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	<title>The Voices of a Zany Kid &#187; Geschichten</title>
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		<title>Auf Knochen gehen</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Feb 2008 10:04:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p align="right">Pnom Phen - Killing Fields</p>
Je älter ... <a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="right">Pnom Phen &#8211; Killing Fields</p>
<p>Je älter die Menschen werden, umso mehr Erfahrung sammeln sie an. Dies dachte ich auch über mich. Etwas passiert, Du siehst etwas. Danach siehst Du es in Deiner Erinnerung und nennst es Erfahrung.</p>
<p>Die Wahrheit ist: keine Erfahrung kann Dich auf den nächsten Moment vorbereiten, das Neue ist immer ausserhalb der Erfahrung.</p>
<p>Als Deutscher teile ich die unangenehme Erfahrung des Massenmords mit den Menschen aus Kambodscha. Mein bisheriges Leben, meine Erfahrung, war das Aufwachsen in einem Land, das bewusst<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_0_270" id="identifier_0_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="wenn auch nur ein einzelner Deutscher etwas bewu&szlig;t tut, ist das stellvertretend f&uuml;r alle anderen &amp;#8211; ist das nicht die Definition von Vaterland?">1</a></sup> Millionen von Menschen, Familien, Kinder, Erwachsene, Väter, Mütter, Geschwister getötet hat. Ich betrachte die Deutsche Seele (wenn es so etwas gibt)  als traumatisiert und auf dem langen Weg der Heilung.</p>
<p>Natürlich war ich nicht persönlich dabei, auch mein Vater war noch zu jung, um zu jener Zeit bewußt zu sein, geschweige denn zu handeln. Meine Großeltern waren auf jeden Fall dabei. Und ich habe sie nicht danach gefragt &#8211; was ich heute bedauere.</p>
<p>Nach nunmehr zwei Jahren in Südiostasien (hauptsächlich in Thailand), habe ich die buddhistische Tendenz zur Vergebung angenommen und auch den Wunsch, mich davon abzuhalten, anderen Leid zu tun. Also war ich nun &#8211; im Gepäck meine eigene und die Erfahrung meines Landes, fein und nett verpackt und gelagert &#8211; unterwegs nach Kambodscha, genauer gesagt wollte ich nicht den einfachen Grenzrutschvisumerneuernbesuch, sondern mehr über dieses Land lernen, da ich auch eines Tages dort arbeiten (und vielleicht leben) will. Für mich ist die Geschichte eines Landes eine der besten Quellen, um die Kultur und die Klischees<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_1_270" id="identifier_1_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Ein Klischee ist die Extrapolation von einzelnen Charakteristiken eines Teiles auf das Ganze. Wir verwenden Klischees t&auml;glich und ausdauernd: jedesmal, wenn wir &amp;#8220;die Asiaten&amp;#8221; oder &amp;#8220;der M&uuml;nchner&amp;#8221; oder auch &amp;#8220;der deutsche Holocaust&amp;#8221; sagen, ist das ein Klischee. Man darf sie nur nicht fraglos auf den einzelnen zur&uuml;ck&uuml;bertragen&amp;#8230;">2</a></sup> eines mir neuen Landes kennenzulernen.Mein Wissen zuvor war:</p>
<ul>
<li>eines der ärmsten Länder der Welt</li>
<li>haben Öl gefunden</li>
<li>schicken viele Gastarbeiter nach Thailand</li>
<li>Essen ist nicht so gut wie in Thailand</li>
<li>Dollars sind besser als Riehl</li>
<li>Diffuses über die Roten Khmer</li>
</ul>
<p>Mein Wissen nach zwei Tagen in Pnom Phen war:</p>
<ul>
<li>Essen ist mindestens genauso gut wie in Thailand<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_2_270" id="identifier_2_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="viele thail&auml;ndische Gerichte kommen urspr&uuml;nglich aus Kambodscha">3</a></sup></li>
<li>Das Öl ist da, aber keine Ahnung, wie dadurch Geld zu den Leuten kommt (wenn es nicht schon längst in anderen Taschen gelandet ist)</li>
<li>Kambodschaner sind Khmer, aber auf keinen Fall (mehr) rot!</li>
<li>Ich habe keinerlei rote Kleidung gesehen</li>
<li>Das Verfahren gegen etliche ältere Herren, die in den 70ern Rote Khmer waren, wir 2008 als ein internationales Gerichtsverfahren erföffnet</li>
<li>Kambodscha ist laut &#8220;Reporter ohne Grenzen&#8221; das Land mit der besten Pressefreiheit in Südostasien</li>
<li>Die (englischen) Zeitungen sind redaktionell und inhaltlich um etliches weiter als ihre thailändischen Pendants.</li>
<li>Ich bin auf den Knochen ermordeter Menschen gegangen</li>
</ul>
<p>Ein Killing Field in Kambodscha ist eine von circa 350 Stätten, zu denen Menschen nur zu einem einzigen Zweck gebracht wurden: gewaltsam Sterben. Das Killing Field, das ich besucht habe, bestand aus einer Verwaltungshütte, in der die &#8230; wie kann man solche Menschen respektvoll nennen!?! &#8230; die ohne ihr Wissen zum Tode Verurteilten ein besondere Einverständniserklärung unterschreiben mussten: sie erklärten sich damit einverstanden, getötet zu werden.</p>
<p>Es gab einem Werkzeugschuppen mit den Gerätschaften zum Töten und zum Vergraben. Getötet wurde möglichst leise, um keinen Verdacht bei den Ankommenden und Passanten<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_3_270" id="identifier_3_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="auch wenn &uuml;blicherweise alle Menschen einen km um das Killing Field weggesiedelt wurden">4</a></sup> zu erregen. In den vielen Fällen wurde auch Volksmusik gespielt. Gewehkugeln waren Mangelware, weswegen die meisten erschlagen oder ergraben wurden. Kinder wurden an einem Baum erschlagen. Im Gespräch mit meinem Führer<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_4_270" id="identifier_4_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="ha! Merkst Du die Klischees, die in diesem Wort stecken!">5</a></sup> zeigten sich auch die Unterschiede zwischen unseren Ländern. Neben den allseits beliebten Zahlenvergleichen<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_5_270" id="identifier_5_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="Es gab sogar einen kurzen, peinlich abgebrochenen Wettstreit: &amp;#8220;Aber wir haben mehr get&ouml;tet. Wir waren schlimmer!!&amp;#8221; Wir beide schienen Schuld auf uns laden zu wollen&amp;#8230;">6</a></sup> sprachen wir lange über die Auswirkungen auf die Seelen und Herzen der Menschen. Er aus einer näheren Sicht, da er diese Zeit persönlich als Kind erlebt und auch Verwandte verloren hatte. Ich aus einer ferneren Sicht, mit einer weniger persönlich betroffenen als anerzogenen Wahrnehmung, die gleichzeitig auch kaum einen emotionalen Schmerz verursachte.</p>
<p>Und wir kamen zu der Frage: wie geht man mit den Schuldigen und mit der Schuld um? Dies ist nicht die Frage über das Empfinden oder die Reue der Täter, die in allen Schattierungen Order gegeben, Gefängnisse und Folterkerker eingerichtet und dann natürlich auch gefoltert und getötet haben &#8211; nicht selten sogar eigene Verwandte! Es ist auch nicht die Frage über mehr oder weniger Schuld der Täter, die Menschen mit Spaten erschlagen haben, sie einfach lebendig mit anderen Leichen vergraben haben. Die einfach &#8220;Befehle befolgt&#8221; haben, um nicht selber getötet zu werden. Genauswenig ist es die Frage über die Höhe der Schuld der Machthabenden, die in diesem Jahr vor ein UN Tribunal gestellt werden<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_6_270" id="identifier_6_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="und &auml;hnlich gut versorgt werden wie die Guantanamo H&auml;ftlinge &amp;#8211; ohne die Folter, daf&uuml;r mit besseren Unterk&uuml;nften als 90% der Bev&ouml;lkerung">7</a></sup></p>
<p>Oder diejenigen, die Kleinkinder wie Hühner an einem Baum totgeschlagen haben. Ich habe diesen Baum berührt &#8211; er lebt immer noch. Das Kinderblut befindet sich heute in zwei Metern Höhe in Gestalt eines braunen Flecks&#8230;</p>
<p>Nein, unsere Frage war, was passiert mit der Seele derer, die heute noch leben? Wie werden sie auf das ausstehende Urteil gegen die alten Roten Khmer reagieren? Können, Wollen, Werden sie den Zyklus der Gewalt unterbrechen<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_7_270" id="identifier_7_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="im Gegensatz zu den bisherigen Entscheidungen der Menschen an der Macht in Israel und Palestina">8</a></sup>?</p>
<p>Ich weiß annähernd nichts über die Details der anstehenden Verhandlung, kaum etwas über die Geschichten der heute Lebenden und kann nur vermuten, wie sie fühlen. Ich kann nicht annähernd raten, wie sie auf das Urteil und zuvor auf den Verlauf der Gerichtsverhandlung reagieren werden. Eine bhuddistische Geschichte &amp; Tradition konnte diese Menschen nicht vor Gewalt schützen oder sie davon abhalten, genausowenig wie die Bergpredikt dies in Europa und Amerika geschafft hat.</p>
<p>Aber vielleicht, ein hoffendes, ganz kleines vielleicht, werden die Menschen in Kambodscha auf Gewalt verzichten &#8211; und wenn es nur deswegen ist, weil sie soviel selbst davon erlitten haben, sich noch daran erinnern und deswegen nicht so sein wollen, wie die gewalttätigen Menschen waren.</p>
