Elfenbein

Ein Amulett an einer Schönheit

Dreifaltigkeit in Dir:
Erde, Gott und Selbst
Mond und Zeit

Bei Dir
wohin Du gehst
bist Du das Zentrum
allen Seins

Bist selbst immer
Erdgebunden
Gottgegeben
Selbst bewußt

mehr und weniger
auf Deinem Weg
von Dir zu Dir

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Dreispalt

C.B.

Verwurzelt tief in beiden
Vergangenheit und Hoffnung
neuer Zeit

Verdreht um Dich herum
Verlogener und fauler
Schwindel

Siehst den einen
ersehnst den andern

Liebst den einen
schuldest dem andern

Trägst nun zwei Gesichter
beide falsch
ziehst an zwei Herzen
beide bluten

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Die Stadt und die Zeit

Wien

Gesichter
in den Fassaden

Fratzen sehen Menschen
gehen
reiten
fahren

bewachen die Jahrhunderte
um
zugeschissen in verpesteter Luft
neue Glattheiten
neben sich zu erdulden.

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Anruf

Das Klingeln des Telefons
läßt mich vergessen
was ich tat
wo ich war.

Deine Stimme hörend
lege ich mich nieder und denke:
ich liebe Dich.

Ich schließe die Augen
versuche, Dich zu seh’n
Die Leere meiner Lider
senkt sich in mich.

Was dann bleibt
die Erinnerung Deiner Stimme
das Glänzen Deiner Augen
die Ahnung Deines Körpers

und das traurige Ziehen
Deines Fehlens in mir.

Von Melancholie überschwemmt:
innen keine Luft, nur die Angst
sie Dir zu nehmen,
liege ich und wünsche ich
ich könnte weinen

und sehne mich nach Dir.

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Abschied

Ich gehe.
Erinnerungen
Kindheit, Liebe und Landschaft
Lachen und Weinen
Von Neuem.

Erinnerungen
In der Musik
Für jeden Augenblick
Von Neuem.

Gedanken
Über jeden Einzelnen
Schön und häßlich
Von Neuem.

Seh’ Euch alle wieder
Von Neuem!

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Gehächselt

Wa Ich Rum
Ver Weiß Boten
Für Nicht Mich
     
Wa Ich Rum
Zu Weiß Viel
Den Nicht Ken
     
Wo Ich Runter
Be Weiß Graben
Ge Nicht Fühle
     
Wo Ich Vor
Weg Weiß Laufen
Wo Nicht Hin
     
? ? ?
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Die Liebe zum Detail

inspiriert von Laith al-Deen

Einsame Gedanken vom Dabeisein
schwanken in meinem Blick
auf Euch

Spezielle Gedanken vom Ganzen
tanzen um mich herum
zu Eurer Musik

Was anderes als ich
Was anderes als allein
Was anderes als das Detail

Vielleicht kann ich hoffen
das mein Tanz, mein Blick
eines Tages eins sein wird

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Treibender

Koh Chang

Mein Leben schlug Wellen
viel zu klein?
am falschen Strand?

Verfolgt von welligen Trieben
verschlug’s mich hier
wo ich wieder (W)Orte find

Laß mich treiben
vom Wellenrauschen
an irgendeinem diesem Strand

Nichts gesucht – alles gewollt
nichts gefunden – alles verloren
Nichts ist alles

Ich bin alles
selbstgetrieben
Sternenrausch

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Auf Wiederlesen: Abiturrede 1986

Vorrede

Stephen King hat sich im Vorwort zu seinem Schwarzen Turm sehr unterhaltsam mit dem Alter und der Lebenseinstellung seines 19-jährigen Ichs auseinander gesetzt (On being Nineteen). Er begann den ersten Band in exakt jenem Alter und beendete den Roman (sieben Bände, ca 7000 Seiten) mit ungefähr Mitte vierzig.

Ich stimme ihm vollen Herzens zu, denn ich habe für unser zwanzigjähriges Abiturtreffen meine Abiturrede ausgegraben, die ich (a) auch im Alter von 19 Jahren geschrieben, (b) nach zwanzig Jahren das erste Mal und älter geworden wieder gelesen habe, so daß ich (c) etwas beschämt auf meinen jugendlichen Stolz und Appelldrang schaue und (d) das ganze natürlich heute gaanz anders schreiben würde.

Es ist schön, mit dieser Zeitmaschine in die eigene Vergangenheit zu reisen und die eigenen Veränderungen zu beobachten: Beim Lesen kommen Erinnerungen über die damalige Vorvereinigungszeit und deren Wertemoden hoch. Ich entdecke eigene Werte, die mir im Laufe der Zeit in den Hintergrund geraten sind. [Mein zorniges jugendliches Ich runzelt gerade ganz erbost die Stirn: Verrat! ... Mein heutiges Ich möchte sagen "Ho, Brauner! Denk doch erst mal ein bißchen nach, bevor Du die Leut' zerreißt und gegen 'das System' wetterst".]

Ist es nicht so, daß sich die von uns kritisierten Themen im Laufe unseres Lebens verschieben? In der Jugend sehen wir eher die allgemeinen Fehler im System, dann wachsen wir in es hinein und regen uns – äter und erfahrener und weniger drangvoll geworden – eher über ‘den (einzelnen) Menschen’ auf. Man ist wettergegerbter, weniger idealistisch und trägt deswegen aber auch das Risiko, die jungen Menschen nur zu belächeln und sie nicht ganz so ernst zu nehmen.

Da ich beim Wiederlesen mich selbst beobachtete, brachte ich in diesem Fall etwas mehr Respekt mit, als ich im Alltag für andere Jugendliche (und Menschen) aufbringe. Durch mehrmaliges Lesen stellte sich eine Veränderung in mir ein: zuerst nahm ich mein junges Ich gar nicht ernst (und schämte mich für seine unordentliche Rede), dann kritisierte ich mich über Maßen beim zweiten Durchlesen, und nach dem Abschreiben für diesen Artikel bin ich an der Position angelangt, von der (‘meiner Meinung nach’ sagt mein jüngeres Ich) wir älteren die Jugend mit Liebe, Respekt und nützlicher (ankommender?) Kritik betrachten und beachten können.

Mit der eigenen Jugend fällt es ja noch leicht: man ist ja selber jung gewesen — was niemand abstreitet, manche aber sehr aufwendig verdrängen. Je mehr wir diese Liebe und Respekt — und das Lächeln — auch auf andere Menschen übertragen können, desto weniger Leid wird es für uns und in der Welt geben. Und somit bin ich nun sogar ein bisserl stolz auf mich, daß mir mein jüngeres Ich nach zwanzig Jahren diese schöne Erfahrung geschenkt hat.

Ich verzichte also auf die aufbreitete Kritik an der reinen Abiturrede, mein jüngeres Ich hört nämlich gar nicht zu.
Viel Spaß beim Lesen, Erinnern und in der eigenen Zeitmaschine!
Schwarzenbach, Juni 2006
Volker

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Wind 2.0

treibend in alten zeiten
lachend heut abend
vergessene tränen
vergebene schmerzen

waschen wir uns rein
gemeinsam einsam
vergangene fehler
vergebene taten

kichernd grinsend
zwinkernd sehend
Lachen heilt Trauer

freun uns jetzt
an aller zeit
gemeinsam nie einsam

leichfüßiger ernst
keine alte last
keine neue angst
wir im wind
Wir Sind Wind

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