf das bestehende System, die Globalisierung oder den Vorgänger verwiesen. Abgesehen von der Descartes&#8217;schen Erkenntis, daß wir nie ausreichend genug wissen ist dies immer noch widersprüchlich zur allgemeinen Erwartungshaltung zu handeln, zu ändern.<br />
Auf der einen Seite sollen Änderungen (von anderen!) herbeigeführt werden, die eigenen Werte (und damit alles andere eigene) aber bitteschön unbetastet bleiben.  Es scheint mir sehr ähnlich zu sein, wie die Menschen in Deutschland und in Thailand ihre (unterschiedlichen!) Werte doppelmoralig verraten: Man wünscht sich bestimmte Werte, scheitert aber im Alltag (egal auf welcher Ebene) immer wieder daran, sie zu behalten. Zumindest geht&#8217;s den meisten Menschen so, die ich persönlich kenne (inklusive meiner Person).</p>
<h2>Fazit? Keins!</h2>
<p>Ich habe keine Lösung, entweder weil ich nicht ausreichend weiß oder nicht ausreichend Erfahrungen in meinen bisherigen Leben hatte.<br />
Was ich jedoch weiß: ich verstehe jeden Menschen, der zeitweise gegen seine eigenen Prinzipien (ein anderes Wort für Werte) verstößt. Ich <em>will </em>jedoch den Menschen nicht mehr verstehen, der dies ohne eigene Not oder aus purer Möglichkeit (einfach, weil sie/er es kann) tut.<br />
In einer Welt, in der die Werte wieder wichtiger werden (weil das alte Ost-gegen-West Wertesystem nicht mehr funktioniert), ist jeder, der seine Werte bewußt hinter sich läßt zu bemitleiden.<br />
Und sie oder er wird letztendlich meines Erachtens scheitern, sei es nach bhuddhistischer oder westlicher Moralvorstellung. Denn egal, ob buddhistisch oder christlich oder muslimisch oder jüdisch oder sonstwas ist: alles kommt zu einem zurück im Leben &#8211; mit Zinsen!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.volker-kopetzky.de/doppelmoral-oder-jeder-machts/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eine Zugfahrt am frühen Morgen</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/eine-zugfahrt-am-fruhen-morgen/</link>
		<comments>http://www.volker-kopetzky.de/eine-zugfahrt-am-fruhen-morgen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 17 Nov 2005 10:46:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/archiv/224</guid>
		<description><![CDATA[<p>Das Leben ist schlecht.
Nichts ist wirklich gut.
Jeder...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/eine-zugfahrt-am-fruhen-morgen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Leben ist schlecht.<br />
Nichts ist wirklich gut.<br />
Jeder Mensch leidet.</p>
<p>Ein Zug, ich nehm nen Zug und atme tief sitzend, mit dem Rücken in Fahrt gerichtet, mit dem Gesicht vor all den andern Gesichtern. Leere Augen gedankenbreit. Ich zweifle an den meinen, an meiner Unfähigkeit, das Gute, den Mut zu sehen. Die anderen sind verlorene Seelen, auf dem Weg vom Tod zur Arbeit zu irgendeinem Ort an dem sie nicht sein wollen, wo sie nicht hinwollen, zu dieser Morgennachtzeit.</p>
<p>Ich versuche sie mit meinem Lächeln, daß mir vor dem Gedanken daran schon einfriert, zaghaft wird, entschuldigen will:<br />
&#8220;&#8216;s ist doch nicht so schlimm, oder?&#8221;</p>
<p>Nimm das Leben doch leicht, denn das sollte man mit wichtigen Dingen tun. Ernsthaftigkeit, Stirnrunzeln, Krampfen richtet nur Schaden an, also verschwende Deinen Ernst für die unwichtigen Sachen im Leben.</p>
<p>Dein Leben, das sollte so zart, mit Leichtigkeit, Schwung gesehen werden, oder? Sieh&#8217; mich an: ich hab&#8217;s immer leicht gehabt, keinen großen K(r)ampf ausser den Lieben, die ich verloren habe, die ich vergessen habe. Alles, was viele andere wollen, habe ich schon und erreicht.</p>
<p>Und jetzt will ich nur, daß diese Gesichter im Zug Lächeln lernen, daß sie von sich wegtreten und die andern sehen.  So einfach, so leicht, oder?</p>
<p>Guck sie Dir an, die Hackfressen des Mißmuts, des verlorenen Muts, in jeder Klasse, in der ersten sonderbarerweise mehr: jeder hat seinen Mut verloren.</p>
<p>Zumindest sagt das Eurer Gesicht: Stieren in die Ferne, Flüchten im Buch, in den Sitzfernseher, Hauptsache weg von den anderen, Hauptsache allein.</p>
<p>Welche Angst scheint hier zu herrschen, die die Menschen voneinander trennt? Welcher Mut ist verloren gegangen?</p>
<p>Die Umfrage des Tages lautet: Warum sind Sie auf der Reise? &#8230; Nein, nein, nicht hier im Zug, sondern auf Ihrer Lebensreise! Privat? Geschäftlich? Sonstwas?</p>
<p>Warum bist Du geboren worden, warum hast Du Dich für Dein Leben entschieden?</p>
<p>Mach die Augen auf und laß die Welt hinein: laß das Leid der anderen Dir ein Beispiel sein!! Das Beispiel wie Du&#8217;s gerade nicht machen solltest! Such Dir besser ein Lächeln, ein Lachen aus ganzem Herzen ohne Schadenfreude.</p>
<p>Alle hier im Zug schlafenflüchten sie vor sich hin, schlafen ihr Leben lang. Das will ich nicht mehr tun, und unten war ich schon, ganz allein hab ich mich runtergezogen, gezogen von der Einsamkeit, getrieben von der Angst.</p>
<p>Spät ist es jetzt am Morgen, doch nie zu spät und aufzuwachen, aufzumachen, loszulassen!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.volker-kopetzky.de/eine-zugfahrt-am-fruhen-morgen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