<p>Der in der Geschichte bisher einzige  Ausweg aus der Spirale der Gewalt war der Verzicht darauf, war das Vergeben &#8211; egal in welcher Religion. Ich persönlich kenne keinen anderen, dieses Ping-Pong der Rache zu beenden. Und keiner ist gefährlicher und erfordert mehr Mut<sup><a href="http://www.volker-kopetzky.de/auf-knochen-gehen/#footnote_8_270" id="identifier_8_270" class="footnote-link footnote-identifier-link" title="man reise nur nach Amerika ein &amp;#8211; die Grenzkontrollen sind ein &ouml;ffentlicher Ausdruck der Angst des ganzen Landes">9</a></sup>.</p>
<p>Vielleicht wird uns diese arme Land Kambodscha zeigen, wie man dies erreicht.</p>
<p>PS: Wir Deutschen haben das auch geschafft, aber es ist schon eine Generation her &#8211; wir Nachkriegskinder verlieren mehr und mehr die Erinnerung&#8230;</p>
<h3>Notizen</h3>
<ol class="footnotes"><li id="footnote_0_270" class="footnote">wenn auch nur ein einzelner Deutscher etwas bewußt tut, ist das stellvertretend für alle anderen &#8211; ist das nicht die Definition von Vaterland?</li><li id="footnote_1_270" class="footnote">Ein Klischee ist die Extrapolation von einzelnen Charakteristiken eines Teiles auf das Ganze. Wir verwenden Klischees täglich und ausdauernd: jedesmal, wenn wir &#8220;die Asiaten&#8221; oder &#8220;der Münchner&#8221; oder auch &#8220;der deutsche Holocaust&#8221; sagen, ist das ein Klischee. Man darf sie nur nicht fraglos auf den einzelnen zurückübertragen&#8230;</li><li id="footnote_2_270" class="footnote">viele thailändische Gerichte kommen ursprünglich aus Kambodscha</li><li id="footnote_3_270" class="footnote">auch wenn üblicherweise alle Menschen einen km um das Killing Field weggesiedelt wurden</li><li id="footnote_4_270" class="footnote">ha! Merkst Du die Klischees, die in diesem Wort stecken!</li><li id="footnote_5_270" class="footnote">Es gab sogar einen kurzen, peinlich abgebrochenen Wettstreit: &#8220;Aber wir haben mehr getötet. Wir waren schlimmer!!&#8221; Wir beide schienen Schuld auf uns laden zu wollen&#8230;</li><li id="footnote_6_270" class="footnote">und ähnlich gut versorgt werden wie die Guantanamo Häftlinge &#8211; ohne die Folter, dafür mit besseren Unterkünften als 90% der Bevölkerung</li><li id="footnote_7_270" class="footnote">im Gegensatz zu den bisherigen Entscheidungen der Menschen an der Macht in Israel und Palestina</li><li id="footnote_8_270" class="footnote">man reise nur nach Amerika ein &#8211; die Grenzkontrollen sind ein öffentlicher Ausdruck der Angst des ganzen Landes</li></ol>]]></content:encoded>
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		<title>Der Bahnhof: Warten mit Ziel</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Ankommen ist etwas sehr schönes. Sei es bei einem Ereig...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/der-bahnhof-warten-mit-ziel/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ankommen ist etwas sehr schönes. Sei es bei einem Ereignis, einem Abschluß oder an einem Ort. Ein Zwischenhalt, ein Endpunkt oder der Heimathafen. So sind die Orte der Ankunft seit jeher ein wunderbarer Platz der Beobachtung und Meditation. Egal in welchem Land, zu welcher Zeit: ein Bahnhof ist unschlagbar und wunderschön, um einen geliebten Menschen abzuholen.</p>
<p>Der größte Bahnhof Thailands Hua Lamphong entspricht in der Größe etwa dem Münchner Bahnhof. Seine Halle wurde in den 40er Jahren von englischen Ingenieuren gebaut, die sich in der Architektur am europäischen Jugendstil orientiert haben. Die zwanzig Meter hohe Decke über der fußballfeldgroßen Fläche der Eingangshalle verschafft den gewünschten staunenden Blick, daß soviel freier Raum noch überdacht werden kann. Die Augen können sich über Ablenkung nicht beklagen: vom zentral positionierten Bild am anderen Ende der Halle begrüßt Dich der König von einem 4&#215;6 Meter großen Bild mit ernstem Blick. Auf ebener Erde sind links und rechts des breiten Mittelweges fest montierte Stühle, in denen zu jeder Tages- und Nachtzeit hunderte Menschen sitzen und entweder auf Ankommende oder auf ihren Zug warten.</p>
<p>Nur jeden Tag um 12:00 steht der ganze Bahnhof still: es wird die thailändische Nationalhymne gespielt. Mir kommt das wie ein real gewordener Film vor. Das Bild wird abrupt angehalten und die Musik spielt weiter. Jeder hält in seiner Bewegung inne. Als einzelner kann ich mich diesem Sog nicht entziehen, genauso wenig wie in den thailändischen Kinos, in denen die Nationalhymne auch vor jedem Film gespielt wird. Ich war in einem der großen Kinos in der VIP Vorstellung: Service am Sitz, eine Bar vor dem Kino, vor der ich mich nicht wie in den klassischen europäischen Popkornwarteschlangen über finale Bestellunfälle aufrege. Das einzige Problem ist der Sitzkomfort im VIP Kino: voll elektronische Verstellung in allen drei Dimensionen, voll gepolstert, voll cooles Spielzeug. Ich erinnere mich nicht an die Werbung, kann jedoch die Anzahl der Knöpfe (7), die maximalen Stellungen (Sessel bis Liegebett) und vor allem die Geschwindigkeit erinnern: Sobald die Nationalhymne anfängt, wird von allen Anwesenden erwartet zu stehen. Leider braucht es circa 10 Sekunden, bis das Liegebett (mit hohen Seitenlehnen) mir den Absprung zum Aufstehen ermöglicht. Das produziert schon einen etwas peinlichen Moment, wenn die Hymne gespielt wird, alle schon stehen und ich mich als letzter aus dem summenden Sessel herausrolle (Platz ist rechts und links genug vorhanden) und vom Boden zum Strammstehen aufraffe&#8230;</p>
<p>Zurück zum Ankommen.</p>
<p>Wer kennt es nicht, im Zug anzukommen und zu wissen, dass man abgeholt wird. Gepäck einsammeln, Jacke anziehen und raus! Ich gehe über den Bahnsteig, fokussiere kurzzeitig auf stehende Personen, sortiere unbekannte aus und nagele schließlich Ihr Gesicht, ihren Körper, ihre Augen mit einem mich überwältigendem Grinsen fest. Die letzten Meter: Sie geht auch ein Stück auf mich zu. Bleibt stehen. Ich bleibe einen Meter vor ihr stehen. Mein Gepäck fällt auf den Boden. Wir nähern uns infinitesimal: Ich überbrücke die Hälfte des Abstands, dann Sie die Hälfte des verbliebenen Abstands, dann wiederum ich. Ein langsamer schwingender Tanz aufeinander zu. Wenn es möglich wäre, sich um die Welt herum in die Augen zu schauen, möchte ich Rücken an Rücken stehen und um die ganze Welt aufeinander zugehen! Die letzten Zentimeter dauern ewig wunderschön. Unsere Augen vergraben sich ineinander, der Bahnhof, die Menschen, die Welt sind schon vor Jahrhunderten verschwunden. Ich neige meinen Kopf vor, verzögere diesen ersten Augenblick der Berührung unserer Lippen. Die Welt wird zweibildhaft verschwommen, unsere Augen sehen direkt ineinander, kein Hin-und-Her des Blicks zwischen zwei Augen, nur zwei tiefe Blicke zwischen zwei Augenpaaren, völlige Konzentration und Ineinanderfallen.</p>
<p>Der Kuß, oh Mann, der Kuß!!</p>
<p>Ein wahrer Höhepunkt, klassisch konzertiert, unabhängig von Kultur und Ort.</p>
<p>Wie bei anderen Höhepunkten spielt das Vorspiel also eine große Rolle. Die Reisende hat &#8230; nun eben die Reise, den Weg zu mir. Ich habe das Warten am Bahnhof, dieses wunderbare Abwarten zusammen und neben vielen anderen wartenden, ankommenden, umarmenden Menschen. Es beginnt &#8211; wie alles im Leben &#8211; mit meiner eigenen kleinen Reise zum Bahnhof. Hoffentlich rechtzeitig. Nachdem ich ankomme, beginnt das Warten, das zuckersüße Warten, inklusive der Hoffnung, daß der Zug nicht allzuviel Verspätung hat. (Verspätungen existieren kaum in Thailand &#8211; sogar auf Fahrtstrecken mit mehr als 1500 Kilometern. In Deutschland existiert immer noch die unsinnige Meinung, dass ein Mehr an Technologie bessere Pünktlichkeit zur Folge hätte. Falsch. Einfach falsch! Das Hinzufügen von Technologie und/oder neuen Bestandteilen führt immer zu einem &#8211; ersten &#8211; Verlust der Pünktlichkeit). Dieses Warten ist nicht langweilig: ich habe viele Mitstreiter hier am Bahnhof. Sie warten ungeduldig am Bahnsteig auf Ankommende, beobachten sich und die Menge der Ankommenden wie ich, warten in der Halle auf die Zeit der eigenen Abreise, auf einen Kaffee, auf Rückgeld beim obligatorischen Spiesschenstand, auf Wunder (wenn man als Abholender zu spät ankommt), auf das Taxi (Bahnhöfe sind Taxisammelstellen, Biotope für schnelles Taxiwachstum). Man wartet also auf alles, auf das man Warten kann.</p>
<p>Ein Bahnhof ist eine große Wartemaschinerie, der heilige Ort der wartenden Zeit. Diese wird sehr unterschiedlich wahrgenommen und hat für jeden Wartenden eine andere Geschwindigkeit und einen eigenen Geschmack. Später frage ich die Ankommende nach ihrem Zeitgefühl: ein langsames Warten (weil gleichmäßiges Fahren) mit einer fantastischen Steigerung am Ende (ich erröte dankbar). Meine Wahrnehmung ist eine andere. Ich bin &#8211; wenn möglich &#8211; mindestens eine Stunde vor geplantem Höhepunkt im Bahnhof, denn im Gegensatz zu Deutschland kommen hier in Thailand die Langstreckenzüge gerne auch früher an. Und noch wichtiger: ich kann das Warten zelebrieren. Einen Kaffee besorgen, langsam schlürfend und umherschauend in der Menge versinken. Von der Gallerie aus über der Menge stehen und beobachten. Dort die Familie, die dösend in der Mittagshitze in den Stühlen lagert. Kinder, die lachend durch die Reihen laufen. Ein Lesender, tief in seiner Zeitung versunken. Dieser dort ist sicherlich verliebt: einen Blumenstrauß in der Hand tigert er mit in sich gekehrtem Blick umher, sucht schon jetzt nach ihr (oder ihm). Diese dort unterbricht ihr Warten durch einen ungeduldigen Kampf mit der nicht Englisch sprechenden Essensverkäuferin (Sie erkennt den Segen ihrer eigenen Unwissenheit nicht: Schlange schmeckt besser, wenn man nicht weiß, dass es Schlange ist).</p>
<p>Zurück zum Warten.<br />
Das kann ich stundenlang machen, jedoch nur bis zu dem Zeitpunkt der geplanten Ankunft. Danach werde ich &#8230; sagen wir einmal kribbelig. Davor geniesse ich diese Zeit und die vielen Frauen, Männer und Kinder. Familien, Priester, Europäer, Reisegruppen, Rucksacktouristen. Die thailändische Bahn hat sich in den letzten zwei Jahren immens verbessert, so dass heute auch Rollkoffertouristen auf einer Reise auf Schienen durch Thailand anzutreffen sind &#8211; bei nunmehr fast ungefährdeter Ignoranz. Ich freue mich mit jedem Menschen, der leuchtend lächelnd am Bahnsteig steht. (Hua Lamphong ist ein Kopfbahnhof, was es allen leichter macht, sich zu finden) Jede Begegnung hat ihren eigenen Geschmack, ihr eigene Emotion.</p>
<p>Jede/r denkt zuerst an die Verliebten. Diese Botschafter der Freude, der Erregung, der höchsten Kunst der Abholung! Einfach zu identifizieren sind sie auch: Besonders schick angezogen warten sie mit leuchtenden Augen am Ende des Bahnsteigs, sehr häufig mit einer Blume bewaffnet. Sobald der Zug eingetroffen ist, beginnt das, was ich den Tunnelblick des Wartenden bezeichne. Der Blick schwingt hin und her, über Gesichter, Kleidung, Körper. Für uns befriedete Europäer ist dies einer der spannendsten schönen Augenblicke im sonst eintönigen friedlichen Leben. Zum einen die Sicherheit, dass sie (oder er) kommen wird. Zum anderen die Freude des Endes der Abwesenheit, des Alleinseins. Alles in allem warten wir immer darauf, dass irgendein Alleinsein endet&#8230;<br />
Dann der Augenblick des Erkennens! Der Blick sucht nicht mehr, ein großes, allumfassendes Lächeln bringt die Beleuchtung zum Erblassen. Die Umarmung, das Ausharren miteinander unter Ausschluß der Welt. Ein Kuß. Noch ein Kuß. Auf einmal ist die Zeit verschwunden. Warten für einen solchen Höhepunkt ist wahrlich eine Lust!</p>
<p>Natürlich gibt es auch andere Arten des Abholens, die dann auch andere Arten des Wartens vor sich ziehen. Die thailändische Familie macht daraus &#8211; wie aus allem anderen auch &#8211; einen Ausflug. Inklusive Essen, Diskussionen und Okkupation eines ausreichenden Raumes in der Wartehalle. Dutzende von Schälchen werden nebensächlich ausgepackt, geleert und wieder eingepackt (meistens hat die Familie mehr Gepäck dabei als der/die Ankommende). Die Kinder breiten sich freudig im Erlebnispark Hua Lamphong aus. Die Erwachsenen bereden die letzten Neuigkeiten über die Abzuholenden und alle anderen Themen. &#8230; Ich muss gestehen: ich weiss nicht so recht, über was exakt die Menschen hier reden. Mir fällt nur auf, dass bei mir daheim die Gespräche meist mit einem unlächelnden Gesicht und der typisch deutschen Schwermütigkeit wesentlich weniger Unterhaltungswert für mich haben. (Ausnahme: alle nicht-deutschen Familien) Kurz vor dem Eintreffen des Zuges findet dann die notwendige Völkerwanderung an den Bahngleis statt. Ausnahme hier: der Bereich der Bahnsteige kostet für den Abholenden 50 Baht (ca 1 Euro) Eintritt. Das heisst, dass größere Familien in der großen Bahnhofshalle die Abholung zelebrieren. Fröhliches, lautes Gesumme vieler Stimmen umfängt die Ankommende, Wais (die asiatische Begrüßung mit vor den Körper gelegten Händen), Umarmungen im Überfluß, lachende Kinder und Großeltern, Tanten, Onkel, Nichten, Neffen und alle Cousinen/Cousins und Großirgendwas. Nachdem in der Menge ausreichend gebadet wurde, werden alle Gepäckstücke nebensächlich selbstverständlich auf die anwesenden jungen Menschen verteilt und die ganze Gruppe zieht lachend und schnatternd zum Ausgang. Ich habe keine Ahnung, wie der Weitertransport aussieht&#8230; obwohl: bei den bisher beobachteten maximalen Passagierzahlen der verschiedenen maschinellen Fortbewegungsmittel brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Dies sind die von mir in unabhängiger, geheimer und freier Zählung aufgenommenen Zahlen für die verschiedenen Fortbewegungsmittel, alle inklusive Fahrer:</p>
<table width="484" cellspacing="0" cellpadding="0" border="0" align="left" style="height: 112px">
<tr>
<td>Tuk-Tuk</td>
<td>Zehn Personen</td>
</tr>
<tr>
<td>Moped (125er)</td>
<td>Sieben Personen (eine Kleinfamilie: Vater, Mutter, fünf Kinder)<br />
(und zwei große Plastiktüten)</td>
</tr>
<tr>
<td>Taxi</td>
<td>Acht Personen</td>
</tr>
<tr>
<td>Pick-Up</td>
<td>Zwanzig Personen (inkl. Gepäck)</td>
</tr>
</table>
<p>Alles in allem ist das Warten also die Vorbereitung auf das Abholen. Und macht ohne das Abholen auch keinen großen Sinn. Natürlich gibt es andere Arten des Wartens, doch dieses Warten ist mir das bisher liebste im Leben! Nun habe ich noch einige Ideen, wie man das Warten und auch das Abholen variieren kann.</p>
<p>Ich sage: mehr Freude und noch mehr Spass beim Abholen!!</p>
<p>So kann man sich zum Beispiel mal verkleiden. Nicht im gemeinhin feierlich schicken Anzug/Kostüm, sondern abwegiger. Wer ist denn schon einmal von einem Clown ageholt worden (stelle mir gerade meinen Vater im bunten Clownskostüm mit roter Nase vor&#8230;). Oder ich lade völlig der Ankommenden völlig unbekannte Menschen zum Mitwarten und -abholen ein. Aussteigen und in einer Feier landen! Nicht dieses steife diplomatische Abschreiten von strammestehenden Menschenreihen, nicht diese amerikanischen Fähnchenschwinger. Sondern eine Gruppe von gut gelaunten Menschen, die schon seit zwei Stunden am Bahnsteig feiern.</p>
<p>Oder wie wäre es, einfach mal völlig unbekannte Menschen abzuholen? Ich stehe mit einem Willkommensgeschenk am Bahnsteig und überreiche es der ersten Person, die nicht abgeholt wird (Frauen werden noch zusätzlich umarmt und abgeknutscht).</p>
<p>Jeder von uns wartet jeden Tag, jeder kommt jeden Tag irgendwo an.<br />
Mehr Lust am Warten!<br />
Mehr Freude beim Ankommen!<br />
Mehr Spass beim Abholen!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Streittheorie</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/streittheorie/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p><h3>Wer ist Schuld bei Streit und Trennung?</h3>
Über ...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/streittheorie/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>
<h3>Wer ist Schuld bei Streit und Trennung?</h3>
<p>Über den Umgang im Konflikt</p>
<p>// Alles Grün, alles schön, alles gut, dann kam der erste Streit, der zweite, der dritte&#8230;. die Trennung /<br />
Was haben wir nur falsch gemacht?</p>
<p><strong><u>Du bist weg</u></strong></p>
<p>Das Echo der zugeknallten Tür dröhnt in meinen Ohren. Dein letzter Satz hallt in meinem Herzen:</p>
<p><em>= &#8230;Schluss!!! Mach&#8217;s gut, ich kann nicht mehr.</em></p>
<p>Erstarrt in dieser letzten Sekunde starre ich Deinen Schritten im Treppenhaus nach. Langsam sinkt das Wissen in mich: Du bist weg.</p>
<p>Hast mich alleingelassen.</p>
<p>Allein!<br />
ALLEIN!</p>
<p>Zitternd taste ich nach einer Zigarette, zünde sie an, inhaliere meine beginnende Verzweiflung, meinen Zorn. Ich atme sie aus:</p>
<p><em><strong>~ Ach, dann geh&#8217; halt, Du Schlampe!</strong></em></p>
<p>Ich gehe zur Bar, schenke mir einen grossen Drink ein und beginne meine Reise in die betrunkene, denken-abstossende, vergessen-machende Nacht.<br />
<strong><u>Die Reise beginnt</u></strong></p>
<p>In meinem Traum stehe ich in einem weissen Raum. Mein älteres ich beobachtet mich, lächelt mich leise an.</p>
<p><em>= Und nun? Bist Du zufrieden?</em></p>
<p><em><strong>~ Natürlich nicht! Was haut sie auch ab??? Kann sie mir denn nicht zuhören?</strong></em></p>
<p><em>= Was hast Du ihr denn gesagt?</em></p>
<p><em><strong>~ Alles. Ich habe nichts verschwiegen! Wir waren immer offen und ehrlich zueinander!</strong></em></p>
<p>Er zieht seine Augenbraue in Spock&#8217;scher Manier hoch.</p>
<p><strong><em>~ Nun&#8230; ich habe ihr gesagt, was sie falsch macht. Offen und ehrlich!</em></strong></p>
<p>Die Augenbraue bewegt sich nicht, bleibt hoch erhoben schweben, wartet auf mich.</p>
<p><em><strong>~ Was ist?</strong></em></p>
<p><em>= Sagtest Du nicht, dass Du sie liebst wie sie ist?</em></p>
<p><em><strong>~ Aber natürlich! Ich liebe sie!!! Aber, &#8230;</strong></em></p>
<p><em>= &#8230;und dann redest DU darüber, was SIE falsch macht? Muss sie sich dann nicht ändern?</em></p>
<p>&#8212;-</p>
<p>Der Wecker klingelt mich aus dem Weiss heraus. Ich bleibe liegen, entäuscht von der Welt wende ich mich ab und noch einmal herum. Leckt mich doch alle am Arsch, ich hab&#8217; keinen Termin, keine Anrufe, egal! Nach einer halben Stunde ergebe ich mich in den Tag und erlebe ihn als eine von vielen Arbeitsdrohnen.</p>
<p>Der Abend rückt näher, mit ihm die leere Wohnung, die ich im ersten Augenblick überrascht aufschließe. Langsam beginnt die Traurigkeit und Leere treibt mich wieder zu Bar, zu einer weiteren Reise der Unbewusstheit.</p>
<p><strong><u>Die erste Regel: Streite mit dem ICH</u></strong></p>
<p>Wieder der weisse Raum, wieder ich mit mir, so unausstehlich weise lächelnd.</p>
<p><em><strong>~ Warum ist sie nur gegangen?</strong></em></p>
<p><em>= Vielleicht, weil sie keine Zukunft sieht?</em></p>
<p><em><strong>~ Aber wieso denn nur? Wir hatten keine Existenzprobleme! Wir haben sogar über Kinder gesprochen!</strong></em></p>
<p>Diese Augenbraue! Seuzfend gebe ich auf.</p>
<p><em><strong>~ Jaja, ich weiss: wir haben uns in letzter Zeit sehr häufig gestritten. Aber, &#8230;</strong></em></p>
<p><em>= WIE habt Ihr Euch gestritten?</em></p>
<p><em><strong>~ Wir haben uns angeschrien. Wir haben uns nie geschlagen, oder Dinge geworfen!!</strong></em></p>
<p><em>= Worüber hast DU während des Streits gesprochen?</em></p>
<p><em><strong>~ Na, darüber, was in unserer Beziehung falsch läuft, was mich an ihr so aufregt.</strong></em></p>
<p>Ich war schon nicht mehr über die Augenbraue überrascht. Sie war einfach da, wartend, kritisierend, lauernd.</p>
<p><em>= Hast Du mehr ÜBER sie gesprochen?</em></p>
<p>Das Schweigen dehnt sich unter unserem Blick. Ich erinnere mich an die letzte und so viele andere Auseinandersetzungen. Meine Frustration, mein Verzweifeln erheben sich, flüstern in meiner Brust.</p>
<p><em><strong>~Was machst sie auch alles falsch! Sie ist doch selber Schuld, wenn sie&#8217;s nicht schafft. Schließlich habe ich doch immer gesagt, was ich will </strong></em><br />
In einem Augenblick ist der Raum dunkel, scharz ohne Grenzen. Alleinangst läßt mich zittern, keine Wahrnehmung gibt mir festen Halt in meiner wachsenden Panik. Vibrierend atme ich ein, schrecke zusammen.</p>
<p><em><strong>~ Hallo?</strong></em></p>
<p>Nichts&#8230;</p>
<p><em><strong>~ Was ist passiert? Wo bist Du?</strong></em></p>
<p>Die Stimme kommt aus dem Nichts, fest und voller Ruhe.</p>
<p><em>= Was siehst Du?</em></p>
<p><em><strong>~ Nichts. ICH KANN NICHTS SEHEN!</strong></em></p>
<p><em>= Was fühlst Du?</em></p>
<p><em><strong>~ Nichts. ICH KANN NICHTS FÜHLEN!</strong></em></p>
<p><em>= Weisst Du, wer Du bist? WAS Du bist?</em></p>
<p><em><strong>~ Ich bin ich! UND ICH BIN ALLEIN!</strong></em></p>
<p><em>= Wenn Du allein bist, wieso redest Du dann über andere? Wieso gibst Du anderen die Schuld, dass Du Dich schlecht fühlst?</em></p>
<p><em><strong>~ Aber sie&#8230;</strong></em></p>
<p>Die Stimme schwillt an, wird Raum und läßt mich hilflos mit ihr schwingen.</p>
<p><em>= DU KANNST NIEMALS ÜBER ANDERE REDEN! NUR ÜBER DICH!</em></p>
<p>Ich schrecke aus dem Traum herauf. Das Sternenlicht erlaubt mir, einige graue Umrisse zu sehen. Langsam finde ich wieder zu meiner Realität zurück.</p>
<p>Der letzte Satz trägt mich erneut in murmelnden Schlaf:<br />
<em><strong>~ Ich kann nur über mich reden</strong></em></p>
<p><strong><u>Die Ausgewogenheit der Schuld</u></strong></p>
<p>Ich beginne den Tag mit meiner Krankmeldung. Am Küchentisch suche ich meine Erinnerungen heraus, an diesen und jenen Streit, und wieviel Schuld ich ihr gegeben habe.</p>
<p>Schuld geben&#8230; kann man auch Schuld nehmen? Nein. Ich kann jemanden mein Herz<br />
geben, mich geben, mein Auto, meine CDs, wasweissich. Aber Schuld? Ein Gericht &#8216;spricht&#8217; schuldig, aber ist das immer gerecht?</p>
<p>Ich kann Verantwortung übernehmen, oder sie auch mit einer Krankschreibung abwälzen,<br />
weggeben.</p>
<p>Langsam beginnt die Sonne mit Ihrem Austieg in meinem Küchenfenster. Wolken treiben helle Schattenschärfe über die Wände, wie immer reagiert mein Herz darauf mit Loslassen, Lass-Gut-Sein, Sonnenschein.</p>
<p>Bin ich schuld, weil ich ihr nichts über mich gesagt habe?</p>
<p>Ist sie schuld, weil sie aktiv wurde?</p>
<p>Ich beginne die Worte zu finden, die ich ihr nie gesagt habe, jeden Satz mit &#8216;Ich&#8217; beginnend.</p>
<p>Und ich höre auf, Schuld zu geben.</p>
<p>Im sonnendurchfluteten Zimmer setze ich mich an meinen Schreibtisch und beginne einen strahlenden Brief zu schreiben, lege meinen Zorn beiseite und stelle Fragen zu jedem Ding über uns beide.</p>
<p><em><strong>~ Warum habe ich &#8230;?</strong></em></p>
<p>Wie ein Kind die Welt neu entdeckt, so hoffe ich, mich neu zu finden und vielleicht auch sie.</p>
<p>Ich beginne den Brief:</p>
<p><strong>&#8220;Ich habe Verantwortung. </strong></p>
<p><strong> Du auch. </strong></p>
<p><strong> Ich&#8230;&#8221;</strong></p>
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		<title>Kontaktaufnahme</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Wer ruft zuerst an?

Dieses Spiel, wer sich zuerst wie...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/kontaktaufnahme/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer ruft zuerst an?</p>
<p>Dieses Spiel, wer sich zuerst wieder meldet. Sehe nur ich, neben einigen Männern, dies so, oder gibt es das auch in Deiner Welt? Wer sich zuerst meldet, trägt das Risiko, zeigt Schwäche.</p>
<p>&#8230;Bescheuert, meines Erachtens.</p>
<p><strong>Liebes holdes weibliches Geschlecht, o sag mir, wie ich mich annähern kann!!?!!</strong></p>
<p>Wie wäre es mit den Standards: SMS, Telefon, Brief?</p>
<blockquote><p>(<em>Nicht schlecht, aber Standards&#8230;)</em></p></blockquote>
<p>Vielleicht ein Telegramm?</p>
<blockquote><p><em>(Nicht schlecht, aber welcher Text?)</em></p></blockquote>
<p>&#8220;Ich sehne mich nach Dir! Wie geht&#8217;s Dir?&#8221;</p>
<blockquote><p><em>(Solala&#8230;)</em></p></blockquote>
<p>&#8220;Ruf-stopp-mich-stopp-an-stopp&#8221;</p>
<blockquote><p><em>(Fast schon ein alter Hut, und ich steh&#8217; nicht so auf S&amp;M, oder Du?)</em></p></blockquote>
<p>Ein Gedicht?</p>
<blockquote><p><em>(Würde mir im Augenblick zu schwulstig geraten, aber vielleicht willst Du eins schreiben?)</em></p></blockquote>
<p>Ein Lied?</p>
<blockquote><p><em>(Nicht mit meiner Stimme. Wie singst Du denn?)</em></p></blockquote>
<p>Eine CD?</p>
<blockquote><p><em>(Ich habe zwar einen Brenner, jedoch wäre auch hier ein gewisser Kitschfaktor nicht auszuschließen)</em></p></blockquote>
<p>Ein Konzert?</p>
<blockquote><p><em>(Ich würde Dir einfach die beiden Karten schicken. Müßte aber was dazu schreiben, sonst könnte es auch falsch verstanden werden.)</em></p></blockquote>
<p>Eine Annonce in einer Zeitung?</p>
<blockquote><p>(<em>Neben dem Textproblem weiß ich nicht, welche Zeitungen/Zeitschriften sie liest.)</em></p></blockquote>
<p>Ein Buquet Blumen?</p>
<blockquote><p>(<em>Ja, eine oder mehrere Lilien. Vielleicht eine pro Tag, ohne Kommentar. Kann aber zu aufdringlich werden&#8230;)</em></p></blockquote>
<p>Eine Tigerente?</p>
<blockquote><p>(&#8230;)</p></blockquote>
<p>Ein Film?</p>
<blockquote><p>(<em>Ich löse ja gerade meine Videosammlung auf <img src='http://www.volker-kopetzky.de/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> . Du mußt dann nur noch Videorekorder und Fernseher beisteuern.)</em></p></blockquote>
<p>Eine Träne?</p>
<blockquote><p>(<em>Wie transportiert man die?)</em></p></blockquote>
<p>Einfach vorbeifahren?</p>
<blockquote><p>(<em>ogottogottogottogott, abgesehen von allen möglichen peinlichen Situationen.)</em></p></blockquote>
<p>Ich hab&#8217;s! Ich nehm&#8217; einfach alles!</p>
<p>Packe die Briefe ein,<br />
rufe kurz an zum<br />
abchecken und tauche<br />
beladen mit einer riesigen Tigerente auf,<br />
einer Lilie zwischen den Zähnen,<br />
einer Träne im Auge,<br />
tonnenweisen CDs,<br />
den Konzertkarten,<br />
der Süddeutschen mit einer Riieesenannonce und<br />
schmettere einen Auszug aus Romeo &amp; Julia,<br />
während der Postbote das Telegramm und<br />
Hermes Fernseher, Videorekorder für die Filme im Kofferraum bringt.</p>
<p>Nicht einfach, aber machbar, oder?</p>
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		<title>Das Haus</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p align="right">Eine kleine Geschichte, vor Jahren geschri...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/das-haus-2/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="right">Eine kleine Geschichte, vor Jahren geschrieben (ca 1990).</p>
<h3>Das Haus</h3>
<p>Da war ein Haus.</p>
<p>Alt, erhaben, im Schatten von vielen alten Bäumen, die sich im Wind flüsternd an es schmiegten. Seine Fenster waren fast alle zerbrochen, oder zumindest blind. Das Haus trug sie mit Würde in seiner wetterzerfressenen Fassade, erduldete den Wind und den Regen, wie sie mit seinen Ziegeln spielten, klappernd an der Regenrinne rüttelten.</p>
<p>Verglichen mit einem Menschen, würdest Du eine alte Gräfin aus der K&amp;K Zeit sehen, wie sie bei Hofe den Fächer wedelnd das junge Gemüse beobachtet. Noch immer nicht von der Geißel Alter besiegt, liebt sie sogar den Kampf mit dem von anderen als Feind betrachteten Gegner. Ihre Augen schweifen über das bunte Treiben, und von Zeit zu Zeit werden sie heller, richten ihren Fokus aus der Menge heraus, zur Wand (oder vielleicht zu den Gemälden, die dort in stummer Reihe hängen), darüber hinaus zu alten Zeiten, als sie selber noch wie jenes Gemüse war, lächelnd, lästernd, was irgendein alter Sack denn nun<br />
wieder träume.</p>
<p>Sie treibt über Bäume, Zeiten, Menschen, Wiesen und erreicht schließlich das Haus.</p>
<p>Beide mustern sich aus der Ferne, die Alte über ihren Fächer, das Haus mit blinden Fenstern. Sie nähern sich einander, beide spüren eine Seelenverwandtschaft, ein Ringen mit demselben Makel. Sie wurden beide alt, sie wurden beide belächelt (und das auch nur im günstigsten Falle), sie hatten beide viel erlebt, erkämpft &#8230;und verloren. Im Haus war viel Leben und Tod geschehen, Menschen, Familien, Gäste, Mörder und Gärtner, Liebende.</p>
<p>Ja, die Liebenden, sie waren es, die dem Haus seine Gefühle gaben. Die Liebenden mit ihren tiefen Emotionen, ihrem Haß, ihrer Zuneigung, ihren aus ihnen entstandenen Kindern. Überhaupt, es war am schönsten, die Liebenden während dessen zu umgeben, während sie zusammen lagen, sie zu umfangen, die werdende Mutter in sich aufzunehmen. So gesehen, war jede Geburt im Haus auch eine Fortpflanzung des Hauses selber: das Kind war in der Mutter war in dem Haus. Beide nahmen den Geist der vor Ihnen im Haus empfangenen mit sich, gaben ihren Teil für zukünftige an das Haus.</p>
<p>Es war lange her, daß das Haus empfangen hatte, die lange Zeit hatte die Gelegenheit wahrgenommen, es zu verschandeln, sein Äußeres anzunagen. Nicht, daß die Zeit es geschafft hätte, die weitere Umgebung zu verschleißen: das Viertel war noch immer dünnbesiedelt, bestückt mit genügend Geld pro Quadratmeter, um große Parkanlagen für die einzelnen Anwesen zu erlauben. Nur das Haus hatte keine Bewohner, die letzte Familie starb vielleicht aus, vielleicht starb auch nur ihr Geld aus, vielleicht ihr Stolz. Wer weiß?</p>
<p>Die Alte hatte nichts mit Liebenden zu tun. Ihr Leben war erfüllt von Pflichten, ihrer Familie gegenüber (damals wurde man verheiratet), dem Hof, dem vielleicht reichen König. Sie hatte sieben Kinder in die Welt geschickt. Wenn man sie fragte, war es ihr Mann, der schickte, sie spielte mehr die Rolle eines Briefträgers. Von diesen sieben Kindern starben zwei Söhne den Kindstod, zwei fielen im Krieg. Ihr Ältester hatte nach dem Tod ihres Mannes die Geschäfte übernommen, wie man so sagt. Dazu gehörte auch, ihre beiden Töchter gut zu verheiraten.</p>
<p>Eine Frau als Briefträger.</p>
<p>Sie sahen sich also beide an, Haus und Alte, beide des anderen bewußt.</p>
<p>&#8220;Es tut so weh !&#8221;</p>
<p>&#8220;Beruhige Dich. Du mußt jetzt ganz ruhig sein. Wenn Du nur eine Stunde aushältst, kann ich jemanden zu Hilfe rufen.&#8221;<br />
Er nahm sie in seine Arme, wiegte sie.</p>
<p>&#8220;Du wirst das schaffen!&#8221; flüsterte er, &#8220;Du wirst das schaffen&#8221;.<br />
Er zog seine Jacke aus, breitete sie über sie. Im Aufstehen strich er über Ihren Kopf.</p>
<p>&#8220;Das nächste Krankenhaus ist nur ein paar Kilometer weg.&#8221;</p>
<p>Ihr Körper verkrampfte sich in einer neuen Wehe.</p>
<p>&#8220;Beeil&#8217; Dich!&#8221; Sie zog sich zusammen, schwitzend.</p>
<p>Er rannte los.</p>
<p>Das Haus schien die Alte anzublinzeln, das einzig erleuchtete Fenster zwinkerte ihr zu. Seine Läden klapperten aufgeregt im Wind, auf und zu, zappelnd wie panische Hühnerflügel. Ihr Blick ging näher, erreichte das Fenster.</p>
<p>Drinnen lag eine junge Frau auf einem alten ausgeleierten Bett. Ihr Unterkörper blähte sich unter einer Jacke, an die sie sich zitternd, mit fahrigen Bewegungen klammerte. Die Alte fühlte eine Dringlichkeit um sich herum. Eine Aufregung, teils wie Kinder sie vor dem Christbaum ausstrahlen, teils ein Bangen um etwas, um etwas eigenes. Sie kannte diese Aufregungen, aber nicht in dieser Zusammensetzung aus Freude, Besitzenwollen, Furcht. Sie sah die junge Frau zusammenfahren, aufschreien, als sie eine neue Wehe erreichte. Die Alte näherte sich der Jungen, streckte ihre Hand aus.</p>
<p>Sie griff durch die Junge hindurch, durch ihren Körper.</p>
<p>Verwirrt hielt sie inne: was mache ich hier, ich träume, wer ist sie?</p>
<p>Die Junge öffnete die Augen, erschrocken geweitete Augen starrten umher, suchten ihre Umgebung ab.</p>
<p>&#8220;Wer bist Du?&#8221; flüsterte sie.</p>
<p>Die Alte wich zurück, zaudernd floh ihre Konzentration, ihre Augen wurden dunkler. Sie hörte ein leise anschwellendes Gemurmel, hinter den Bäumen, den Bildern, der Wand, in dem großen Saal. Die Stimmen produzierten ein gelangweiltes Rauschen von Oberflächlichkeit.</p>
<p>Ihr Blick schwankte zur Jungen zurück. Sie war hübsch. Die Alte war in ihrer Jugend auch hübsch; das sagten ihr jedenfalls die Freier, die ihr Vater bestellte (die Jungen Burschen auf der Straße auch). Schwangere fand sie, waren nicht hübsch. Ihre Augen waren es, die ihre Schönheit verhinderten, wie sie weit, mit Angst erfüllt ins Leere griffen.</p>
<p>&#8220;Hörst Du mich ?&#8221;</p>
<p>Ihre Worte vertrieben das Gemurmel, schärften ihre Umgebung, trieben alle Kanten und Kleinheiten aus den Schatten des Zimmers hervor. Sie konnte jede Schweißperle auf der anderen sehen, wie sie ihren Weg über blasse Haut nahm.</p>
<p>Die Junge streckte ihre Hand aus, streckte ihre Fingerspitzen leise zitternd zu ihr hin.</p>
<p>&#8220;Bist Du die Amme?&#8221;</p>
<p>&#8220;Kleines, ich bin keine Amme&#8230;&#8221;</p>
<p>Die Finger resignierten, zogen sich zurück.</p>
<p>&#8220;&#8230;aber ich habe ein paar Geburten mitgemacht, ich denke, ich weiß, wie wir beide das schaffen können.&#8221;</p>
<p>Die Alte trat an das Bett, streichelte der Jungen durch das Haar. Ihre Hand glitt wie zuvor wie ein kleiner Nebel durch den Kopf, traf dort auf keinen Widerstand. Sie sah ihre Hand an, drehte sie hin und her. Stirnrunzelnd, schulternzuckend stand sie neben der Jungen:</p>
<p>Alt, enttäuscht bei Jung, voller Angst.</p>
<p>&#8220;Ich hoffe, uns stört das nicht.&#8221;</p>
<p><em>Und sie sahen sich an: </em>Kind in Mutter, Jung mit Alt und das Haus um sie herum.</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Rasender RDUC Bericht Nr. 3 &#8211; Der Alltag</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Geschichten aus den USA, Juli  2004, Teil 3/5
<h1>Diens...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/rasender-rduc-bericht-nr-3-der-alltag/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Geschichten aus den USA, Juli  2004, Teil 3/5</p>
<h1>Dienstag :</h1>
<p>Hallöchen!</p>
<p>Tjaja, das alltägliche. Zum Beispiel das Aufstehen.</p>
<p>Ober in meinem Fall insbesondere das <em>rechtzeitige</em> Aufstehen!</p>
<p>So, ich will also um 8:00 Uhr bei der Keynote von Grady Booch sein, deswegen stelle ich gestern abend den Wecker auf 7:00 Uhr. Und meinen mit Alarmfunktion gesegneten iPod auf 6:50 &#8230; Audioslave kommt da ganz gut.</p>
<p>Dies kam dabei raus:</p>
<ul>
<li><strong><em>6:50:00</em></strong> Audioslave startet munter singend in den Morgen</li>
<li><strong><em>6:57:00</em></strong> ich noch nicht</li>
<li><strong><em>7:00:00</em></strong> der Wecker ringt sich &#8216;nen Wolf</li>
<li><strong><em>7:02:00</em></strong> Nachdem ich ca. eine Minute stirnrunzelnd mit dem vibierenden Wecker in meiner Hand neben dem Bett stehe, stelle ich ihn auf 7:15</li>
<li><strong><em>7:02:01</em></strong> Audioslave (sog. NuMetal)  singt mich in den wohlverdienten Zweitschlaf</li>
<li><strong><em>7:02:02</em></strong> Ich schlafe (das geht wirklich so schnell!)</li>
<li><strong><em>7:15:00</em></strong> Zweiter Auftritt des Weckers</li>
<li><strong><em>7:17:00</em></strong> Der Wecker gibt software- und timertechnisch auf</li>
<li><strong><em>7:30:00</em></strong> mit einem leichten Lächeln (Party gestern), komischem Geschmack im Mund<br />
(Corona) wache ich auf &#8211; vor allem aufgrund eines dringenden Bedürfnisses nach<br />
Flüssigkeitsentsorgung (habe ich Corona schon erwähnt?)</li>
<li><strong><em>7:45:00</em></strong> Alles erledigt: Zähne, Achseln, Ohren, den Schritt und alles andere geputzt. Nur noch anzieh&#8217;n.</li>
<li><strong><em>7:46:00</em></strong> Audislave ist fertig. Was hör ich denn zum Anziehn? U2? Guuuute Idee!! Dann kann ich ja noch kurz mal emails checken!</li>
<li><strong><em>8:05:00</em></strong> Ein kurzer Blick auf die Uhr, und los geht&#8217;s!</li>
<li><strong><em>8:06:00</em></strong> Durch die stärkere Klimaanlage im Flur stelle ich fest, dass der Rucksack &#8211; obwohl mit wärmenden Laptop gefüllt &#8211; im Schritt längst nicht so gut wärmt wie normale Kleidung.</li>
<li><strong><em>8:10:00</em></strong> Endlich angezogen trabe ich los.</li>
<li><strong><em>8:20:00</em></strong> Ehrfürchtig lausche ich der Rede von Grady Booch</li>
</ul>
<p>Für die wenigen, die ihn nicht kennen: der Typ ist in der Branche sowas wie Leonardo da Vinci. Alle lieben ihn und keiner weiss genau was er tut (ja, stimmt: er schreibt Bücher!).</p>
<p>Falls die Frage aufkommt: wo sind die 10 Minuten zwischen &#8216;Los&#8217; und &#8216;Lauschen&#8217; verbraten worden?</p>
<p>Eine Eigenart amerikanischer Hotels ist &#8230; ?</p>
<p>Jawoll: ihre Größe!</p>
<p>Und ganz speziell in Texas! So entspricht die Länge meiner Wegstrecke leider nicht im geringsten der ganz komfortablen Länge der Luftstrecke zwischen meinem Zimmer und dem Konferenzhäuserl (ca. 100 m), sondern ungefähr zwei (2) Kilometer.</p>
<p>Bevorzugte Umleitungstrategien orientieren sich hierzulande an möglichen Komsumorten (Shops) und unterliegen logischerweise auch der landesüblichen strikten Anforderung hermetischer Abgeschlossenheit (damit die Klimaanlage wenigstens etwas Sinn macht). Man kommt zwar überall hin, aber nur gut gekühlt und immer an irgendwelchen<br />
Boutiquen entlang.</p>
<p>Nicht, dass ich deswegen zu spät kam. Ich habe schon am ersten Tag die Abkürzung via Notausgang entdeckt, die mir all dies erspart. Die Strecke ist sogar so kurz, dass ich noch locker einen Kaffee und eine Zigarette einschmeissen kann und im Vergleich immer noch schneller bin. 2km = 11 Minuten Verspätung. Abkürzung mit KK = 10 Minuten. Macht eine<br />
Minute Gewinn!!</p>
<p>Wir können halt rechnen, wir IT-Männer!</p>
<p>An diesem paradoxen Umweg (für Amis wäre das wahrscheinlich einer) ist noch ein anderer Aspekt interessant. Man sollte immer mal ab und zu die Notwege gehen, da sieht man wesentlich interessantere Aspekte des Landes. Zum Beispiel werde ich auf dem obigen Weg an einer Aussentreppe jeden Morgen der Gefahr einer Verwehung durch die kontinuierlich mit 3 Windstärken blasenden Abluft ausgesetzt.</p>
<p>Und in Texas gibt es wirklich etliches größeres: so bin ich fast über eine &#8211; zum<br />
Glück tote &#8211; Fliege gestolpert.<br />
Ja: gestolpert! Circa daumengroß, mit Flügeln hängt sie auf meiner Handfläche über.<br />
Apropo andere Wege: eine nette Werbung ist mir auf der Herrentoilette aufgefallen: der Hersteller der &#8211; wie heissen die Dinger denn politisch korrekt? &#8211; ähm, &#8230; Stehschüsseln schreibt da doch voller Stolz drauf: &#8220;1.0 gallons / 3.8 liters per flush!&#8221;. Und wir<br />
experiementieren daheim auf Kosten der nasalen Gesundheit mit wasserlosen<br />
Lösungen&#8230;. Viva Texas!</p>
<p>Was die nebenbei erwähnte Rede von Grady betrifft: davon werde ich dann morgen in der Schlüsselnotizenzusammenfassung (ich liebe mein Land! Und meine Sprache erst recht! Freie Zusammensetzung für alle Substantive&#8230; unbezahlbar!) berichten. Jetzt werde ich meinen Wecker (er guckt schon so misstrauisch) und meinen iPod stellen. Musik wird sein&#8230; Moment &#8230; Dredg (El Cielo).</p>
<p>Liebe Grüße &amp; Gute Nacht:-)<br />
Volker</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Clubby Sounds und ein Kaffee&#8230;</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/clubby-sounds-und-ein-kaffee/</link>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://volker.vzkb.de/clubby-sounds-und-ein-kaffee/</guid>
		<description><![CDATA[<p>Pamphlet für oder gegen die jungen Menschen?

Da sitz...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/clubby-sounds-und-ein-kaffee/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Pamphlet für oder gegen die jungen Menschen?</p>
<p>Da sitzen sie, die jungen und hübschen Menschen, umschwirrt von seichterer Chilloutmusik. So von der Ferne betrachtet ist ab und zu ein kleineres Lächeln zu hören. Aber nicht zu laut bitte, denn das wäre ja ganz doll uncool. Gleich der Musik scheint&#8217;s, daß sich die Jugend in der Bedeutungslosigkeit sehr wohl fühlt. Eine Diskusion ist ein unbekanntes Ding, keine Meinung, keine Emotion, kein Drang etwas zu verändern. Man begnügt sich mit stilvollem Smalltalk</p>
<p>- Folge dem Hasen!</p>
<p>Ab und zu ein nettes Telefonat mit dem obligatorischen Handy macht so und so jede Konzentration auf ein Thema sinnlos. Tut aber auch gut, dieses Nichtdenken, Nichtfühlen, bloß nicht beteiligt sein. Ich mache mir Sorgen, ob diese Schickfressen jemals in der Lage sein werden, authentisch zu entscheiden. Mit jedem verwirrten, weil intelektuell und<br />
fühlend überforderten Blick sehe ich meine Rente den Bach runter gehen.<br />
Und so wird klar, daß es keinen Generationenvertrag mehr gibt.<br />
Falsch: daß dieser Gedanke eines Für- und Miteinanders seit je her illusorisch ist. Traurig ist dabei vor allem, daß die Anzahl der Jugendlichen und Jungmenschen abnimmt, die überhaupt noch einen Gedanken zu Ende denken wollen, von Fühlen ist schon gar keine Rede mehr. Jedenfalls sehe ich keine Anteilnahme an dem scheinbar armen Zeitungsverkäufer, der in der Leopoldstrasse sitzt. Etwas Stirnrunzeln &#8211; die im Vergleich zur restlichen Gesichtsschautragung wahre Eruption von Gefühl, das ist das einzige sichtbare Produkt eines wie auch immer gearteten Fühl- und Denkprozesses hinter gehübschten Augenbrauen (weiblich) und trainierten Armmuskeln (männlich). Einen wahren Blick sehe ich hier nicht, eher das Abscannen und Abhaken von Klischees der vor leerem Hintergrund vorbeirauschenden Menschenbilder an den Wänden der jungedeutschen<br />
leeren Gehirnschale.</p>
<p>Richtig, schicker sind die jungen Leut als zu meiner Zeit, legen viel mehr Wert auf das Äußere und Gepflegtheit. Doch ich frage mich was das bringt, wenn man sich nicht kümmert um die anderen, die Fremden. Das Hemd ist näher ans Ich gerückt und damit sind alle anderen, fremden, andersartigen umso weiter weg vom Herzen. Anteilnahme beschränkt sich auf die Bemitleidung der Unmodigkeit oder Übergewicht, und das auch<br />
nur, wenn&#8217;s dem Anderen offensichtlich schlechter geht als einem selbst. Schade, daß diese vertrackte Art der Fremdbestimmung so allgemein geworden ist, daß das eigene Ich vor lauter Aussenvergleich zu einem kleinen, harten und traurigem Rest verkommt.</p>
<p>Nun kann man ihnen einfach die Schuld geben, diesen dekadentierten, ego- und aussenerzogenen Nichtsdenkern, den Allesakzeptierern, Durchwurstlern, kalten, kalten, dummen jungen Menschen.</p>
<p>Doch: wo haben sie dieses Verhalten gelernt? Wer hat damit begonnen?<br />
Wer hat ihnen beigebracht, daß Nichtteilnehmen besser ist als mitzumischen?</p>
<p>Natürlich stellt sich die Frage des Determinismus (und hier nun scheidet sich die Spreu vom Tod), ob man selbst- oder fremdbestimmt sei (der geneigte Leser beachte, daß eine solche Formulierung üblicher- und gegensätzlicherweise im grammatikalischen Passiv stattfindet:-). Und mal abgesehen von der momentanen akademischen Diskussion über neueste sogenannte Erkentnisse (die doch nur Beobachtungen sind) über die Tiefe<br />
der physischen Bestimmung der Psyche: jeder Mensch (als Einheit von Körper, Verstand und Gefühl) handelt immer nur zum eigenen Zweck, zum eigenen Positiven hin. Egal, ob von aussen oder innen: alles was ich tue, mache ich für mich, damit ich mich &#8211; nach meinem eigenen Maßstab &#8211; besser fühle. Und dies gilt auch für die jungen Menschen,<br />
die ich gerade beobachtet und bewertet habe.</p>
<p>Also höre ich jetzt auf mit der gequirlten Scheisse von Schuldzuweisung an dritte (die Jugendlichen) und übernehme die Verantwortung, stellvertretend für die sogenannten Erwachsenen meiner Generation &#8211; und sogar noch für die meiner Eltern! Was haben wir gemacht, damit die Welt und die Jugend darin nun so ist wie sie ist? Einfach gesagt: wir haben damit angefangen! Wir haben gezeigt, daß solche eine ichzentrierte, respektlose Einstellung Sinn macht und Erfolg bringt.</p>
<p>Das Muster ist ganz einfach: ich traue mich nicht mehr, meine Werte anderen zu erklären, sondern erwarte zum einen ganz einfach, daß sie bekannt sind. Damit das funktioniert, muß ich sie natürlich vereinfachen, verändern und damit mich. Auf so einfache Dinge wie Geld, Auto, Haus, Frau, Kinder, Mann, alles schön messbar und von anderen leicht zu verstehen. Ich rede hier nicht über die Art und Weise, wie unsere Wirtschaft funktoniert, sondern darüber, wie wir uns anderen mitteilen, jede/r einzelne für sich.</p>
<p>Denn deswegen verschwindet das Herzvolle, das Fühlen, das Innere aus uns und unserer Umgebung:</p>
<p>es ist nicht mehr konform, sich mitzuteilen, es ist auch nicht mehr konform, zuzuhören.<br />
Man überfüllt den anderen mit den eigenen oberflächlichen Dingen, jeder kämpft um Aufmerksamkeit für die falschen Dinge.</p>
<p>Was interessiert mich denn das Innenleben des Gegenübers, ich hab doch schon genug Probleme mit meinem eigenen Innendrin. Ich weiß immer ganz genau, was ich nicht will, aber nicht, was ich will. Ich lasse mich entscheiden: durch Nichtstun lasse ich eine Situation entstehen, die mich dann bestimmt. Heutzutage finden wenige liebevollen Entscheidungen in Deutschland statt. Ich sehe keine einzige Entscheidung (politisch, wirtschaftlich, sozial, privat) *für* etwas &#8211; aus Liebe, sondern umso mehr Entscheidungen gegen den gerade aktuellen, modernen, aufgedeckten, medial aufgefurzten angeblichen Mißstand &#8211; aus Angst.</p>
<p>Fazit:</p>
<p>Nichts, absolut gar nix, an unserer Gesellschaft ist vorteilslos.</p>
<p>Andersrum: Alles (sei es Zustand oder Entscheidung) passiert, weil irgendjemand einen Nutzen davon hat. Was Ihr (nicht die Jugend, neinnein, Ihr 40 Jährigen, Ihr Machthebelzieher) Moral oder Ethik nennt, sind nur weitere öffentliche Vereinbarungen, genauso flexibel und veränderlich wie Börsenkurse. Und an dieser moralischen Börse steht ja im Augenblick genau das Füreinander im Vordergrund: DAS untrügliche Signal für sein<br />
Nichtvorhandensein ist. Das gerade knappe Moralprodukt wird immer laut und ausdauernd besungen, wie in einem drittklassigen Voodoofilm (oder eben Heuschrecken).</p>
<p>Geopfert werden die Hühner des vergangenen Jahrzents &#8211; und immer wieder die Generation der Kinder, die die gerade aktuelle Wertemode eingetrichert bekommt und verinnerlicht, da sie ja schön positiv lobverstärkt wird.</p>
<p>Also:<br />
Nicht beschweren, sondern ändern.</p>
<p>Wie immer: zuerst sich selbst und damit &amp; dann die anderen/jungen Menschen.</p>
<p>Was?</p>
<p>Nun, das was sich zu erhalten lohnt &#8211; Deine Entscheidung!</p>
<p>Und wenn ich irgendjemanden noch einmal dabei erwische, daß sie/er sich über andere beschwert, gibt&#8217;s einen Arschtritt, um Dich in Bewegung zu setzen.</p>
<p>Ich tret mir jetzt ersma selber inn&#8217; Arsch und geh&#8217; zu dem Tisch gegenüber und beginne, diese Schickfressen herauszufordern&#8230;</p>
<p>PS: nach dem hermetischen Prinzip gelten natürlich alle obigen Aussagen auch reflektiv: ich spreche die ganze Zeit (auch) über mich selbst. Denkt in Zukunft mal daran, wenn Ihr über andere sprecht:-)</p>
<p>Lorem Ipsum,<br />
Volker</p>
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		<title>Rasender RDUC Bericht Nr. 2: der Anfang</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Geschichten aus den USA, Juli  2004, Teil 2/5
<h1>Monta...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/rasender-rduc-bericht-nr-2-der-anfang/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Geschichten aus den USA, Juli  2004, Teil 2/5</p>
<h1>Montag:</h1>
<p>Hallöchen!</p>
<p>Es heisst ja: Am Anfang das Ende im Sinn haben.</p>
<p>Fazit des ersten Tages:</p>
<ul>
<li>ca 20 Meetings mit Kollegen &#8211; mal auf dem Gang, mal in der Pause und auch ein paarmal offiziell mit Kunden</li>
<li>Drei Präsentationen, davon keine überragend (schlechte Themenwahl, wahrscheinlich?)</li>
<li>die neuen Bits gesehen, kommt geil! Da werde ich noch weiter bohren</li>
</ul>
<p>Unter diesem Aspekt war auch heute die erste KeyNote sehr interessant.</p>
<p>Hier die Kurzfassung:</p>
<ol>
<li>Ein hübsches Mädel turnt im engen Body vor 2000 Leuten am Seil</li>
<li>Roger Oberg zählt Java Gesichter in Filmen</li>
<li>Mike erzählt von Software</li>
<li>Lee erzählt nicht, sondern zeigt Tools</li>
<li>Buell erzählt auch was</li>
<li>Die Musik war echt gut</li>
</ol>
<p>Was davon im Gedächtnis bleibt, hängt sicherlich von mentalen Vorbereitung des einzelnen ab. In meinem Falle konkurriert das Kurzzeitgedächtnis an diesem Morgen noch mit einigen Bieren und irgendeinem &#8216;Shot&#8217;vom gestrigen Abend, den ich von einem amerikanischem<br />
Kollegen aufgedrängt bekam. (Memo an mich: nicht mehr auf irgendwelche Dreibänder beim Pool wetten).</p>
<p>Es gibt natürlich auch positive Memorabilitäten der ersten Keynote!</p>
<p>[philosophische Seitennotiz:<br />
Keynote .... Schlüsselnotiz ... also ein Schlüssel ... für was? Welches Tor soll damit aufgeschlossen werden? Was liegt dahinter? Wer will da durch? Hach! Wie leicht man bei genauer Beobachtung im Wald an Bäume laufen kann...]</p>
<p>Zum einen das Motto: &#8216;Software Runs the World&#8217;.</p>
<p>Mike hat es schön einfach gesagt: &#8220;Nimm die Software weg, dann siehst Du wie wichtig sie ist.&#8221; Meiner Meinung nach eine Aussage in die richtige Richtung, aber ganz und gar nicht weit genug.</p>
<p>Mir wäre ja lieber gewesen, wenn während der Demo die gesamte Software im Saal ausgeschaltet werden würde, damit die Leut&#8217; endlich mal am eigenen Leib erfahren, wie und wo sie eine Rolle spielt.</p>
<p>Und natürlich DER Kracher: ein Obermotz traut sich ans Tool.</p>
<p>Ich kann&#8217;s &#8211; auch wenn ich Lee schon zum dritten Mal mit den Fingern am Tool erwischt habe &#8211; immer noch nicht glauben!</p>
<p>Stellt sich frech hin, setzt sich einen Entwicklerhut auf (Käppi mit Propeller) und passt die Registrierungswebsite an.<br />
Setzt sich danach &#8216;nen gelben Bauhelm auf und testet das Ganze&#8230;.</p>
<p>Mit allem drum und dran: schlechte Performance beim ersten Mal (Eben! Da sag noch jemand, das IT sich nicht am Sex orientieren würde) inklusive warten, dass was passiert. Er hat dabei ganz genauso geschwitzt wie wir einfachen Techies. Und was passiert?</p>
<p>Das Tool macht natürlich erstmal nix (er sagte noch irgendwas von &#8220;Does whatever it does&#8221;), ein, zwei Scherzchen und Erklärungen und dann gingen ihm im die Wörter aus&#8230;</p>
<p>Natürlich hat&#8217;s dann funktioniert.</p>
<p>Und ebenso natürlich bekommt ER dann einen Szenenapplaus: inklusive einem allgemeinen Aufzeufzer mit integriertem Lacher! Das nächste Mal, wenn ich auf&#8217;s Tool warte, werde ich dem Publikum einheitzen und wehe, die klatschen nicht!</p>
<p>Wen&#8217;s interessiert: das Tooling macht wirklich was her, konnte aber nicht mit der Dame am Seil konkurrieren. Eine Website im bunt gepunkteten, knallengen, weißen Body macht lange nicht so an&#8230;</p>
<p>Danach ging&#8217;s dann nahtlos über in die übliche Konferenzhektik:</p>
<p>Hin- und Hergerenne, Räume suchen, wo ist denn der Kaffee und wo sind denn die Kollegen. Wenigstens stilvoll: die ungefähre Anzahl von Cowboystiefeln und Hüten im Convention Center beläuft sich auf ca. 20.000 &#8211; auf dem Teppichboden. Texas weiss eben, wo seine Wurzeln sind. Diese Dinge findet man überall in den veschiedensten Ausprägungen:</p>
<p>Auf Bildern, an, neben und auf Rindern und: auf dem Kopf von Terry Quatrani.</p>
<p>Sie hatte gestern bei der Willkommensveranstaltung einen Texas Hut mit ca. 2 qm<br />
Grundfläche auf. Eine Schlagzeile darauf war: &#8220;Never mess with Texas!&#8221;.</p>
<p>Weitere Details:</p>
<ul>
<li><!--[if !supportLists]-->Farbe: knallrot</li>
<li><!--[if !supportLists]-->Kosten: billig</li>
<li><!--[if !supportLists]-->Lieferung: schwierig (musste extra geliefert werden, das Ding passt  in keinen Koffer)</li>
<li><!--[if !supportLists]-->Blickfangquotient: unbezahlbar</li>
<li>Und nein: ich werde so&#8217;n Ding nicht tragen.</li>
</ul>
<p>Apropo Wurzeln: die sind in Amerika zwar nicht so (zeitlich) tief wie bei uns, dafür aber für&#8217;s einfache Gemüt besser nachvollziehbar.</p>
<p>Oder hat sich schonmal jemand darüber Gedanken gemacht, welche guten Dinge wir Lederhosen, Kuckucksuhren oder der Steinkohle verdanken?</p>
<p>Naja, die Kohle ist ja ganz gut (einen Pfennig), aber wie soll man sowas ohne Depressions-Gefahr auf einem Teppich oder Bild darstellen?</p>
<p>Schwarze Kohlen auf weissem Grund? Und bringt das heute noch dieselbe?</p>
<p>So sieht&#8217;s also aus: auf der einen Seite wir in D mit der vielschichtigen Geschichte, die jedoch für keinen mehr so richtig nachvollziehbar ist, dort die USAler, die sich nicht mit so viel historischer  Masse herumschlagen müssen und ausserdem gar kein Bock auf kompliziert haben:</p>
<p>Frage an einen Deutschen: Was ist Bayern?</p>
<p>Antwort:<br />
Vordergründig Lederhosen und Bier, in Realität aber ein Land, das aufgrund seiner vielschichtigen (sic!) Geschichte (doppel-sic!) in der Lage war(?), sich zu einem neuzeitlichen Industriestaat zu entwickeln, mit jeder Menge High-Tech und Innovation &#8230; (die nächsten drei Seiten lasse ich weg)</p>
<p>Frage an einen Ami: Was ist Texas?<br />
Antwort:<br />
Cowboys! Yiiiha! Alles andere folgt daraus. Punkt.</p>
<p>(was dann auch ein ganz guter Schluss für diesen Bericht ist)</p>
<p>Liebe Grüße,</p>
<p>Volker</p>
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		<title>Rasender RDUC Bericht Nr. 1: die Anreise</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Nov 1999 23:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Geschichten aus den USA, Juli 2004, Teil 1/5
<h1>Sonntag...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/rasender-rduc-bericht-nr-1-die-anreise/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Geschichten aus den USA, Juli 2004, Teil 1/5</p>
<h1>Sonntag:</h1>
<p> Hallöchen!</p>
<p>Ist ja schon doll, diese Einreise in die Staaten.</p>
<p>Man bekommt ein völlig neues Verhältnis zum Schlangestehen:</p>
<p>Nach der Schlange aus dem Flugzeug raus kommt die Schlange bei der Einreise, in der man heutzutage auch den freundliche Beagle der Zollbehörde seine Gepäckstücke beschnüffeln lassen darf.</p>
<p>Zum Glück hat er bei mir kein Obst, Fleisch oder sonstwelche Lebensmittel gefunden. Die dritte Schlange ist dann die beim Wiedereinchecken des Gepäcks. &#8230;Nachdem man eine halbe Stunde auf das obligatorische Einreisegepräch gewartet hat:</p>
<p>Zoll: &#8220;Was ist der Grund Ihrer Einreise?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ich habe keinen Grund, ich muss halt.&#8221;</p>
<p>Zoll: &#8220;Wo werden Sie während Ihres Aufenthalts wohnen?&#8221;</p>
<p>&#8220;Irgend so&#8217;n schwules Hotel, &#8230; Gaylordirgendwas in Texas&#8221;</p>
<p>Die längste Zeit dauerte diesmal das Stempeln. Pro Einreisenden gibt&#8217;s sage und schreibe fünf Stempel. Die ganze Halle hallt vom <em>Krrk-Krrk-Klatsch-Krrk-Krrk </em>wieder.</p>
<p>Ich mein&#8217;, schon der Fragebogen im Flugzeug ist klasse:<br />
&#8220;Kreuzen Sie bitte irgendwo &#8216;Ja&#8217; an, wenn Sie garantiert  nicht einreisen wollen&#8221; Steht so drauf.</p>
<p>Wirklich.</p>
<p>Und die Fragen:</p>
<p>z.B. &#8220;Sind Sie schonmal mehr als fünf Jahre eingesessen?&#8221;</p>
<p>Als ob das ein Vergleich wäre&#8230; Die Tat, die ein Strafmass von fünf Jahren in in Deutschland nach sich zieht wird in den Staaten wahrscheinlich eine andere Einsitzzeit haben&#8230;</p>
<p>Oder:</p>
<p>&#8220;Planen Sie eine Straftat in den Vereinigten Staaten?&#8221;</p>
<p>Klasse! Was hoffen die? Dass mein Unterbewusstsein mich dazu zwingt, &#8216;Ja&#8217; anzukreuzen? Ich habe meinen Sitznachbarn beobachtet: Sein Kugelschreiber hat merklich gezittert, er musste beide Hände nehmen um doch noch &#8216;Nein&#8217; anzukreuzen (puuh! knapp vorbei!).</p>
<p>Zurück zur Schlange Nr. 3<br />
(Extreme-Gepäck-Wieder-Aufgeben).</p>
<p>Diese dient wahrscheinlich dazu, dass irgendwelche Haftungsauschlüsse geltend gemacht werden können, wenn das Gepäckstück verloren gehn sollte.</p>
<p>&#8220;Sie haben&#8217;s doch selbst wieder eingecheckt, da können wir nix dafür, wenn&#8217;s nach Hawaii geflogen wurde. Wie bitte&#8230;? Nein, es besteht  leider keine Möglichkeit, den Passagier anstelle des Gepäcks nachzuliefern.&#8221;</p>
<p>Die vierte Schlange ist das Screening.</p>
<p>Die Werbung auf den Bildschirmen ist Klasse, speziell die der Einwanderungsbehörde. Ich stelle mir vor, wie das in Deutschland aussehen würde:</p>
<p>&#8220;BGS &#8211; Wir sind zum Reinkommen da: Begrüßen, Gängeln, Schleifen&#8221;</p>
<p>Bevor Sie in unserem schönen Land rumfliegen dürfen, machen Sie sich bitte mit den Untersuchungsmethoden vertraut. Es ist ganz leicht, drei einfache Schritte!</p>
<p>1. IN</p>
<p>Packen Sie alle Kleinigkeiten in Ihre schon überfüllte Tasche.</p>
<p>2. OUT</p>
<p>Nachdem Sie alles reingestopft haben, kramen Sie bitte Ihren Laptop wieder vom Boden der Tasche hervor und legen Sie ihn in einer der bereitstehenden Kisten.</p>
<p>3. OFF</p>
<p>Ziehen Sie bitte Ihre Jacke oder Ihren Mantel aus.</p>
<p>Achja, aufgrund der sexuell nicht ausgelasteten Mitarbeiter im Sicherheitspersonal ziehen Sie bitte auch noch die folgenden Sachen aus:</p>
<ul>
<li>Ihre Schuhe</li>
<li>Ihre Zahnplomben</li>
<li>Ihre(n) Gürtel</li>
<li>Alle anderen undurchsichtigen Kleidungsstücke</li>
</ul>
<p>Ganz einfach also.</p>
<p>Nachdem ich hosehaltend und fußfrierend (die Klimaanlagen sind immer noch nicht in der Lage, Temperaturen höher als 15Â°C zu erzeugen) durch den Metalldetektor gestolpert bin, durfte ich das erste Mal selber Grund einer Schlange sein (ich war schon immer der langsamste beim Anziehen&#8230;).</p>
<p>Die letze Schlange war dann die beim Einstieg zum Weiterflug nach Dallas.</p>
<p>Moment&#8230; Ich habe die Check-In-Schlange im Hotel vergessen.</p>
<p>Habe ich Hotel gesagt? Naja, leicht untertrieben&#8230;.</p>
<p>Man nehme circa 1000 Zimmer und sortiere sie um ein (1 kmÂ²) Atrium herum.</p>
<p>Das ganze wird dann mit einem Glasdeckel luftdicht abgeschlossen und auf 13Â° C heruntergekühlt (bei einer Aussentemperatur von 30+).</p>
<p>Soweit, so gut. Ich bin also hier und hoffe, dass ich mir wegen der Klimanlage keine Erkältung einhandele (habe natürlich wie immer die Wintersachen vergessen&#8230;).</p>
<p>Nun werde ich mich zur Registrierung begeben (Schlange Nummer acht) und offenen Auges die Vorteile der modernen Kultur in Texas geniessen:</p>
<p>hier ist nämlich alles (etwas) größer, sozusagen das Bayern der Vereingten Staaten. Eine Bekannte aus dem Verlagsgeschäft erzählt, daß jedes Buch in den Staaten eine extra Texas-Ausgabe hat, die immer 10% mehr Seiten enthalten muss (meistens durch eine größere Schrift:-).</p>
<p>Die Essensportionen sind&#8217;s auf jeden Fall:<br />
das Entree gestern abend geht selbst in Bayern als doppelte Hauptportion durch.</p>
<p>Bis zum nächsten Frontbericht (also in ca. 2 kg Gewichtszunahme)!</p>
<p>Liebe Grüße,</p>
<p>Volker</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Wieder sehen</title>
		<link>http://www.volker-kopetzky.de/wieder-sehen/</link>
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		<pubDate>Tue, 04 Oct 2005 10:45:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Volker Kopetzky</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.volker-kopetzky.de/archiv/223</guid>
		<description><![CDATA[<p>Trübes Licht rauscht am Zugfenster vorbei.</p>

Es is...</p> <a href="http://www.volker-kopetzky.de/wieder-sehen/">Continue reading <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Trübes Licht rauscht am Zugfenster vorbei.</p>
<p>Es ist einer dieser ersten Vorbotentage des Winters mit seinem unscharfen Licht unter einer Sonne, die keine Wärme mehr unter den Wolken geben kann. Ich schaue in das huschende Noch-Grün, das mit Mauern und Häusern Fangen spielt.</p>
<p>Es ist lange her, daß ich hier war, dass ein solches Licht mir schien. Was soll ich nur sagen? Niemand wird mich am Bahnhof abholen, alle Menschen dort werden nur mit sich selbst beschäftigt eilig umher- und umeinandereilen. Ich werde ein Taxi nehmen. Einsteigen.</p>
<p>&#8220;Ishmaelstrasse, bitte.&#8221;</p>
<p>Die Stadt hat sich nicht verändert, wie auch in zehn Jahren in diesem Land. Nicht viel neues, nur ungewohnt nach der langen Zeit. Die Gebäude stehen Spalier und der Taxifahrer ist wohltuend schweigsam.</p>
<p>Ich steige aus, stehe vor dem Grundstück, zögere. Die Zeit dreht sich&#8230;</p>
<p>In einem anderen Licht stand ich hier, genauso sprachlos, genauso zögernd:<br />
Sollte ich wieder hineingehen? Sollte ich alles hinter mir lassen? Die Sonne brannte auf meinem Nacken, ein leichter Schweiß rann mir den Rücken herab. Ich hatte aufgegeben und noch schlimmer, mir war es in jenem Augenblick bewußt. Nichts, daß diesen Schild aus Zorn und Vorwürfen durchbrechen konnte. Die Straße war staubig vom lange ausgebliebenen Regen, meine Schuhe mußten dringend geputzt werden.</p>
<p>Mein Blick hob sich, fiel auf das Haus, in dem er aufwuchs und das ich endgültig verlassen würde. Einen Abschied gab es nicht, nur das langsame Sterben von gemeinsamer Zeit, bis endlich klar wurde, daß da nichts mehr war. Mein Weggang war nur der letzte Schritt einer langen Abfolge des Verlassens. Ich fühlte mich leer, unfähig, klein, fern.</p>
<p>Was nun?</p>
<p>Mir ist viel passiert in diesen Jahren, ich habe viel gesehen und erfahren an vielen Orten, und doch nichts an diesem Ort, mit diesen Menschen. Hier ist meine Geschichte nicht weiter geschrieben worden, kein Anteil von mir.</p>
<p>Was nun?</p>
<p>Ich könnte hineingehen und ihn nach seiner Geschichte fragen:<br />
Was hat er in all den Jahren getan, was gelernt, was verziehen? Wie es ihm gehen würde, was er sich wünschen würde? Und wenn er gleiches mich fragen würde, hätte ich keine Antwort in seiner Anwesenheit. Ich wäre so mit ihm beschäftigt, daß meine eigene Geschichte unter all diesen Fragen, unter all meiner Schuld vergraben wäre.</p>
<p>Was nun?</p>
<p>Ein Auto fährt heran, wird langsamer. Mir rinnt ein Schauder durch den Körper, alles zieht sich zusammen und ich möchte verschwinden, unsichtbar zusehen. Wenn er nun darin sitzt? Das Auto fährt vorbei, meine Gänsehaut begleitet die Erleichterung aus mir heraus.</p>
<p>Was nun?</p>
<p>Ich kann nicht mehr länger hier stehen bleiben, kein Taxi weit und breit und ich habe kein hier funktionierendes Telefon bei mir. Die Straße liegt leer links und rechts von mir, kein Auto, nur lange einsame Wege führen von hier weg. Vor mir die Treppe hinauf zum Haus, steiler und schwieriger als jeder Berg, den ich bestiegen habe.</p>
<p>Wohin nun?</p>
<p>Die Tür geht auf und mein Herz strauchelt. Er steht in der Tür und schaut mich an. Schaut mich einfach an.</p>
<p>Was nun?</p>
<p>Ich sitze fest, meine Füße in ihren schmutzigen Schuhen sind mit dem Boden verwachsen, kein Vor, kein Zurück.</p>
<p>Was nun?</p>
<p>Ich hebe meinen Blick, versuche in seine Augen zu sehen, die meinen so sehr gleichen.</p>
<p>Was nun? Was nun? Was nun? Was nun? Was nun?</p>
<p>WAS NUN?</p>
<p>&#8220;Komm herein.&#8221;</p>
]]></content:encoded>
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